Capillus

Lyrik, Prosa

Ich sehe nur einen Lichtspalt unter der Küchentüre als ich die Watte aus meinen Ohren nehme. Wachsweich und rosa. Wie mein Herz. Du drehst dich nochmal um und ich höre deinen flachen Atem. Meine Hand bahnt sich einen Weg durch die verschwitzen Laken. Noch mehr Watte, Leinen und andere Fasern. Ineinander verwoben. Verworren. Stricken war noch nie meins. Der Faden ist zu lang, obwohl er rot ist. Er zieht sich durch alles durch. Beharrlich. Beständig. Die Fasern werden immer dichter. Immer mehr um mich rum. Klack. Klack. Klack. Ein Kokon. Aus deinen Gedanken und Ansichten. Nebelscheinwerfer an – Sicht unter 30 Meter. Ich höre so schlecht, dass ich schon fast nichts mehr sehe. Innerlich. Meine Hand erreicht deinen Kopf und ich streiche dir die Haare aus dem Gesicht. Meine Finger verheddern sich in deinen Locken. Gefesselt. Als ob es so sein müsste. Dein Capillus gefangen in meiner Derma. Du und ich. Mit Haut und Haar. Als ob es so sein müsste.

© Julia

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