Slippery when wet.

Kolumnen

Man klammert sich am Konjunktiv fest. Hätte, wäre, könnte. Morgen. Vielleicht. Die Türe stets einen Spalt weit offen. Für die Flucht zurück in die Comfort Zone. In das Bett mit der durchgelegenen Matratze. Wenn die Veränderung zu viel wird, das Leben schneller passiert als die Sojamilch für den Matcha Latte aufgeschäumt ist. Wenn man plötzlich nach A auch B sagen muss, weil das nun mal die Konsequenz ist. Auch wenn man als Generation Y Kiddo in einem Meer aus Optionen schwimmt und das Commitment nur als dunklen Schatten an der Wasseroberfläche wahrnimmt. Weil man Dinge auch einfach mal machen muss. Und aushalten. Wenn es ist, wie es ist. Denn nicht nur Mutti hat (fast) immer recht, sondern auch das Leben im Allgemeinen.

Zugegeben, das erfordert schon etwas Mut. Aber sag, wann haben wir den denn verlernt? Mit 5 Jahren sind wir völlig sorgenfrei auf hauchdünn zugefrorene Seen gekraxelt, uns an Ästen dünn wie Kate Moss´ Ärmchen gehangelt und uns gefühlt wie Jane. Und heute fragen wir uns bloß noch wo Tarzan geblieben ist? Während wir mit Netflix und wifi in unserer Homebase verweilen. Früher war alles besser. Ja ja, been there, done that. Netflix is super. Kennen wir alle. 10 Stunden-Tag, doofes Meeting, Kaffee alle und dann auch noch Regen. Ne. Echt jetzt. Da ist Option 1-10 die Couch.

Und ich verstehe dich. Wenn du dann an der Bar stehst und dir einen Gin Tonic bestellst, der so schal schmeckt wie sich dein Herz anfühlt. Kommt ja nicht von ungefähr. Denkste dir. Hat die Evolution ganz gut eingefädelt. Biochemisch ist Herzschmerz nämlich mit kaltem (!) Heroinentzug zu vergleichen. Braucht man jetzt nicht unbedingt. Logische Konsequenz. Herz zu. Netflix an. Easy. Aber sag, wie lange kannst du in dieser Blase leben? Platzen nicht alle Blasen irgendwann? Die dot-com oder die Immobilienblase oder manchmal halt auch die Seifenblase. Slippery when wet. Wusste schon Jon Bon Jovi. Vorsicht rutschig. Ruft´s noch ehe man der Länge nach auf den zerplatzen Träumen dahin schlittert. Da schürft man sich dann ganz fürchterlich die Knie auf und wenn man nicht aufpasst – und den Kopf immer schön hoch hält, das Kinn gleich noch mit dazu. Aua.

Du, ich kenn das. Aber zurück in die Zukunft ist keine Option. Weder bei Netflix noch in echt.

Wenn du sitzt, bangst und hoffst. Mit wunden Fingern vom zappen und swipen. Und sich die Gedanken in den Spinnweben in deinem Gedankenkarussell verheddern. Wenn du im Sumpf des Konjunktivs zu ersticken drohst, ist es Zeit für Futur II.

Denn aus jedem Kokon wird ein wunderschöner Schmetterling geschlüpft worden sein.

Learning to fly.

 

© Julia

 

Werbeanzeigen

Generation. Gap.

