Mit dem Rad zum Mond.

Kolumnen

Pünktlich um zwölf Uhr knurrt bei vielen ja der Magen. Besonders bei denen, die um sieben Uhr neunundfünfzig schon frisch frisiert und mit angespitztem Bleistift vor dem PC sitzen. Manchmal kommt man drum herum, ein anderes Mal muss man es tun. Ein joint Lunch mit den Kollegen – wie man das ja neuerdings nennt und bei dem ich irgendwie immer an was anderes denken muss. Mit Kollegen verhält es sich ja ganz konträr zu Freunden, sprich: man kann sie sich nur bedingt aussuchen. Der quälende Smalltalk beginnt bereits auf dem Weg zum gewählten Lokal – frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Oder so. Der Chef ist dabei, jeder zeigt sich von der besten Seite. Immerhin scheint die Sonne. Jedem aus´m Arsch. Yeah. Sommer ist was in deinem Kopf passiert.

Zwischen Salat und Couscous liegen ja manchmal Berge – nicht nur an höchstgefährlichen #carbs, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes, liebe Wanderfreunde. Und vor dem Cappuccino hab ich noch eben schnell den Tegernsee umradelt. Geht ja schnell. Ich kämpfe immer noch mit dem großen Salatblatt. Wellness am Wochenende, super Angebot. Gardasee im Sommer, eh klar. Und am Feiertag an der Isar zum Flughafen raus radeln. Total schön. Und, was machst du so am Wochenende? Schon Sommerurlaub geplant? Eine Zoodle verheddert sich in meinem Hals. Jetzt sag halt was Spannendes, denke ich mir und sage, dass ich mal an den Eibsee fahren will. Oder zumindest den Starnberger See.

Man muss ja immer was machen. Reisen, touren, entdecken, gucken, machen und tun. Das Bett. Immer. Morgens gleich vor dem Aufwachen. Am besten schon samstags um 6.30 Uhr aufstehen damit „man alles geschafft“ bekommt in der kostbaren Zeit zwischen Freitagabend und Sonntagabend aka Wochenende. Ach so. Im Stau stehen auf der A8 Richtung Rottach. Aber hey, du warst zumindest schon mal in Salzburg zum Frühstücken? Äh, nö. Aber manchmal gehe ich um 6.00 Uhr ins Bett. Die Sonnenaufgänge im Sommer sind so wunderschön und mit vom Tanzen müden Füßen und einem vom Lkw gefallenen, frischen Croissant fühlt sich das richtig toll an. Manchmal stehe ich um 8.00 Uhr auf. Auch am Wochenende. Trinke Kaffee auf dem Balkon und zubble hier und da etwas an meinen Pflanzen herum, die so herrlich unperfekt über das Geländer baumeln. Oder ich schleiche im Pyjama auf den Markt um´s Eck, tue so als verstünde ich kein Deutsch und kehre kichernd mit besonders frischem Obst zurück. Bist du krank? Nein ungeschminkt. Hach, heute nichts erlebt. Auch schön.

Ja sag, und was hast du so geplant? Nix. Aber vielleicht trinke ich ein Bier heute Abend. Oder zwei.

Die schönsten Dinge passieren doch ohnehin immer ungeplant, oder? Sich verlieben zum Beispiel. Oder einen freien Parkplatz im Glockenbachviertel finden.

Da sitze ich also vor meinen Zoodles in der Sonne und ringe um Luft. Nicht nur wegen dem Grünzeug in meinem Hals. Sondern aufgrund der Intoleranz einer pseudotoleranten Gesellschaft. Ich fühle mich ein bisschen so, als müsse ich mich rechtfertigen. Als müsse ich ständig und immer irgendetwas machen, um als gesellschaftskonformer Mensch wahrgenommen zu werden. Ich halte nichts von Konventionen und Sätze wie „das macht man halt so“ oder „muss man gesehen haben“ bringen mich auf die Palme. Vor allem von Menschen, deren eigener Horizont in etwa so weit reicht wie der Abstand von der Stirn zum Brett vor dem Kopf. Oder so. Das macht mich traurig und wütend und ich glaube es ist nicht gut, sich mit Menschen zu umgeben, die so ein gravierend divergierendes Mindset haben als man selbst. Aber, und das ist der Anspruch, den ich an mich selbst habe – mich nicht genauso intolerant zu zeigen, sondern Lebensentwürfe, von denen ich so gar nichts halte, zu akzeptieren. Auch und gerade mit Zoodles im Hals. Denn jedem das Seine. Mich frei entscheiden zu können, was ich tun und vor allem nicht tun möchte ist für mich ein elementarer Bestandteil meiner (geistigen) Freiheit, dem gelegentlich der Inbegriff der Spießigkeit gegenübersteht. Oder gegenübersitzt. Im Büro.

