typewriter

Honigblond.

Prosa

Er zog die Türe hinter sich zu und lies sich mit einem Rums auf das Sofa fallen. So gut es auch nur ging, versuchte er die zerknüllten Din A4 Blätter, die überall verstreut auf dem Boden lagen, zu ignorieren. Es war waren mittlerweile so viele Papierstücke zusammen-gekommen, dass man den gefliesten Boden darunter nur noch erahnen konnte. Schade eigentlich, dachte er, denn es ist ein sehr schöner Boden. Winzige, bunte Fliesen – Stück für Stück zusammengefügt. Ein wunderschönes Mosaik. Was für eine Heidenarbeit das gewesen sein muss. Solche eine Geduld aufzubringen, um diese filigranen Teilchen millimetergenau aneinanderzulegen, sah er sich nicht im Stande. Schon drei Mal nicht, wenn etwas derart Schönes dabei herauskommen soll. Man achtet ja viel zu selten auf die kleinen Dinge des Lebens, ruft er sich in Erinnerung. Heutzutage. Aber eigentlich auch schon immer. Er ließ seinen Blick zum Fenster schweifen, wo eine Taube sich über die Reste seines Frühstücks hermachte. Manchmal rauchte er zu seinem morgendlichen Kaffee eine Zigarette am geöffneten Fenster.  Und manchmal vergaß er seinen Frühstücksteller auf dem Fensterbrett. So wie heute Morgen. Der Tauberich stelzte von einem Fuß auf den anderen, legt den Kopf schief und pickte hier und da noch etwas auf dem Teller herum, ehe er wieder davon flog. Ein Leben hat der. Einfach davon fliegen können, wann immer einem der Sinn danach steht und bleiben, wo immer es einen hält. Der Gedanke gefiel ihm. Dann könnte er, wenn die Sehnsucht wieder einmal Überhand nehmen sollte, zu ihr fliegen. Bloß, um zu Gucken. Sich federfüßig auf ihrem Fensterbrett niederlassen und sich dem konspirativen Gefühl des Voyeurismus hingeben. Nur für einen kurzen Moment. Seine Synapsen liefen auf Hochtouren, als er sich den Gedanken an sie erlaubte. Oft tat er das nicht, aber wenn, dann empfand er es als könne man Schönheit fühlen. Er dachte an ihre weiche, weiße Haut. Wie Milch. Oder Porzellan. Oder beides. Da konnte er sich jetzt nicht festlegen. Der Duft, der den gesamten Raum überströmte, wenn sie das Haargummi aus dem Zopf löste und ihre honigblonden Haare sanft über ihre Schultern fielen. Himmelherrgott. So schön. Er musste die Augen schließen, um dieses Gefühl vollends auskosten zu können. Es ist ihm unbegreiflich, wie ein menschliches Wesen von einer solchen Schönheit heimgesucht werden konnte. Das Leben ist ungerecht, dachte er und blickte auf seine Knie, die schlaksig in den zerschlissenen Jeans hingen. Eine Weile noch saß er so da und hing dem Gedanken nach, wahrhaftig zu ihr, der Honigblonden, zu fliegen, um es sich auf ihrem Fensterbrett gemütlich zu machen. Dachte der Tauberich auf seiner Fensterbank auch so über ihn, wenn dieser so dröge auf einem Fuß stand und gurrte? Vielleicht war die Taube eine reinkarnierte Ex-Freundin. Oder der Junge vom Haus nebenan, den er früher gehänselt hatte. Er dachte an Karma und schüttelte etwas zu hastig den Kopf, um den Gedanken schnell aus dem solchen zu verbannen. Natürlich wusste er bereits, hier und jetzt auf seinem Sofa sitzend, was ihn dort erwarten würde – dazu müsste er nicht eigens hinfliegen, selbst wenn er die Fähigkeit besäße. Er gestand sich jedoch ein, dass der Gedanke des heimlichen Beobachtens ihm einen völlig neuen Reiz offenbarte. Er knubbelte etwas Haut von seinem Daumen und schaukelte den Gedanken noch eine Weile in seinem Kopf umher, ehe er aufstand und die fünf Schritte zum Fenster ging. Er atmete tief ein und presste die Luft zwischen seinen geschlossenen Lippen hervor. Es hätte durchaus schlimmer kommen können. Immerhin stand er zwischen jenen vier Wänden, die er sein Eigen nennen durfte. Nein, eigentlich konnte er wahrlich stolz sein. Er nahm ein weiteres DIN A4 Blatt vom Stapel.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Schrieb er in großen Lettern. Ihn erschlich ein Gefühl der Scham ob dieser abgedroschenen Worte. Er stellte den Teller beiseite, nahm das gelbe Feuerzeug vom Sims und zündete das geschriebene Wort an. Dem unweigerlichen Drang milde zu lächeln konnte er nicht widerstehen, was ihn sehr erfreute.