Kolumnen

Wenn man versucht, den eigenen Eltern den Sinn von Instagram zu erklären, kommt man schnell an seine Grenzen. Zum einen, weil wir das selbst nicht so genau wissen und zum anderen, weil wir die erste Generation sind, deren Leben sich so grundlegend von dem unserer Eltern unterscheidet. Während die Großeltern ihren Babyboomer-Kindern eine gute Ausbildung und eine Schaffe-Schaffe-Häusle-Bauen-Mentatlität in die Wiege gelegt haben, ist bei uns alles anders. Träume ändern sich und die Werte eben auch ein bisschen mit. Bei manchen bleiben sie leider ganz auf der Strecke. Wir können alles und wollen alles und – surprise – haben am Ende doch nichts. Wir sind unter dem Mantra alles ist möglich aufgewachsen, wenn wir es nur wollen und unsere Eltern wollen tatsächlich, dass wir es gut haben. Vielleicht auch besser als sie selbst. Weil sie eben nicht den Mumm (und die Möglichkeiten) dazu hatten, aus dem Hamsterrad auszubrechen. Oder aus Gründen. Aber gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Diese unzähligen Möglichkeiten, all die Optionen, die wir zumindest auf dem Papier haben, überfordern uns immer mehr. Man will ja schließlich nicht das machen, was alle machen. Wenn man schon die Auswahl hat. Eh klar. Das Streben nach Individualität und Abgrenzung führt aber vor allem zu einem: Wir sind alle individuell gleich. Aber der Struggle ist nur so real, wie wir ihm Raum geben.

| Ist das Internet wieder Schuld?

Fakt ist: Die Digitalisierung und die Ubiquität von diesem Internetz hat erheblichen Einfluss auf das Leben genommen. Beruflich wie privat. Alles schneller. Immer überall. Echtzeit, it is. Der Griff zum Smartphone zwischen dunkelorange und grün an der Ampel. Bitte nichts verpassen. FOMO at its best. Mal eben schnell die Mails checken zwischen Palmen und dem Bad im Meer. Und dann mal eben kurz die Welt retten. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen, manchmal lösen sie sich ganz auf. Do what you love. Heisst das dann.

| Was früher das Eigenheim war, ist heute die 4-Tage-Woche

Sicherheit für Freiheit aufgeben. Was früher mit dem Verkauf der eigenen Seele gleichstellet wurde, ist heute zum Must-Have avanciert. Immer mehr (junge) Menschen denken darüber nach, ihren Job zu kündigen und eine Strandbar auf Bali zu eröffnen. Zumindest aber ein fancy Startup zu gründen. Hey, immerhin sang Janis Joplin schon „Freedom´s just another word for nothing left to loose“ 

| Konsum statt Religion 

Sind wir also verlorene Seelen auf der Suche nach dem einzigen, wahrhaftigen Sinn? Während unsere Eltern und Großeltern Halt in der Religion oder zumindest in bewusstseinserweiterternden Substanzen gesucht haben, um der Realität auch nur mal so ein bisschen zu entfliehen, schwirren heute Begriffe wie Berufsjugendlicher umher und mit 32 Jahren darf man auch schon mal im 13. Semester irgendwas mit Medien studieren. Alles okay, wenn halt Bauchzeichner doch nichts war, das Jura-Studium irgendwie zu anstrengend und BWL einfach nicht den healthy Lifestyle widerspiegelt. Hey, kein Ding. Mama hat immer gesagt, du kannst alles machen, was du möchtest. Mit dem Abi in der Tasche stehen dir alle Türen offen. Ja?