Was also tun? Einen Job kündigen, der einem Spaß macht? Ein Stück (gefühlte) Sicherheit aufgeben? Kann man, muss man aber nicht. In der Zwischenzeit empfehle ich einen joint und einen Lunch mit den Lieblingskollegen. Im Schneidersitz im Halbschatten sitzend und Falafel von Papptellern essend.

 

© Julia

Froot. Loop.

Das Münchner Kindl, Kolumnen

Die 90-iger feiern ja gerade ein großes Comeback. Zwischen der Levis 501, dem Kurt Kobain Gedächtnislook und dem Revival der Baumwollunterwäsche bleibt ein bisschen Zeit für Stirnrunzeln. Gerade erst bin ich doch den Radlerhosen entwachsen und erröte peinlich berührt beim Anblick der Beweisfotos, da sind sie schon wieder hip? Alles scheint sich schneller zu wandeln als ich Leggings sagen kann – allen voran die modischen Zyklen. So langsam kann ich verstehen, wie sich meine Eltern angesichts meiner teenagerlichen Schlaghosenliebe gefühlt haben müssen. Es ist ja so, dass wenn ich den Kids heute in meinen gerade verdauten Jugendsünden in freier Wildbahn begegne – fühle ich mich vor allem eines: ganz schön alt. Ich sehe mich mit Baggyjeans, Superstars und Karohemd an der Ecke stehen, während ich so tat als würde ich rauchen. Uaaaah! Kopfkino.  Es gibt aber auch schöne Erinnerungen. An damals. Das Frühstück aus diesen bunten IKEA Plastikschälchen zum Beispiel. Kennt ihr die noch? Da war schon vor dem Aufwachen Krieg um das einzig pinke Schälchen. Glücklich und zufrieden (sofern man das pinke ergattert hat) haben wir die Cini Minis, Froot Loops, Smacks oder Frosties draus gelöffelt, die aus dem blauen Schälchen tatsächlich nur halb so gut geschmeckt haben.  Oder der Geruch von Sommerferien, den Ledersitzen im Auto und dem Proviant von Mama, das schon vor der Autobahnauffahrt verputzt war. Der typische Geruch beim Metzger und die obligatorische Scheibe Wurst, die man über die Theke gereicht bekam und selbst auf Zehenspitzen und mit gierigen Fingerchen kaum dran kam. Oder kennt ihr noch die Serie „Es war einmal… das Leben“? Wenn die bösen Bakterien sich ihren Weg durch die Nase in den Körper bahnen, aber noch bevor eine Grippe oder eine Lebensmittelvergiftung ausbricht, kommen die Abwehrzellen in ihren kleinen Ufos angeflogen und machen den Bösewichten den Garaus. Hach ja. Manchmal, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit ein Croissant herunterschlinge und mir in der Tram jemand in den Nacken niest, denke ich an all das und an Cornflakes aus pinken Plastikschälchen.

 

© themagnoliablossom

#ohnegroßeworte

Inspiration

Dieses Bild entstand vor zwei Wochen. Vor vierzehn Tagen. Keine Jahreszeit steht so sehr für Veränderung und Umbruch, wie der Herbst. Prächtiges Farbenspiel, kühler Wind, Sonne und Nebel – alles innerhalb ein paar Stunden, alles so vergänglich. Melancholie im Wechsel mit Glückseeligkeit. Und ehe man sich´s versieht, nur ein Wimpernschlag entfernt – ist alles kahl, alles anders. Von einer Sekunde auf die andere ist alles anders. Der Herbst ist so turbulent wie das Leben. Wenn man es schafft, jeder Veränderung etwas Positives abzugewinnen, wird es ein guter Winter. Glaube ich.

afterlight

Rays of change