How to have a beach body: have a body, go to the beach.

Kolumnen

Endlich ist er da, der Sommer. Flirrende Hitze, kühle Getränke. Kurze Röcke, ein Sprung ins kühle Nass und danach ein Eis. Herrlich. Ein Eis? Ne, geht nicht wegen weil meine Bikinifigur und so. Mädchen, geh nackt, dann brauchste keine Bikinifigur!

In Zeiten von Body Positvity und Selbstliebe all over hört man solche Aussagen seltener. Sich was gönnen, leben, genießen, essen. Egal, was andere sagen oder denken mögen. Ich bin gut, wie ich bin. Leichter gesagt, als getan. Nun bin ich nicht gegen diese Bewegung, im Gegenteil. Ich finde es gut und wichtig, dass wir alle (und damit meine ich nicht nur uns Frauen) uns mit unserem Körper im positiven Sinne auseinandersetzen. Frieden schließen. Ein bisschen weniger ich würde ja und dafür um so mehr ich bin ja. 

| Die Sache mit den kleinen Fehlern.

Aber eine Sache geht mir bei all dem seinen-Körper-lieben-wie-er-ist ein bisschen auf den Senkel. Von einem, zugegeben ziemlich guten Marketing, bekommen wir von allen Seiten zu hören, wir sollen doch bitte schön unseren Körper akzeptieren, wie er ist – mit all seinen Fehlern, auch wenn er nicht perfekt ist. Wie bitte? Das heisst also, ich muss meinen Körper lieben, auch wenn er kleine Makel aufweist? Trotz all der kleinen Unzulänglichkeiten, muss ich mich schön finden? Niemand ist perfekt? Na, wer entscheidet denn, was perfekt ist und was nicht? Trotz der Fehler. Wie ein bisschen Bauchspeck. Cellulitis oder dem krummen Zeh. Ein Fehler ist für mich, wenn etwas nicht richtig funktioniert. Mein Körper funktioniert einwandfrei, trotz Dellen. Aber das ist gar nicht der Punkt. Wir wissen längst alle, dass die fine-getunten Models in den Magazinen und auf Instagram „im real life“ nicht so aussehen. Der Punkt ist, dass diese Sache wieder an Bedingungen geknüpft ist. Als ob man bloß darüber hinwegsehen müsste, ja es gedanklich (oder wie auch immer) nur schaffen müsse, die sogenannten Fehler zu ignorieren, zu kaschieren, zu akzeptieren. 

| Würdest du es tun, wärst du auf einer einsamen Insel?

Die selbstbewusste Frau sagt da ja gerne mal „ich mache das alles nur für mich. Für mein Wohlbefinden“. Mag zu Teilen alles berechtigt sein (da nehme ich mich nicht aus), aber würden wir uns wirklich täglich die Beine rasieren oder unsere Augenringe dick mit Concealer abdecken, würden wir auf einer einsamen Insel weilen und keiner Menschenseele begegnen? I doubt it.

Der Punkt ist, dass schön immer noch Erfolg bedeutet. Wir haben das kulturell inhärent und es wird uns gesellschaftlich aufoktroyiert. Dieses Schön hat nur etwas seine Grenzen gelockert. Was früher der akkurate Zengarten war, der keine Pflanzen außerhalb der Beete duldete, ist heute ein bisschen mehr Dschungel. Wildwuchs. Wortwörtlich. 

Stilisieren die Medien nicht noch immer Frauen zu Objekten? Ist eine Selbstobjektivierung daher nicht die logische Konsequenz? Wenn ich xx Kilo weniger wiege, dann… Oder wenn ich noch ein bisschen häufiger ins Fitnessstudio gehe, dann… Bedingungen und selbstgeschaffene Regeln, die uns das Leben unnötig schwer machen. Da entscheiden dann 3 kg, ob du auf einer Party Spaß hast oder nicht. Und zwei Kugeln Eis, ob du einen Heulkrampf bekommst oder nicht. Ladys, nein!

| Nein, man muss nicht alles belabeln.

Nun aber bitte nicht die Medien verteufeln. Zu sagen, das Internet sei an allem Schuld, ist zu einfach. Wir haben es ja tatsächlich und zum Glück selbst in der Hand. Beziehungsweise im Kopf. Da fängt das nämlich alles an. Der Diversity Trend ist gut und wichtig. Aber bitte richtig. Sehen Frauen tatsächlich so aus wie die curvy Plus Size Models, die sich lasziv am Strand räkeln? Ist das quasi nicht wieder genau dasselbe, bloß mit 10kg mehr auf den Rippen und vor dem fadenscheinigen Vorhang der Body Positivity Bewegung? Und wieso muss man das Plus Size nennen? 