| Die magische Formel (K): G = U – K 

Aber sind wir ehrlich, diese alles-ist-möglich Gehabe ist schön und gut, aber wächst uns ein bisschen über den Kopf, oder? Wir verlieren uns in endlosen Möglichkeiten, all den what-if´s und was-wäre-wenns und sehen den Wald vor lauter Bäumen tatsächlich nicht mehr. Statt irgendetwas wirklich Großes zu reißen, treten wir auf der Stelle, weil wir die Türe immer einen Spalt weit offen lassen. Wir optimieren unser Essen, unsere Wohnung, unsere Klamotten und ganz heimlich auch uns selbst. Wir lassen uns diese (kapitalistische) Gewinnmaximierungsformel diktieren, obwohl es genau das ist, was wir eigentlich verachten. Maximaler Gewinn ist gleich Grenzkosten gleich Grenzerlös. Grenzdebil. Wir suchen halt auch nur nach dem Sinn. Finden den dann in aberwitzigen Ernährungsformen oder kaufen nur Kleidung einer bestimmten Marke. Manche verstehen da dann tatsächlich keinen Spaß mehr – nicht nur, weil heute mal wieder #lowcarb Tag war. Aber irgendwie auch logisch: Konsum hat auf unser Gehirn den gleichen Effekt wie Verliebtsein oder andere Süchte. Das Belohnungszentrum wird ganz arg gestreichelt und das neuronale System ist auf Steigerung programmiert. Immer. Mehr. Und so geraten wir mir nichts dir nichts in eine hedonistische Tretmühle. Das sagt übrigens auch Hans-Georg Häusel, der in einer Studie den Zusammenhang zwischen Konsum und Glück analysiert hat. Luxuskonsum hat positive Auswirkungen auf das subjektive Wohlbefinden, sagt er. Der Kauf bestimmter Marken, die wir als attraktiv und begehrenswert einstufen, kaufen wir also, um uns gut zu fühlen, weil wir glauben, dass die Attraktivität auf uns abfärbt. Das tun wir, um Intimpartner anzulocken. Ha! Es geht also mal wieder nur um das Eine. Ergo: Alles Biologie. Konsum ist also quasi nur das Vorspiel.

| Auf Durchzug

Weil Liebe wollen wir. Alle. Irgendwo dazu gehören und uns gut fühlen. Nicht mit diversen Filtern und großzügigem Einsatz mit dem Weichzeichner, sondern in echt. Auch das wissen wir. Ist halt aber auch nicht immer so einfach. Die Sache mit den Entscheidungen. Vor allem, wenn man es nie richtig gelernt hat.

Und so stehen wir im Türrahmen und blockieren den Durchgang. Es herrscht immer Durchzug. Dann müssen wir uns aber auch nicht wundern, wenn uns der Wind um die Ohren pfeift. 1,2, oder 3 – ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht an geht. Denn im Dunkeln ist gut Munkeln. Farbe bekennen. Gelb oder Blau. Und halt eben genau nicht Grün. Oder, einfach mal über die Schwelle treten und die Türe schließen. Von außen. Und den Schlüssel dann am besten auch in irgendeinem Gulli versenken. Ciaosen.

Wir tun uns keinen Gefallen mit unserem selbstzerstörerischen Ehrgeiz. Denn der Glaube an die Perfektion ist ein Irrtum. Das wissen wir nicht erst seit #bodypositive. In der Imperfektion, der Verfehlung das Potential erkennen, ist das neue Must-Have. Nicht alles richtig machen, aber zumindest einfach mal was machen. Im Zweifel die Türe zu.*

 

© Julia

* Let’s make immeasurable moves to the left or the right but not central

Grenadine.

Prosa

Ich sitze im Schneidersitz vor dem Fenster und pule die Fusseln von meinem Wollpullover. Manche Dinge kann man ganz einfach abstreifen. Kleidung, Manieren oder eben Fusseln. Dein Geruch hingegen steckt ganz tief in meiner Nase. Ich beiße immer wieder in das Stück Zitrone in meinem Tee, obwohl mir jedes Mal die Gesichtszüge entgleisen aufgrund der Säure. Überhaupt mag ich süß viel lieber als sauer. Oder scharf. Mitohne. Immer. Du.

Wenn der Wind aus Südwest weht, drücke ich mein Ohr ganz fest auf deine linke Brust und lausche dem Konzert der Bässe. Unter all den Muskeln und Haaren schlägt tatsächlich ein Herz und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, dass es das nur mich tut. Für uns. Für diesen einzigen Moment Ewigkeit.