Ende.

 

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schaukel

Zu selten.

Lyrik

Ich habe dieses Jahr viel zu selten Kleider getragen, zumindest im Verhältnis zu der Zeit, in der ich lange Hosen trug. Und Pullover. Ganz zu schweigen von Schals und Jacken. Man sitzt und wartet, hofft, dass es Sommer wird. Als ob dann alles anders sei, als ob das Leben davon abhinge, dass die Sonne scheint. Tut es auch. Zumindest ein bisschen. Also sitzt man weiter oder steht und geht, strebt und lebt dieses Leben, was man nun einmal hat. Ein Geschenk. Hofft auf diese eine Jahreszeit, in der das Leben eine gewisse Leichtigkeit erfährt, die den grauen Stellen im Herzen die Daseinsberechtigung raubt.In der es sich anfühlt als ginge man permanent auf Wolken in Watte gepackt und in einer in der Sonne glänzenden Seifenblase. Die Zeit scheint still zu stehen, für diesen einen kurzen Moment – auch wenn er Tage andauert, manchmal auch Wochen. Man riecht und schmeckt das Salz auf der Haut viel zu selten. Kostet die Süße der Aprikosen, atmet den Duft von Lavendel und fängt den Wind mit den Haaren. Alles viel zu selten. Sonnenuntergänge am See, sengende Hitze und eiskalter Wein, der das Brennen in der Kehle löscht. Schlafen unter Sternen, die zum Greifen nah sind – ein Gefühl wie im Traum, nur in echt. Zerzauste Haare, sich suchende Hände und trockene Lippen.

Alles viel zu selten.

© themagnoliablossom

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Warum? I mean, why?

Kolumnen

Wir sind doch alle gebildete Menschen. Lernen schon im Kindergarten, dass es besser ist, den andern Kindern das Spielzeug nicht auf den Kopf zu hauen, man sich Brot mit Schimmel lieber nicht in den Mund stopft und, dass es in der Schule doch irgendwie cooler ist, die Hausaufgaben zu machen. Zumindest rückblickend. Kurzum. Wir sind fähig gut von schlecht zu unterscheiden. Und entscheiden uns im Zweifel für den Weg ins Licht als in Dunkle, wenn wir an der Kreuzung stehen. Oder?

Wieso ist es dann manchmal so, dass man sich ganz bewusst für etwas entscheidet, was ganz offensichtlich schlecht ist? Frauen wird ja oft nachgesagt, nein – viele behaupten das sogar von sich selbst – sie stünden auf Arschlöcher. Also, Männer, die sich wie solchen verhalten. Sich nicht melden, und wenn, dann nur dann wann es ihnen passt. Macht- und Egospielchen spielen, irgendwie nie so richtig greifbar sind und bei vielen Frauen neben Tränen oftmals eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Auf der Seele. Frauen, die mit einem solchen Exemplar das „Vergnügen“ hatten, sind auf ewig gebrandmarkt, sage ich. Denen ist gar nicht bewusst, was da alles kaputt geht. Also, so gesamtgesellschaftlich.

| Ich bin so gut wie du mich findest!