Wir sollten aufhören, alles belabeln zu wollen. Das scheint ein neuer Trend zu sein. Beim Essen, in der Freizeitgestaltung und so auch beim Körpergefühl. Haste keinen Namen dafür, ist es nix. Man muss doch hier gar nichts klassifizieren. Je mehr Beachtung man gewissen Dingen schenkt, um so mehr rückt diese Sache in den Mittelpunkt. À la jetzt bitte bloß nicht an den rosa Elefanten denken. Oder „ich esse einen Monat keine Süßigkeiten“ – dann kommt sicher der ultimative Jieper um die Ecke.

| Bitte nur mal eben kurz vorstellen.

Ein erster Schritt wäre die Entkopplung von dem (Selbst-) Wert und dem Aussehen. Noch so geil verpackte und mega instagramable Pralinen schmecken halt manchmal trotzdem einfach nur scheisse. Ich bin wer, weil ich ich bin. Und zwar nicht trotz meiner Fehler, sondern genau wegen dieser. Wie wäre es mit Komplimenten, die den Wert des Menschen, die Seele in den Vordergrund rücken? Bitte nur mal für einen kurzen Moment vorstellen. Wenn alle das machen, würde das ganz schön viel ändern. 

Ich bin nicht dafür, dass Aussehen, die Hülle gänzlich zu ignorieren. Denn oftmals geht es ja hier auch um die Gesundheit. Aber um sich schön zu fühlen, braucht man kein Label oder irgendeine eine Bewegung – da reicht es, sich mal selbst kurz an das hübsche Köpfchen zu fassen. Denn das findet dich immer nur genauso schön, wie du es ihm suggerierst. Und wenn dein Hirn dir halt manchmal sagt, scheisse heute. So be it. Solange es dein Hirn ist und nicht das Hirn von jemand anderem, ist das mehr als okay. 

 

© Julia

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Generation. Gap.

Kolumnen

Wenn man versucht, den eigenen Eltern den Sinn von Instagram zu erklären, kommt man schnell an seine Grenzen. Zum einen, weil wir das selbst nicht so genau wissen und zum anderen, weil wir die erste Generation sind, deren Leben sich so grundlegend von dem unserer Eltern unterscheidet. Während die Großeltern ihren Babyboomer-Kindern eine gute Ausbildung und eine Schaffe-Schaffe-Häusle-Bauen-Mentatlität in die Wiege gelegt haben, ist bei uns alles anders. Träume ändern sich und die Werte eben auch ein bisschen mit. Bei manchen bleiben sie leider ganz auf der Strecke. Wir können alles und wollen alles und – surprise – haben am Ende doch nichts. Wir sind unter dem Mantra alles ist möglich aufgewachsen, wenn wir es nur wollen und unsere Eltern wollen tatsächlich, dass wir es gut haben. Vielleicht auch besser als sie selbst. Weil sie eben nicht den Mumm (und die Möglichkeiten) dazu hatten, aus dem Hamsterrad auszubrechen. Oder aus Gründen. Aber gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Diese unzähligen Möglichkeiten, all die Optionen, die wir zumindest auf dem Papier haben, überfordern uns immer mehr. Man will ja schließlich nicht das machen, was alle machen. Wenn man schon die Auswahl hat. Eh klar. Das Streben nach Individualität und Abgrenzung führt aber vor allem zu einem: Wir sind alle individuell gleich. Aber der Struggle ist nur so real, wie wir ihm Raum geben.

| Ist das Internet wieder Schuld?

Fakt ist: Die Digitalisierung und die Ubiquität von diesem Internetz hat erheblichen Einfluss auf das Leben genommen. Beruflich wie privat. Alles schneller. Immer überall. Echtzeit, it is. Der Griff zum Smartphone zwischen dunkelorange und grün an der Ampel. Bitte nichts verpassen. FOMO at its best. Mal eben schnell die Mails checken zwischen Palmen und dem Bad im Meer. Und dann mal eben kurz die Welt retten. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen, manchmal lösen sie sich ganz auf. Do what you love. Heisst das dann.