Die Jahre vergehen, aus Rosa wird Rot und alles bekommt mehr Farbe. Die Bäume mehr Ringe und die Linien um unsere Augen werden tiefer. Ich solle nicht in der Vergangenheit leben, sagen sie. Aber was ist, wenn du meine Zukunft bist? Wenn du alles bist, was dieser jämmerlichen Anhäufung von Zellen einen Sinn gibt? Nicht, weil ich mir das so ausgesucht hätte, sondern weil es so ist. Verstehst du, wie das unangenehme Stechen, wenn man zu hastig ein Getränk mit zu viel Kohlensäure trinkt. Ein kurzer, fieser Schmerz, der dir die Luft zum Atmen nimmt und sich bis in den Magen ausbreitet. Bloß Millisekunden – dann ist es vorbei. Und du wirst es immer wieder tun, weil der Mensch ja nun mal trinken muss. Und sind es nicht immer die Sekunden im Leben, die es zu dem machen, was es ist. Aneinandergereihte Entscheidungen, Zufälle – vielleicht alles ein perfider Plan? Wer weiss das schon. Hat man denn überhaupt eine Wahl? Ich hätte links abbiegen können. Dann hätte es dieses kleine Lächeln nicht gegeben. Diese zwei Sekunden, nach denen nichts mehr so ist wie es war oder sein wird. Und immer wenn ich die Liebeskarte ziehe, ist dein Antlitz darauf zu sehen – dabei führen so viele Wege nach Rom. Die staubige Landkarte liegt seit Jahren verknittert im Handschuhfach. Es fühlt sich immer noch so an, als ob die beste Zeit unsere war. Deine Hand auf meinem Knie und warmen Wind in den Haaren. Der hat sich ganz fies in den Gehirnwindungen verfangen und heute beschlägt meine Brille, weil meine Gedanken so heiß laufen.

Und dann esse ich mitten im tiefsten Winter diese ökologisch völlig inkorrekten Heidelbeeren, um wenigstens ein bisschen etwas von dem verblassten Gefühl einfangen zu können und dann schmecken sie mir nicht einmal. Weil keine Zeit für Romantik bleibt, weil du gelernt hast dem Wind zu trotzen auch wenn dir dieser verdammte Spiri-Tee sagt, du sollst auf dein Gefühl vertrauen und du es aber partout nicht finden kannst zwischen all den Splittern. Dann sitze ich mit roten Granatapfel Spritzern auf meinem weißen T-Shirt da, was eigentlich deins ist. Und stelle fest, dass es mein Herz ist, das übergelaufen ist. Keine Spuren des Liebesapfels. Ich eile auf den Balkon, weil es nur so quillt und spritzt und die Sauerei will ja auch immer keiner aufwischen. Purpurne Tropfen auf weißem Schnee. Schneewittchen. Ist die nicht an einem Apfel erstickt? Weisst du, ich vermisse dich manchmal so sehr, dass ich das Gefühl habe zu ersticken, obwohl ich keine Äpfel esse. Nicht im Winter und auch sonst nicht. Aber das Gefühl von dem warmen Wind in meinen Haaren, das werde ich nicht los. Und immer wenn der Wind aus Südwest weht, drücke ich mein Ohr ganz fest auf deine linke Brust und lausche dem Konzert der Bässe. Unter all den Muskeln und Haaren schlägt tatsächlich ein Herz und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, dass es das nur mich tut. Für uns. Für diesen einzigen Moment Ewigkeit.

 

© themagnoliablossom

Warum? I mean, why?

Kolumnen

Wir sind doch alle gebildete Menschen. Lernen schon im Kindergarten, dass es besser ist, den andern Kindern das Spielzeug nicht auf den Kopf zu hauen, man sich Brot mit Schimmel lieber nicht in den Mund stopft und, dass es in der Schule doch irgendwie cooler ist, die Hausaufgaben zu machen. Zumindest rückblickend. Kurzum. Wir sind fähig gut von schlecht zu unterscheiden. Und entscheiden uns im Zweifel für den Weg ins Licht als in Dunkle, wenn wir an der Kreuzung stehen. Oder?