Mädchen und Frauen wird systematisch vermittelt, dass ihr persönlicher Wert nicht in erster Linie auf ihren eigenen Fähigkeiten, sondern auf ihrem Reiz gegenüber Männern und ihrer Beziehung zu Männern beruht. Das ist in zweierlei Hinsicht falsch. So werden aus guten Mädchen, schlechte Frauen. Und Männer bekommen das quasi so in die Wiege gelegt. Die Frage ist, was war zuerst: Huhn oder Ei. Vielleicht muss man auch mal Partei ergreifen für die Männer, die vielleicht (manchmal) so arschlochmäßig sind, weil sie selbst einmal so behandelt wurden? Von Frauen? Der sogenannten Arschloch-Frau. Die gibt´s nämlich auch. Aber bevor wir hier jetzt in allgemeines Gender-Mitleid verfallen, zurück zum Thema. Männer und Frauen, lasst euch gesagt sein. Frauen stehen nicht auf Arschlöcher. Nie. Nicht. Jeder, der was anderes behauptet, lügt. Männer wollen ja auch keine Arschloch-Frau, oder?

| I can smell him!

Das interessante ist, wenn frau – als Single wohlbemerkt –  zum Beispiel die Wahl hat zwischen einem verheirateten Mann (mit Kind, Haus, Hund – volles Programm) und einem Singlemann, der all diese Optionen für sie bereit hält, was der andere bereits mit einer anderen Frau hat. Wählt sie oft den verheirateten. Warum? Beide sind gleich nett und beide sehen gleich gut aus. Der eine hat Zukunft, der andere Vergangenheit. Warum stehen Frauen oft an dieser Kreuzung und nehmen den Weg ins Dunkle anstatt den Weg zum Glück? Hat das was mit dem Reiz des Verbotenen zu tun? Weil es ja eigentlich nicht geht und moralisch auch irgendwie verwerflich ist. Da stehen Frauen den Männern übrigens in nichts nach. Ich finde es immer wieder überraschend und erschreckend zugleich, wie gering die moralischen Ansprüche in unserem Leben geworden sind, sich oftmals nicht einmal mehr  ein schlechtes Gewissen einstellt, sondern sich beispielsweise ganz bewusst für das Fremdgehen entschieden wird. Man ganz schamlos von einem Bett ins andere hüpft  – manchmal ohne dazwischen zu duschen. Carrie fragt sich, ob Aiden Big riechen kann wenn Big Aiden in den Laken riecht. Berechtigt, oder? Warum ist das denn alles so? Sind wir wie kleine Kinder, für die etwas erst spannend wird, wenn es verboten ist? Wieso nimmt Freundin J. nicht diesen super smarten Typ, der ihr den Hof macht, sie zum Lachen bringt, immer für sie da ist, sie auffängt und loslässt – ein richtig guter ist und einer, den man gerne seinen Eltern vorstellen würde. Warum also nicht das, was offensichtlich gut ist? Anstatt dessen mehr oder weniger geheime Treffen mit dem verheirateten M., bei denen die Kinder und das Haus ganz weit weg sind und die Lippen ganz nah beisammen. Essen und Lachen auf der Dachterrasse, verstohlene Blicke voller Sehnsucht auf das, was nachts im Hotelzimmer passieren wird. Warum? Hat das wirklich etwas mit dem Reiz zu tun? Wollen wir es immer spannend und prickelnd haben, obwohl wir eigentlich sehr gerne stilles Wasser trinken? Warum tun wir uns das an – weggeschubst und hergezogen zu werden wie eine Marionette? Weil wir glauben, die Fäden selbst in der Hand zu haben? Weil wir diese hoffnungslos romantische und ziemlich naive Vorstellung haben, dass er sich doch irgendwann ändert? Weil Frauen immer gerne die eine sind, für die alles andere egal ist?

| Schlechtes Gewissen? Irgendwie uncool!

Fakt ist: Selbst wenn der besagte verheiratet Mann sich irgendwann von Frau und Kindern trennt – sofern das auch nur irgendwie geht – will man den dann? Der, der das Programm schon einmal so erlebt hat und man selbst höchstwahrscheinlich in ein paar Jahren auch ohne den Typen da sitzen wird? #onceacheateralwaysacheater? Ich weiss nicht, was ich schlimmer finde. Dass Männer so etwas machen oder, dass Frauen so etwas machen. Und ja, hier muss ich jetzt verallgemeinern. Es soll ja durchaus auch Fälle geben, bei denen das gut lief und die jeweilig neuen Partner jetzt ganz harmonisch mit allen Beteiligten zusammenleben. Aber in allen übrigen Fällen frage ich mich: Ist das der Anspruch, alles haben zu wollen und ganz offensichtlich auch zu können? Dass wir uns gar nicht mehr entscheiden müssen, ob wir den netten Typ als Freund und den verheirateten einfach mal so zum Spaß haben? Die tolle Frau als Mutter unserer Kinder und das junge Mädchen, um gegen die Midlifecrisis anzukämpfen?

| Und die Moral von der Geschichte?