| Was früher das Eigenheim war, ist heute die 4-Tage-Woche

Sicherheit für Freiheit aufgeben. Was früher mit dem Verkauf der eigenen Seele gleichstellet wurde, ist heute zum Must-Have avanciert. Immer mehr (junge) Menschen denken darüber nach, ihren Job zu kündigen und eine Strandbar auf Bali zu eröffnen. Zumindest aber ein fancy Startup zu gründen. Hey, immerhin sang Janis Joplin schon „Freedom´s just another word for nothing left to loose“ 

| Konsum statt Religion 

Sind wir also verlorene Seelen auf der Suche nach dem einzigen, wahrhaftigen Sinn? Während unsere Eltern und Großeltern Halt in der Religion oder zumindest in bewusstseinserweiterternden Substanzen gesucht haben, um der Realität auch nur mal so ein bisschen zu entfliehen, schwirren heute Begriffe wie Berufsjugendlicher umher und mit 32 Jahren darf man auch schon mal im 13. Semester irgendwas mit Medien studieren. Alles okay, wenn halt Bauchzeichner doch nichts war, das Jura-Studium irgendwie zu anstrengend und BWL einfach nicht den healthy Lifestyle widerspiegelt. Hey, kein Ding. Mama hat immer gesagt, du kannst alles machen, was du möchtest. Mit dem Abi in der Tasche stehen dir alle Türen offen. Ja?

| Die magische Formel (K): G = U – K 

Aber sind wir ehrlich, diese alles-ist-möglich Gehabe ist schön und gut, aber wächst uns ein bisschen über den Kopf, oder? Wir verlieren uns in endlosen Möglichkeiten, all den what-if´s und was-wäre-wenns und sehen den Wald vor lauter Bäumen tatsächlich nicht mehr. Statt irgendetwas wirklich Großes zu reißen, treten wir auf der Stelle, weil wir die Türe immer einen Spalt weit offen lassen. Wir optimieren unser Essen, unsere Wohnung, unsere Klamotten und ganz heimlich auch uns selbst. Wir lassen uns diese (kapitalistische) Gewinnmaximierungsformel diktieren, obwohl es genau das ist, was wir eigentlich verachten. Maximaler Gewinn ist gleich Grenzkosten gleich Grenzerlös. Grenzdebil. Wir suchen halt auch nur nach dem Sinn. Finden den dann in aberwitzigen Ernährungsformen oder kaufen nur Kleidung einer bestimmten Marke. Manche verstehen da dann tatsächlich keinen Spaß mehr – nicht nur, weil heute mal wieder #lowcarb Tag war. Aber irgendwie auch logisch: Konsum hat auf unser Gehirn den gleichen Effekt wie Verliebtsein oder andere Süchte. Das Belohnungszentrum wird ganz arg gestreichelt und das neuronale System ist auf Steigerung programmiert. Immer. Mehr. Und so geraten wir mir nichts dir nichts in eine hedonistische Tretmühle. Das sagt übrigens auch Hans-Georg Häusel, der in einer Studie den Zusammenhang zwischen Konsum und Glück analysiert hat. Luxuskonsum hat positive Auswirkungen auf das subjektive Wohlbefinden, sagt er. Der Kauf bestimmter Marken, die wir als attraktiv und begehrenswert einstufen, kaufen wir also, um uns gut zu fühlen, weil wir glauben, dass die Attraktivität auf uns abfärbt. Das tun wir, um Intimpartner anzulocken. Ha! Es geht also mal wieder nur um das Eine. Ergo: Alles Biologie. Konsum ist also quasi nur das Vorspiel.

| Auf Durchzug

Weil Liebe wollen wir. Alle. Irgendwo dazu gehören und uns gut fühlen. Nicht mit diversen Filtern und großzügigem Einsatz mit dem Weichzeichner, sondern in echt. Auch das wissen wir. Ist halt aber auch nicht immer so einfach. Die Sache mit den Entscheidungen. Vor allem, wenn man es nie richtig gelernt hat.

Und so stehen wir im Türrahmen und blockieren den Durchgang. Es herrscht immer Durchzug. Dann müssen wir uns aber auch nicht wundern, wenn uns der Wind um die Ohren pfeift. 1,2, oder 3 – ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht an geht. Denn im Dunkeln ist gut Munkeln. Farbe bekennen. Gelb oder Blau. Und halt eben genau nicht Grün. Oder, einfach mal über die Schwelle treten und die Türe schließen. Von außen. Und den Schlüssel dann am besten auch in irgendeinem Gulli versenken. Ciaosen.