Wieso ist es dann manchmal so, dass man sich ganz bewusst für etwas entscheidet, was ganz offensichtlich schlecht ist? Frauen wird ja oft nachgesagt, nein – viele behaupten das sogar von sich selbst – sie stünden auf Arschlöcher. Also, Männer, die sich wie solchen verhalten. Sich nicht melden, und wenn, dann nur dann wann es ihnen passt. Macht- und Egospielchen spielen, irgendwie nie so richtig greifbar sind und bei vielen Frauen neben Tränen oftmals eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Auf der Seele. Frauen, die mit einem solchen Exemplar das „Vergnügen“ hatten, sind auf ewig gebrandmarkt, sage ich. Denen ist gar nicht bewusst, was da alles kaputt geht. Also, so gesamtgesellschaftlich.

| Ich bin so gut wie du mich findest!

Mädchen und Frauen wird systematisch vermittelt, dass ihr persönlicher Wert nicht in erster Linie auf ihren eigenen Fähigkeiten, sondern auf ihrem Reiz gegenüber Männern und ihrer Beziehung zu Männern beruht. Das ist in zweierlei Hinsicht falsch. So werden aus guten Mädchen, schlechte Frauen. Und Männer bekommen das quasi so in die Wiege gelegt. Die Frage ist, was war zuerst: Huhn oder Ei. Vielleicht muss man auch mal Partei ergreifen für die Männer, die vielleicht (manchmal) so arschlochmäßig sind, weil sie selbst einmal so behandelt wurden? Von Frauen? Der sogenannten Arschloch-Frau. Die gibt´s nämlich auch. Aber bevor wir hier jetzt in allgemeines Gender-Mitleid verfallen, zurück zum Thema. Männer und Frauen, lasst euch gesagt sein. Frauen stehen nicht auf Arschlöcher. Nie. Nicht. Jeder, der was anderes behauptet, lügt. Männer wollen ja auch keine Arschloch-Frau, oder?

| I can smell him!

Das interessante ist, wenn frau – als Single wohlbemerkt –  zum Beispiel die Wahl hat zwischen einem verheirateten Mann (mit Kind, Haus, Hund – volles Programm) und einem Singlemann, der all diese Optionen für sie bereit hält, was der andere bereits mit einer anderen Frau hat. Wählt sie oft den verheirateten. Warum? Beide sind gleich nett und beide sehen gleich gut aus. Der eine hat Zukunft, der andere Vergangenheit. Warum stehen Frauen oft an dieser Kreuzung und nehmen den Weg ins Dunkle anstatt den Weg zum Glück? Hat das was mit dem Reiz des Verbotenen zu tun? Weil es ja eigentlich nicht geht und moralisch auch irgendwie verwerflich ist. Da stehen Frauen den Männern übrigens in nichts nach. Ich finde es immer wieder überraschend und erschreckend zugleich, wie gering die moralischen Ansprüche in unserem Leben geworden sind, sich oftmals nicht einmal mehr  ein schlechtes Gewissen einstellt, sondern sich beispielsweise ganz bewusst für das Fremdgehen entschieden wird. Man ganz schamlos von einem Bett ins andere hüpft  – manchmal ohne dazwischen zu duschen. Carrie fragt sich, ob Aiden Big riechen kann wenn Big Aiden in den Laken riecht. Berechtigt, oder? Warum ist das denn alles so? Sind wir wie kleine Kinder, für die etwas erst spannend wird, wenn es verboten ist? Wieso nimmt Freundin J. nicht diesen super smarten Typ, der ihr den Hof macht, sie zum Lachen bringt, immer für sie da ist, sie auffängt und loslässt – ein richtig guter ist und einer, den man gerne seinen Eltern vorstellen würde. Warum also nicht das, was offensichtlich gut ist? Anstatt dessen mehr oder weniger geheime Treffen mit dem verheirateten M., bei denen die Kinder und das Haus ganz weit weg sind und die Lippen ganz nah beisammen. Essen und Lachen auf der Dachterrasse, verstohlene Blicke voller Sehnsucht auf das, was nachts im Hotelzimmer passieren wird. Warum? Hat das wirklich etwas mit dem Reiz zu tun? Wollen wir es immer spannend und prickelnd haben, obwohl wir eigentlich sehr gerne stilles Wasser trinken? Warum tun wir uns das an – weggeschubst und hergezogen zu werden wie eine Marionette? Weil wir glauben, die Fäden selbst in der Hand zu haben? Weil wir diese hoffnungslos romantische und ziemlich naive Vorstellung haben, dass er sich doch irgendwann ändert? Weil Frauen immer gerne die eine sind, für die alles andere egal ist?

| Schlechtes Gewissen? Irgendwie uncool!