Breitet sich die I-want-it-all Attitüde auf unser gesamte Leben aus? Sind wir nicht nur eine Generation, der nach diversen Uni-Abschlüssen die ganze Welt offen steht (zumindest gefühlt) und wir uns gar nicht mehr entscheiden müssen, weil wir tatsächlich alles haben können? Ist das quasi ein moralischer Freifahrtsschein? Ist Entscheidungsmüdigkeit aufgrund des Überangebots eine Entscheidungsunmündigkeit geworden? Haben wir verlernt gutes von schlechtem zu unterscheiden? Und ist das alles nur die Spitze des Eisbergs? Sind uns die schier unendlichen Optionen so zu Kopf gestiegen, dass uns durch dieses neue Selbstbewusstsein tatsächlich die Moral flöten gegangen ist? Spitzt sich das jetzt alles zu, so wie die gesamtwirtschaftliche Lage? Man kann ja alles ausreizen. Ziemlich lange. Aber irgendwann platzt die Blase. Vielleicht brauchen wir wieder ein bisschen mehr Grenzen vor dem Horizont. Ein bisschen mehr Bodenhaftung. Werte, die mehr wert sind als die Summe auf dem Girokonto. Ein bisschen mehr Spießigkeit. Und vielleicht ist das alles gar nicht so schlimm? Vielleicht ist es aber auch so, dass uns all das aufzeigen soll, dass wir Menschen gar nicht für die Monogamie geschaffen sind? Dass wir uns vielmehr einer kulturell aufoktroyierten Lebensweise unterwerfen und alle wie Motten um das Licht fliegen, obwohl das gar nicht unserer Natur entspricht? Vielleicht müssen wir in dieser Sache einfach lockerer werden? Vielleicht müssen wir uns aber auch eingestehen, dass absolute Sicherheit mit Sicherheit eine Illusion bleiben wird. Wenn wir das erst einmal verstanden haben, die Veränderung und den stetigen Wandel akzeptieren, annehmen und diesen für uns gestalten – vielleicht würden wir uns alle dann weniger wehtun. Und ganz vielleicht wäre die Welt dann tatsächlich ein kleines Stückchen besser.

 

© themagnoliablossom

SAMSUNG CSC

Watteweich.

Prosa

Ich liege auf der Erde und schaue in den Himmel. Das Gras ist noch ein bisschen feucht von dem Gewitter gestern, aber trotzdem angenehm warm von der Sonne heute. So ist da ja, nach dem Regen kommt immer die Sonne, oder? Die Welt zieht über meinem Kopf vorbei. Meine kleine, große Welt, denke ich und muss etwas schmunzeln. Die Wolken wiegen sich einen Hauch schneller als sonst im Wind. Watteweiße Fetzen verbinden sich zu Engelsflügeln oder Lungen – such dir was aus. Manchmal werden auch Einhörner draus. Oder kleine Herzen. Man muss nur ganz genau hinsehen.  Ich wünsche mir, wie ein Flugzeug durch die Wolken fliegen zu können. Watteweich. Die Kondensstreifen verblassen allmählich und ich frage mich, ob unsere Liebe auch einfach verblassen kann? Nach all den Jahren? Einfach so. Ganz klammheimlich. Ungefragt. Und es gibt ja schließlich auch so viele Flugzeuge. Ich atme tief ein, um mit selbiger Stärke auszuatmen und alle Wolken über meinem Kopf weg zu pusten. Ich mag das. Ich mag, wie sich die Wolken immer wieder neu zusammensetzten, sich verbinden, ja ineinander verschmelzen. Einswerden. Und dann, wenn die Wolkendecke dicht genug ist, bricht die Sonne sie auseinander. Das schräg einfallende Licht ist ganz besonders schön und gibt die Sicht auf ein strahlendes Blau frei. Die Wolken tun das einfach so. Die haben keine Angst vor neuen Mustern. Völlig selbst- und lautlos sind sie immer in Bewegung. Und erfinden sich immer wieder neu. Immer anders. Immer schön. Und weisst du, manchmal glaube ich du bist eine Wolke. Hier und da. Und noch weiter. Wie sieht die Welt denn von da oben aus? Ich kneife die Augen zusammen und lasse den Wind meine Tränen trocknen. Was sind Wolkenbilder ohne Wind? Und manchmal, wenn ich hier im Gras liege und die Wolken beobachte, frage ich mich, ob du denselben Himmel siehst wie ich.

