Ghost. Train.

Prosa

Meine Hand streift über die reifen Früchte, die perfekt aufgereiht in der Auslage liegen. Dunkelviolett und saftig. Drei für Zwei. Sagt die Verkäuferin. Aber drei waren schon immer eins zu viel. Du bist du zu viel, sagst du und ich weiss nicht was ich darauf antworten soll. Ich habe lange darüber nachgedacht. Hinterher ist es wie vorher. Und nicht immer hätte man es im Nachhinein vorher besser gewusst. Der Zeiger an der Uhr hat sich schon dreimal um seine eigene Achse gedreht und ich sitze hier. Noch immer. Lasse die Zeit verstreichen als hätte ich einen geheimen Vorrat. Irgendwo in Timbuktu. Dabei bist du es, der mal wieder irgendwo hinfährt und nirgendwo ankommt. Du tippst diese einzelnen Worte auf deinem Display. Touchscreen. Aber nur von außen. Und ich versuche mir vorzustellen, wie du dabei aussiehst. Ob deine Oberlippe ein bisschen zuckt, so wie früher und sich dann diese kleinen Grübchen links oben bilden. Direkt neben der tiefen Furche, die dein Gesicht verzaubert, wenn du von Herzen lachst. Ich versuche mir genau das vorzustellen, aber viel wahrscheinlicher ist, dass das nur eine lästige Pflicht für dich ist. Zwischen zwei Terminen. Irgendwo im Nirgendwo. Denn es gibt keinen Empfang in diesem Zug. Und zu deinem Herzen. Sowieso. Nicht. Ich fahre weiter in diesem Ghost-Train. Kopflos. Denn ich habe das Ticket für dieses Rennen gewonnen. Benutzung auf eigene Gefahr. Steht da in großen Lettern. No risk, no fun, denke ich. Und da ich schon mal da bin, lass ich es krachen. Let it rock and let it roll. Ich hätte es wissen können. Aber zwischen wollen und können liegen manchmal eben Welten. Und Kunst kommt nicht immer von Können. Du bist der perfekte Fremde, denke ich. Und du sagst „let´s just keep it like this“.

Ich sitze an meinem Küchentisch und beisse in diese saftig-süße Feige und frage mich, warum Feigen Feigen heissen und warum es deine Lieblingsfrüchte sind.

 

© Julia 

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Wortheldin.

Inspiration

„Heute bin ich eine andere als gestern und morgen passe ich vielleicht schon nicht mehr in die Schuhe von heute“

Ich habe es mir auf Dominiks Couch gemütlich gemacht und ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert – was dabei raus kam, könnt ihr hier lesen.

Happy Sunday ❤

Abschiede.

Kolumnen

Ich falte meinen Pullover und stecke die Zahnbürste in den blauen Kulturbeutel. Zwischen dem Ankommen und Abreisen liegen nur wenige Tage. Ein Vakuum. Eine gänzlich eigene Welt, in der die Zeit irgendwie still zu stehen scheint. Oder ganz besonders schnell voranschreitet. Wie auf Watte wanke ich durch den Flur, um meine Habseligkeiten in der Reisetasche zu verstauen und wische mir den Rest Zahnpasta vom Mund. Vielleicht war das aber auch eine klitzekleine Träne.

Von Null auf Hundert. Umarmungen. Nähe. Ankommen. Zuhausesein. Nestwärme. Genießen. Zusammensein. Stunden vergehen aus denen Tage werden, die klammheimlich in Wochen übergehen. Welchen Wochentag haben wir eigentlich heute? Ich weiss es nicht und es ist schlichtweg egal. Denn solange deine blonden Haare neben mir unter der Bettdecke hervorragen, die sich so sanft im Einklang mit deinem Atem bewegt, weiss ich dass alles andere unwichtig ist.

Einen Funken Restwärme spüre ich noch jetzt, während meine Finger das eisige Lenkrad umklammern

Ich ziehe den Reisverschluss meiner Tasche zu und muss hier und da ein wenig drücken. Man hat ja immer zu viel dabei. Und überhaupt. Viel zu viel von allem. Während ich die Tasche in den Kofferraum hieve, wünsche ich mir ein bisschen mehr von diesen Prioritäten im Alltag. Ich weiss, dass ich dort wieder ankommen werde, muss und will. Denn immer nur Watte ist irgendwie auch scheisse. Man will so vieles und immer mehr davon, dabei ist es oft das Unscheinbare wie deine blonden Haare, die unter der Bettdecke hervorlugen und mein Herz mit so viel Wärme füllen. Mit diesem Gedanken drehe ich den Zündschlüssle um und starte den Motor. Abschiede mag ich nicht. Denn sind wir ehrlich, auch nach der zwölften Umarmung und dem zwanzigsten Mal umdrehen wird es nicht besser. Einen Funken Restwärme spüre ich noch jetzt, während meine Finger das eisige Lenkrad umklammern. Ich fahre los in das noch junge Jahr und verspreche mir, diesen Gedanken beizubehalten.

Denn ein Ende ist ja auch immer ein Anfang. Irgendwie.

 

Goodbye don´t mean I´m gone

 

© themagnoliablossom

Der Lack ist ab.

Inspiration, Kolumnen

Manchmal, wenn es regnet sitze ich am Fenster und pule den abgesplitterten Nagellack von meinen Fingern. Mal rot, mal schwarz. Manchmal auch pink oder weiß. Während die feinen, bunten Splitter wie Konfetti auf die Straße fallen, frage ich mich, warum es so schwer ist sich für irgendetwas zu entscheiden. Ich meine rot oder schwarz. Kein grau oder braun, sondern rot oder schwarz. Oder eben weiß.

Am Ende der Straße

Kolumnen

Eine Reise ist ja auch immer eine Suche. Irgendwie. Aber was suchen all die Reisenden? Die Weggeher, die Davonläufer, die Heimkehrer, die Wiederkommer?