Wir tun uns keinen Gefallen mit unserem selbstzerstörerischen Ehrgeiz. Denn der Glaube an die Perfektion ist ein Irrtum. Das wissen wir nicht erst seit #bodypositive. In der Imperfektion, der Verfehlung das Potential erkennen, ist das neue Must-Have. Nicht alles richtig machen, aber zumindest einfach mal was machen. Im Zweifel die Türe zu.*

 

© Julia

* Let’s make immeasurable moves to the left or the right but not central

Bla bla bla.

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Wann haben wir denn zuletzt ein richtiges Gespräch geführt? Also, du und ich. Wir alle. Miteinander. Meine ich. In die Augen schauen, zu hören, Rückfragen mit allem Pipapo und vor allem echtem Interesse? Immer häufiger, so kommt es mir vor, treffen wir uns – wenn überhaupt physisch – zu kurzen Schlagabtäuschen. In Rekordzeit werfen wir uns an den Kopf, was bei dem jeweils anderen so los ist im Leben. Ein bisschen Smalltalk-Gehabe. Immer schön an der Oberfläche kratzen, aber vorsichtig, damit nicht zu viel Späne fliegen. Man will ja schließlich gut dastehen. Sich selbst im besten Licht präsentieren und möglichst wenig Diskrepanzen zum Instagram-Feed aufkommen lassen, oder?

Was früher „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ war, wird durch „Mein Smartphone, meine Klamotten, mein Job, meine Freiheit“ abgelöst und scheint irgendwie zu einem Battle um Identität geworden zu sein. Ganz nach dem Motto: Zeig mir was du trägst und wo du einkaufst und ich sage dir, wer du bist. Das Einkaufsverhalten (nur bio!) sowie die Wahl der Einkaufsstätte (wie, du shoppst bei h&m?!) scheint elementar identitätsstiftend zu sein. Man schließt sich Gruppierungen an, um sich von andern abzugrenzen. Soweit nichts Neues.

Spiel. Satz. Sieg.

Aber können wir – in diesem ganzen Kosmos von Meinungen, die ethnozentristischer nicht sein könnten, überhaupt noch richtige Gespräche führen? Unserem Gegenüber zuhören, andere Sichtweisen annehmen und einen Dialog auf Augenhöhe führen? Oder verkommen wir viel mehr zu einer Generation, die sich auf das bloße Abladen von Information – in einer Art verbalem Ping Pong – besinnt? Hier und da gekonnt ein paar Oh´s und Ah´s fallen lassen nur, um die Zeit der eigenen Redepause zu überbrücken und interessiert zu wirken? Ein Monolog folgt dem anderen, in dem wir uns so gut wie möglich präsentieren? Uns selbst darstellen? Gut frisiert und optimiert?

Me, myself and I?

Wollen wir nur unseren Alltagsballast abladen und uns den Kopf frei reden? Ist es letztendlich egal, ob unser Gegenüber zuhört oder nicht? Geht es dabei ohnehin nicht (wieder) nur um uns selbst? Gestatte ich das auch meinem Rezipienten, ohne dass mich die Antwort tatsächlich interessiert? Weil ich doch noch einen Hauch an Empathie hege? „Das hat etwas Gönnerhaftes“, sagt Doris Märtin, die sich auf ihrem Blog sage und schreibe mit intelligenter Kommunikation beschäftigt. Somit wären wir wieder bei dem Egoismus, der unserer Generation ja so gern nachgesagt wird. Dreht sich in unserer Welt tatsächlich und ausschließlich alles nur um uns selbst? Heucheln wir Interesse, um von uns selbst berichten zu können? Von dem was wir sind und wer wir sein wollen? Sind wir tatsächlich solche Blender?

Denke ich an die letzten Gespräche mit meiner Freundin, muss ich ehrlicherweise zugeben, dass oftmals jede erzählt, was bei ihr gerade so passiert im Leben und das Gesagte häufig unkommentiert bleibt. Weil die Zeit nicht reicht oder warum auch immer. Dabei ginge es nicht darum, sich möglichst intelligent zu unterhalten, um Interesse zu zeigen und am besten schon vor dem Frühstück philosophische Grundsatzdiskussionen zu führen, so Märtin weiter. Oftmals sei es auch einfach wichtig, nur zu plappern. Um Schweigen zu überbrücken oder um des bloßen Redenswillen. Solche „verbalen Puffer“ schaffen Nähe und stellen eine Verbindung zum Gegenüber her. Denn Kommunikation besteht nicht nur aus dem inhaltlichen Aspekt, sondern zu einem Großteil aus dem Beziehungsaspekt. Faktoren wie Körpersprache, Stimmfarbe und Gestik spielen eine nicht unerhebliche Rolle.