 

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kolumne

Wegen weil. Is nich.

Das Münchner Kindl, Kolumnen
Ich weiss ja nicht, was ihr heute so nach Feierabend macht.
Hier gibt´s jedenfalls meine neue Kolumne zu lesen.
 
Titel: Wegen weil. Is nich. Und der Name ist Programm, sag ich euch.
 
Habt es fein❤
green field

Herzenhimmel.

Lyrik

Manchmal, wenn der Wind ganz sanft durch die Felder weht und das Grün leise zur Melodie tanzt. Wenn die Sonne ganz tief steht und es ein bisschen in der Nase kitzelt. Wenn es noch warm ist, aber nicht zu heiß. Wenn es nach Himbeeren riecht. Und Aprikosen. Zwischen all dem Lavendel. Wenn alles bunt ist und man sich einfach ein bisschen Schwarz wünscht. Oder grau. Wegen der Balance. Ein Drahtseilakt.

Wenn der Lärm in meinem Kopf immer leiser wird. Und das Vorbeiziehen der Wolken das einzige Geräusch ist, in dessen Klang ich mich verliere. Weil der Himmel mit dem Horizont verschmilzt. Und ich spüre wie sich die Erde dreht. Ganz langsam. Dann, wenn all das so ist, wie jetzt in diesem Moment, dann denke ich an dich. Ich spüre deine Umarmung, die mich wie ein zarter Windhauch umhüllt. Vielleicht ist es auch dein Atmen in meinem Nacken. Oder tatsächlich der Wind. Wenn ich mein Herz schlagen spüre und es vielleicht deins ist. Ein Herzenhimmel.

Es ist ein faszinierende Spiel von Licht und Schatten, von Düften und Gerüchen, Wärme und ein bisschen Melancholie. Dieser Ort ist meine Droge. Ich möchte ihn konservieren. Einpacken und mitnehmen. Immer wieder konsumieren. Und du, du bist all das und das ist manchmal so schrecklich schön, dass es weh tut. Weisst du das eigentlich?

 

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blumen frau

Lieblingsschuhe – oder die Sache mit dem Wok.

Kolumnen

Katertage sind eklig. Nicht nur, weil du morgens das Gefühl hast in der Wüste Gobi  aufzuwachen, sondern weil sich dein Herz mindestens genauso trocken anfühlt. Staubig. Schrumpelig. Nach einer Oase lechzend. Eben erst, gerade mal vor ein paar Stunden fühltest du dich wie Superman und Batman auf dem Bug der Titanic – mit Krönchen. Alles möglich. Alles nur einen Fingerschnipp entfernt. Man. Muss. Es. Nur. Tun.

Und nun stechen die durch den Vorhang fallenden Sonnenstrahlen ganz fies in deine Augen. Das Ohr schmerzt, weil man die halbe Nacht abgeknickt drauf gelegen ist. Aua. Während wieder Blut durch die diversen Körperteile fließt kehrt auch Stück für Stück Realität ein. Das Superman-Kostüm ist ein verdrecktes T-Shirt, das verloren auf dem Fußboden herumliegt, die Titanic ein kleines Plastikboot in der Badewanne. Der große Traum – ein Glas kühles Wasser. Kurzum. Emotional eher labil.

Der gute Ton.

Ich mache immer wieder den Fehler, an solchen Tagen mein Facebook zu checken und Facebook macht den Fehler, immer genau an diesen Tagen spezielle Posts für mich auszuwählen, die wohl besonders sehenswert sind (Danke, Mark!). Steffi und Lars haben sich verlobt. Inga und Peter haben endlich das Grundstück und bauen ihr Haus. Laura postet ein Foto, auf dem sie sich liebevoll die Hand auf den Bauch legt #mommytobe. Das sind eigentlich sehr schön Dinge. Und man könnte sich auch für Laura, Steffi, Peter und Lars freuen. Das tue ich auch. Weil: Sie haben das, was sich alle wünschen. Oder? Jeder will doch einen Partner, ein Haus und ein Kind. Das gehört halt zum guten Ton. Weiss ja jeder. Manchmal frage ich mich, ob ich mir das nicht auch besser wünschen sollte?