Fakt ist: Selbst wenn der besagte verheiratet Mann sich irgendwann von Frau und Kindern trennt – sofern das auch nur irgendwie geht – will man den dann? Der, der das Programm schon einmal so erlebt hat und man selbst höchstwahrscheinlich in ein paar Jahren auch ohne den Typen da sitzen wird? #onceacheateralwaysacheater? Ich weiss nicht, was ich schlimmer finde. Dass Männer so etwas machen oder, dass Frauen so etwas machen. Und ja, hier muss ich jetzt verallgemeinern. Es soll ja durchaus auch Fälle geben, bei denen das gut lief und die jeweilig neuen Partner jetzt ganz harmonisch mit allen Beteiligten zusammenleben. Aber in allen übrigen Fällen frage ich mich: Ist das der Anspruch, alles haben zu wollen und ganz offensichtlich auch zu können? Dass wir uns gar nicht mehr entscheiden müssen, ob wir den netten Typ als Freund und den verheirateten einfach mal so zum Spaß haben? Die tolle Frau als Mutter unserer Kinder und das junge Mädchen, um gegen die Midlifecrisis anzukämpfen?

| Und die Moral von der Geschichte?

Breitet sich die I-want-it-all Attitüde auf unser gesamte Leben aus? Sind wir nicht nur eine Generation, der nach diversen Uni-Abschlüssen die ganze Welt offen steht (zumindest gefühlt) und wir uns gar nicht mehr entscheiden müssen, weil wir tatsächlich alles haben können? Ist das quasi ein moralischer Freifahrtsschein? Ist Entscheidungsmüdigkeit aufgrund des Überangebots eine Entscheidungsunmündigkeit geworden? Haben wir verlernt gutes von schlechtem zu unterscheiden? Und ist das alles nur die Spitze des Eisbergs? Sind uns die schier unendlichen Optionen so zu Kopf gestiegen, dass uns durch dieses neue Selbstbewusstsein tatsächlich die Moral flöten gegangen ist? Spitzt sich das jetzt alles zu, so wie die gesamtwirtschaftliche Lage? Man kann ja alles ausreizen. Ziemlich lange. Aber irgendwann platzt die Blase. Vielleicht brauchen wir wieder ein bisschen mehr Grenzen vor dem Horizont. Ein bisschen mehr Bodenhaftung. Werte, die mehr wert sind als die Summe auf dem Girokonto. Ein bisschen mehr Spießigkeit. Und vielleicht ist das alles gar nicht so schlimm? Vielleicht ist es aber auch so, dass uns all das aufzeigen soll, dass wir Menschen gar nicht für die Monogamie geschaffen sind? Dass wir uns vielmehr einer kulturell aufoktroyierten Lebensweise unterwerfen und alle wie Motten um das Licht fliegen, obwohl das gar nicht unserer Natur entspricht? Vielleicht müssen wir in dieser Sache einfach lockerer werden? Vielleicht müssen wir uns aber auch eingestehen, dass absolute Sicherheit mit Sicherheit eine Illusion bleiben wird. Wenn wir das erst einmal verstanden haben, die Veränderung und den stetigen Wandel akzeptieren, annehmen und diesen für uns gestalten – vielleicht würden wir uns alle dann weniger wehtun. Und ganz vielleicht wäre die Welt dann tatsächlich ein kleines Stückchen besser.

 

© Julia

Frühstückslektüre.

Hallo. Hello. Hej. Hola. Salut.