Selfie? Twofie!

Achten wir doch beim nächsten Schlagabtausch über die neusten Geschehnisse lieber auf das Funkeln in den Augen oder die gekräuselten Lippen anstatt uns einfach nur berieseln zu lassen. Verlassen wir die oberflächliche Smalltalk-Ebene, steigen tiefer ein und lassen ernsten Gedankenaustausch zu. Denn wer es sich zu sehr in seiner eigenen (Gedanken-) Welt gemütlich macht, tut sich zusehends schwer mit der Vorstellung, dass es auch noch etwas anderes gibt. Andere Gedankengänge, Ansichten, Prioritäten, Überzeugungen und Meinungen. Da fehlt dann die Reflexion, denn die Handykamera sagt einem nicht, dass man es gerade gewaltig übertreibt. Und das schürt wieder den Egoismus, den wir ja eigentlich nicht wollen, oder?

 

© themagnoliablossom

 

 

Du bist so anders.

Kolumnen

Gründe Angst zu haben, gibt es viele. Manche Menschen verspüren ein beklemmendes Gefühl, wenn sie ihr Smartphone zu Hause vergessen. So manch einer soll schon auf die Idee gekommen sein, tatsächlich etwas zu arbeiten, vor lauter Langeweile. Andere haben vor Feiertagen Angst und kaufen – just in case – mal den halben Supermarkt leer. Und wäre das nicht so trostlos, käme man aus dem Lachen ja gar nicht mehr heraus. Wieder andere haben Angst um ihr Leben. Was wirklich schlimm ist. Damit meine ich nicht nur ganz aktuell die Flüchtlinge, die zuweilen in Deutschland stranden, sondern auch die Menschen hier, die Angst um ihr Kulturerbe und ihr Land haben. Die Angst sitzt tief. Gefährlicherweise entsteht diese Urangst in einem primitiven Teil des Gehirns, das keinen Hochschulabschluss hat, erklärt Borwin Bandelow, Angstforscher an der Universität Göttingen, und diese Ängste lassen sich nur schwer durch die intelligenteren Teile des Gehirns steuern. Es ist die Angst vor dem Ungewissen, dem Fremden. Es ist die Angst, nicht zu wissen was auf einen zukommt. Wie man sich fühlen könnte oder gar handeln sollte. Diese Fremdenangst entsteht aus einer Mischung aus Urängsten und rationalen Überlegungen, manifestiert Bandelow.

Individualität, my ass!

Aus dieser Ungewissheit heraus entstehen Vorurteile. „Die sind so“. Die Deutschen, die Briten, die Männer, die Frauen. Genauso wenig sind die so, wie alle Deutschen Tracht tragen. Ich lebe zwar in Bayern und hier tragen wirklich viele Menschen auch jenseits der Wiesn Drindl und Lederhosn, dennoch ist das keine Allegorie für ein gesamtes Land. Wir urteilen (vor-)schnell über Menschen. Über deren Lebensweise oder deren Aussehen. Alles, was nicht in unser selbstoptimiertes Bild passt, wird als Resonanzkörper ausgeschlossen. Warum? Bei Treffen im Freundeskreis spalten sich die Lager schnell. Egal, ob Feminismus (Geeezus!), die Rolle Griechenlands oder ganz aktuell bei dem Thema Flüchtlinge. Ja, selbst Helmut Schmidt polarisiert(e). Man ist entweder dafür oder dagegen. Es scheint nur entweder oder zu geben. Pro oder contra. Schwarz oder weiss. Dabei ist grau doch auch schön. Oder bunt.

Ich habe da eine Allergie.