Wie war das mit dem Heiligenschein?

Böse Zungen unterstellen hier ja gerne Neid. Vielleicht ist da auch was dran. Aber man muss auch gönnen können. Manchmal finde ich es nur so erschreckend, oder bemerkenswert  – ich weiss es nicht genau – das eben jene Menschen vor ein paar Jahren, ach was Monaten neben mir in der Wüste aufgewacht sind. Die Nacht war der bessere Tag und getrunken wurde auf die Freiheit. Und plötzlich ist alles anders. Das geht so schnell, dass ich darauf eigentlich erst mal ein Konterbier trinken müsste. Oder besser gleich ´nen Schnaps. Ist es wirklich so, wie M. sagt? Dass Menschen, vorrangig die des männlichen Geschlechts, einfach irgendwann das Licht anschalten und entscheiden „Today is the day!“ – und die Frau, die sich den Typ mit dem Heiligenschein überm Kopf heranwinkt, bekommt ihn“. Spiel. Satz. Sieg. Hochzeit. Haus. Kind. Nichts mit Romantik. Nichts mit Schicksal und Stories á la er hat mir schon im Kindergarten Liebesbriefe geschrieben. Ist das alles? Eine einfache, bloße Entscheidung „ja, jetzt wird´s Zeit mit dem Kram“ und dann kommt der Kram? Eine Art self fulfilling prophecy?

Ich habe mich auch schon öfters für diese Dinge entschieden. Mich drauf eingelassen. Weil man das, im Zeitalter der Selbstoptimierung und der angeblichen Beziehungsunfähigkeit so tun soll. Mehr Mut und so. Ich habe all das gemacht. Gehofft und gebangt. Aber der Schuh hat irgendwie immer ein bisschen gedrückt. Klar, der war neu und musste erst eingelaufen werden. Aber selbst nach etlichen Kilometern war da noch diese kleine, fiese Druckstelle.

Voll romantisch, ey!

Ja, ich beneide Menschen, bei denen das einfach so klappt. Die gestern noch im Club das Licht angemacht haben und heute Familienväter sind. Nicht weil ich es ihnen nicht gönne, sondern weil diese Personen augenscheinlich das Richtige gefunden haben. Vielleicht sind wir alle gar nicht wirklich beziehungsunfähig und auch gar nicht so egoistisch, wie gerne von uns behauptet wird. Vielleicht sind wir sehr viel sensibler und feinfühliger. Stecken Grenzen klar ab und spüren intuitiv, wenn etwas nicht richtig passt? Wir haben eine unglaublich romantisierte Vorstellung von der Liebe, die wir hinter gespielter Gleichgültigkeit verbergen. Ich glaube, dass wir alle sehr viel verletzlicher sind, als wir vorgeben zu sein. Und vielleicht sind wir gar nicht alle Woks, sondern müssen unseren Deckel einfach nur noch finden. Oder gefunden werden. Oder wie auch immer. Vielleicht doch Zufall?

Let it grow!

Vielleicht aber geht unsere romantisierte Vorstellung sogar so weit, dass wir womöglich schon einen perfekten Gegenspieler gefunden haben. Tief im Herzen verankert. Mit Wurzeln. Dieser aber nicht mehr im Leben – also im echten, nicht das im Kopf – präsent ist, weil man jung war und das Geld brauchte oder einfach aus Gründen. Man kann zwar die Triebe jedes Jahr im Herbst zurückschneiden, aber die Wurzeln bleiben einfach da und treiben jedes Jahr auf´s Neue aus, bis man sie endlich umtopft und wachsen lässt. Oder, die Person tummelt sich bereits in unserem Umfeld, wir wissen aber noch nicht, dass diese Person das perfekte Pendant ist. Wie der Biss in ein Stück unreifes Obst. Zu früh. Zu sauer. Falsches Timing. Whatever.