Das ist wohl eher der Brunch unter den Frühstücken. Ganz schön spät dran bin ich nämlich. Denn bereits im September haben die zauberhaften Ladies Julia und Rebecca vom Kokon Magazin meiner Wenigkeit ein paar Fragen gestellt. Aber dieses Internet hat mich davon nicht in Kenntnis gesetzt. Tss, Sachen gibt´s! Die Antworten gibt es jetzt aber hier. Schwarz auf weiß. Und wer jetzt schon beim Mittagessen ist, darf trotzdem weiterlesen.

Auf los geht´s los:


 

 Wer oder was ist dein Spirit-Animal?

Hä? Ich verstehe die Frage nicht. Nächste Frage, bitte. Das fängt ja gut an…

 

Oper oder Ballett?

Ballettoper. Klar!

 

Welche Haarfarben hattest du schon?

Nur meine Naturhaarfarbe. Irgendwas zwischen dunkelbraun und fast schwarz. Neuerdings mit einer einzelnen silbergrauen Strähne. Is aber schon gezupft. Psst!

 

 Welcher Song erinnert dich an deine Kindheit?

Puh, also da gibt es wirklich viele. Sehr viele. Beatles-Rollingstones-CCR-Gunsnroses-Bryanadams-Johnnyb just listen to me.

Und den Vogel hab ich übrignes seit Rolf Zuckowski im Kopf. Immer nur brüten, brüten, brüten, Das Ei behüten, hüten, hüten. Wer hält das aus, ich möchte hier raus.                          Schönen Dank auch!

 

Kaugummi oder Lutschbonbon?

Kaugummi.

 

Wenn ich eine Sache aus meiner bisherigen Karriere gelernt habe, dann ist das…

Karriere? Im Ernst, es kommt immer anders als man denkt. Manchmal muss man dem Leben einfach ein bisschen vertrauen.

 

Wenn ich alt und schrumpelig bin, will ich sagen können…

Dass ich alles nochmal genauso machen würde.

 

 Was ist deine größte Angst?

Entscheidungen zu treffen. Es ist die Sache, dass man links abbiegt und vielleicht aber rechts der bessere Weg gewesen wäre. Weiss man halt nicht vorher. Meistens ist es aber so, wie bei Frage Nr. 6 – und das ist auch irgendwie gut.

 

 Was gibt dir immer ein gutes Gefühl?

Oftmals sind es tatsächlich die kleinen Dinge. Ein Spaziergang im Herbstlaub oder ein Lächeln von fremden Menschen. Ja, kitschig – I know. Wenn aber gar nichts mehr geht, Mama anrufen. Hilft. Immer.

 

handle it

Und das auch.

 

 Wohin würdest du niemals in den Urlaub fahren?

An den Südpol.

 

Welche Zukunftspläne hast du für deinen Blog?

Ich muss sagen, dass mir das Bloggen ganz schön Spaß macht und man selbst daran wächst und sich stetig weiter entwickelt. Ich habe ganz viele Ideen im Kopf – mal sehen, was davon auf´s Papier bzw. in dieses Internet kommt.

 


Kokon Magazin ist ein toller Blog von und für starke Frauen (Männer dürfen aber auch lesen, so ist das ja nicht) mit tollen Tipps für den Berufsalltag, spannenden Interviews sowie lustigen und Mut machenden Anekdoten. Schaut mal vorbei – wirklich ein inspirierender Blog.

 

Happy Weekend ❤

Julia

Herz in der Hand

Kolumnen

Da stehst du nun, mit deinem Ticket für die Welt in der Hand. Einmal alles. Rückfahrt: Optional!

Heart vs. Head vs. Freunde

Kolumnen

Wenn man sich schwebend fortbewegt, auf einer Wolke aus Gedanken, gefühlten Wahrheiten und wahren Wahrheiten, wenn sich die Grenzen dessen, was man fühlt und was real ist auflösen und zu Staub zerfallen, ist der Rat eines guten Freundes hilfreich, oder?