Irgendwie haben wir eine Allergie gegen alles Andersartige entwickelt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, jaja. Der Schweinehund ist aber immer nur so groß, wie die Disziplin klein ist. Oder? Wir handeln nach bestimmten Verhaltensmustern, die wir irgendwann einmal erlernt haben. Das mag zum einen vielleicht kulturelles Erbe sein, oft ist es aber konditioniertes Verhalten und in vielem machen wir es uns auch schlichtweg zu einfach. Meine Freundin A. hat glasklare Vorstellungen von ihrem Traummann. Groß muss er sein („unter 1,83 m geht da nix“), dunkle Haare muss er haben und Tattoos. Eh klar. Wer im Glashaus sitzt… Es gab da mal einen kleineren, blonden. Der war ziemlich nett, fand ich. Sie hat ihn mit beharrlicher Vehemenz ignoriert. Der Arme…

„Lieber leben wir in unserer perfekten Traumwelt – ein Konstrukt aus Sehnsucht und Realitätsflucht – und warten auf die Traumprinzessin oder den Traumprinzen“

Wir folgen immer wieder unseren Mustern und Verhaltensweisen und meinen, wenn wir uns auf einen bestimmten Typ Mensch beschränken, kann alles nur gut werden. Denn den kennen wir. Da wissen wir, was auf uns zukommt. Wissen, wie wir agieren können. Zwar ist nicht alles super toll, aber zumindest auch nicht super scheisse. Dabei machen wir uns häufig selbst was vor. Den Typ gibt es nicht. Wir schaffen es nur selten, über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Wege zu gehen. Die ersten Spuren im Schnee – war das als Kind nicht das Allerschönste? Jetzt, als Erwachsene verlassen wir die ausgetretenen Pfade nur selten. Wenn sich doch mal einer wagt, zeigen wir mit dem Finger auf ihn, als sei er ein Aussätziger. Ein Andersartiger. Sind wir überhaupt noch fähig, die Vielfalt und ihre unerschöpfliche Inspiration zu erkennen? Ich finde, wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, nur akzeptiert und anerkannt zu sein, wenn man möglichst gleich, ähnlich oder angepasst ist. Die herbe Enttäuschung kommt nämlich oftmals dann, wenn man erkennt, dass die, die zunächst so ähnlich erscheinen so komplett anders sind. Sind wir doch ein bisschen großzügiger. Mit uns selbst, aber vor allem auch mit anderen und deren Anderssein. Empathie statt Egoismus.

Ein Konstrukt aus Sehnsucht und Realitätsflucht. Aber was ist mit dem Herz auf dem OP-Tisch?

Auf Instagram haben diejenigen die meisten Follower, die tagtäglich massenkonformes, perfekt editiertes Bildmaterial hochladen. Individualität? Fehlanzeige! Identifizieren wir uns nur (noch) mit Clowns unser Selbst? Sind wir zu kleinen Narzissten geworden, die keine Götter neben sich dulden? Wir sind geizig und das nicht nur mit unseren Gefühlen, sondern auch mit dem Interesse an Anderen. Ziehen uns lieber in unhaltbare Mingle-Ringle*- Amusements zurück, anstatt mal richtig blank zu ziehen. Das nackte Herz auf den kalten OP-Tisch legen. Da darf dann schon mal Blut fließen. Lieber leben wir in unserer perfekten Traumwelt – ein Konstrukt aus Sehnsucht und Realitätsflucht – und warten auf die Traumprinzessin oder den Traumprinzen. Den es so per se wahrscheinlich nur in unserem Kopf gibt. Manchmal wissen wir das auch. Insgeheim. Können aber trotzdem nicht anders. Vielleicht ein bisschen aus (Selbst-) Schutz für das Organ links in der Brust. Und aus Gründen. Und manchmal, macht uns das ganz schön einsam. Würden wir einfach einmal die Scheuklappen abnehmen und links und rechts am Wegesrand ein bisschen grasen, anstatt nur vorbei zu galoppieren, würden wir in vielen Fröschen einen Prinzen oder gar eine Prinzessin erkennen. Vielleicht muss man einfach mal mehr innehalten, mehr den Bauch entscheiden lassen als sich ständig von diesem Kopf, der eh immer alles besser weiss, reinpfuschen zu lassen. Vielleicht wären und sind wir dann vor allem eines: Glücklich. Und bunt. Jawohl.

 

 

© themagnoliablossom

 

*Ringle: Jmd., der zu hohe Erwartungen an die (romantische) Liebe hat und deshalb Single ist.

 

 

 

Psst!

Hallo. Hello. Hej. Hola. Salut.

…scrollt doch mal ganz runter. Ja, noch ein bisschen weiter. Genau da. Ganz unten auf der Seite. Dann bitte einmal auf das  +  klicken. Oh. Ha. Da gibt es jetzt nämlich ein bisschen High Life und Halligalli zum Anschauen. Jawohl. Instagram und so. Ihr wisst schon. Guckt doch mal vorbei. Kostet auch nix.

Happy Monday ❤