Eine bewusste Entscheidung kann jedenfalls nicht dazu führen, dass man glücklich wird. Zumindest nicht langfristig. Dafür ist die Liebe viel zu vielschichtig, als dass sie sich durch solch einen Vernuftsschritt austricksen ließe. Vielleicht suchen wir uns – unterbewusst – immer wieder die vermeintlich falschen Partner aus. Die zu alten, zu jungen, die zu vergebenen und zu verkorksten. Nicht, weil wir masochistisch veranlagt sind, sondern weil wir intuitiv spüren, dass es einen Deckel gibt. Keinen besseren, aber einen, der genau auf den Topf passt. Wie das Paar Lieblingsschuhe, ganz hinten im Schrank.

 

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flamingos

Flamingo.

Prosa

Du schiebst mich unsanft unter das Vordach und drückst meine Hände gegen die Hauswand. Ich kann deinen Atem riechen und deinen Herzschlag fühlen. Es sind nur Millimeter zwischen uns. Die Luft ist so unfassbar heiß, dass die Regentropfen auf unserer Haut verpuffen. Wenn es blitzt, sehe ich für einen kurzen Moment das Funkeln in deinen Augen. Beim Donner zucke ich zusammen und du drückst meine Hände ein bisschen fester. Ich nehme an, du tust das, um mich zu beschützen aber mich muss man nicht beschützen.

Es war nur ein Blick und ein kurzes Hallo. Dahin gesagt. Fast gerotzt. Kurz. Angebunden. Sowieso. Immer. Big Business. Deine Zuneigung getarnt als Ablehnung. Es sind Augenpaare, die sich immer wieder suchen und finden. Zwischen all den schönen Menschen in noch schöneren Kleidern. Wie Flamingos stehen sie da und klammern sich an ihren Drinks fest. Ein angenehmer Geräuschteppich wabert über die Terrasse. Die Big Band beginnt zu spielen, ich lehne mich an das Geländer, nippe an meinem Weißwein und spüre wie sich Entspannung in mir ausbreitet. Du läufst zufällig an mir vorbei und beachtetest mich zufällig nicht. Die Entspannung wandelt sich in eine angenehme Spannung, die – in Kombination mit dem Wein ein süßes Kribbeln im Bauch verursacht. Es ist dieses alte, abgedroschene Spiel, das ich so sehr hasse und liebe zugleich. Es ist dieses fürchterliche Balzgehabe, zu dem mein Kopf nein, aber mein Körper ja sagt.

Ich stehe an der Bar und bestelle mir einen Drink. Ein Windhauch streicht mir über den Rücken und ich muss mich nicht umdrehen, um zu wissen, dass du hinter mir stehst. Ein bisschen Small Talk mit all den Flamingos. Eine zufällige Berührung  hier und da, einmal zu lange ausatmen. In meinen Nacken. Gänsehaut trotz der Hitze. Wir wollen alleine zu zweit sein. Und noch nie kam ein Gewitter zu einem besseren Zeitpunkt. Während die Flamingos unter Geschrei herumstaksen wie aufgescheuchte Hühner nimmst du meine Hand. „Los. Lauf“, sagst du und ehe ich begreife was ich tue, rennen wir Hand in Hand durch den Sommerregen.

Und nun stehen wir unter diesem Vordach. Klitschnass. Durchgeweicht. Bis ins Herz. Vielleicht war es die laue Sommernacht, die uns entfesselte. Vielleicht war es auch einfach nur der Wein. Aber in diesem Kuss entlädt sich alles, was jemals elektrische Ladung besessen hat. Du drückst deinen schweren, nassen Körper auf mich während deine Zunge sanft über meine Oberlippe fährt. Es geht um nichts außer diesem Kuss, der sich mit dem mächtigen Gewitter battelt. Laut und leise. Hell und Dunkel. Sanft und hart. Direkt über uns. Hier. Und jetzt. Unserer eigener Stromkreislauf.

 

© themagnoliablossom

birds

Der Sturm vor der Ruhe. Oder wie war das?

Das Münchner Kindl, Kolumnen

Na, heute Morgen auch schon Vogelhochzeit gefeiert?

Hand auf´s Herz: Seid ihr eher Eulen oder Lerchen?

Guckst du hier. Meine Kolumne, die ich für Das Münchner Kindl schreibe.

Habt es fein & happy Vizefreitag❤