Verlorene Lebenszeit oder was?

Kolumnen

2 Jahre, 3 Monate, 5 Tage und 12 Stunden war meine Freundin mit ihrem Freund zusammen. Soweit nichts Ungewöhnliches. Außer der Tatsache, dass sie ihn bereits nach einem Jahr nicht mehr liebte.

Nun wird sie dieses Jahr 30 und ist Single. Auch das ist – entgegen des gesellschaftlichen Drucks – ganz und gar nicht ungewöhnlich. 30 ist das neue 20, oder so.

Das Schlimme ist, dass ich viele Frauen kenne, die mit einem Kerl fest zusammen sind, obwohl sie wissen, dass das nicht #forever ist. Gut, dass weiß man(n) nie, aber ich bin der Meinung, dass man zumindest die Absicht hegen sollte, wenn man eine Beziehung zu einem anderen Menschen eingeht.

(Dann werden auch die Samstagnachmittage bei Ikea erträglicher und die Wochenenden hinter verschlossenen Türen und vor dem Fernseher…). Pärchen-Leben und völlig in Ordnung. Wäre da nicht die Tatsache, dass einer von beiden (oder beide) wissen, dass es eigentlich schon lange vorbei ist mit der Liebe und gemeinsamen Traum vom Haus mit Kind und Hund.

Ich persönlich finde das aus zweierlei Gründen fragwürdig. Zum einen, weil es schlicht und ergreifend unfair ist, einem anderen Menschen etwas vorzumachen. Ob dies aus Feigheit oder der Unfähigkeit, die eigenen Gefühle auszudrücken bzw. nicht auszudrücken entsteht, sei dahingestellt. Und zum anderen, weil man kostbare Lebenszeit vergeudet, mit einem Menschen, von dem weiß, dass es nicht mehr sprudelndes Mineralwasser ist, sondern eher wie Evian – aber 3 Stunden in der prallen Sonne gelegen…

Warum nicht die Größe und den Anstand besitzen, die Beziehung auf ehrliche Weise zu beenden. Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende, hat meine Mama immer gesagt. Und selbst wenn es gar nicht sooo schlimm ist/war – dem Gefühl, dass sich das Zusammensein nicht mehr so richtig passend anfühlt sollte man trauen.

Wir haben nur dieses eine Leben. Warum das also in unglücklichen und unzufriedenen Beziehungen verbringen? Aus Angst vor der eigenen Courage? Aus Angst alleine dazustehen? Das muss man (und frau) auch können – Zeit mit sich allein zu verbringen, um herauszufinden, was man wirklich will. Warum jahrelang in einer Beziehung bleiben und die spannende, aufregende und wundervolle Jahre ins Land ziehen lassen, wenn man doch weiß, dass es nicht 100%- ig passt. Ich habe dann immer das Gefühl, etwas zu verpassen. Stelle mir vor, dass gerade jetzt alles so wunderbar ist an und mit mir und überhaupt. So fresh, so clean. Ich könnte den Gedanken nicht ertragen, diese kostbare Lebenszeit in einer Beziehung zu verbringen, die mich nicht richtig glücklich macht.

Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Beziehungen – im Gegenteil. Ich habe sogar eine sehr romantisierte Vorstellung von einer Beziehung. Ich will mich voll und ganz auf einen Menschen einlassen und erwarte das auch von meinem Gegenüber. Und wenn es eben nicht zum Hand-in-Hand-in-den-Sonnenuntergang-reiten reicht, dann läuft das bei mir unter Intermezzo. Laut Duden „eine kleine [unbedeutende] Begebenheit am Rande eines Geschehens; ein [lustiger] Zwischenfall“.

Schön. Fokussiert. Konzentriert. Temporär. Ganz einfach. No drama.

Ich bin nicht gegen Beziehungen, ich bin für ehrliche, echte Beziehungen. Ich bin gegen nebeneinanderher-leben und sich damit zufriedengeben, nicht vollends glücklich zu sein. Ich bin für die Liebe, für Emotion – von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Laut und leise, aus ganzem Herzen. Ich bin für mehr Ehrlichkeit und Offenheit. Für klare Verhältnisse und Kommunikation, wenn sie angebracht ist und Schweigen, wenn es offensichtlich ist.

Das tut uns selbst gut, das tut der ganzen Gesellschaft gut.

Love is the answer

Die gewonnene Zeit ist besser genutzt, sich selbst zu entdecken und in sich hineinzuhören, was man wirklich vom Leben möchte, anstatt sie in halbherzigen Beziehungen zu verbringen. Denn, wenn man sich selbst gefunden hat, seine eigenen Baustellen aufgeräumt hat und weiß, was man will, ist es auch mit einer richtigen Beziehung nicht weit. Und dann klappt es auch mit dem Reiten in den Sonnenuntergang.

 

 

© themagnoliablossom

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4 Gedanken zu “Verlorene Lebenszeit oder was?

  1. Sehe ich ganz genauso! Man muss sich nicht über eine Beziehung definieren um glücklich zu sein. als Langzeitsingle habe ich den Sprung letztes Jahr gewagt – und bin mehr denn je der Meinung, dass eine Beziehung ohne Liebe so viel anstrengender und belastender ist als glücklicher Single zu sein. Denn nur mit wirklichen Gefühlen macht es mir nichts aus auch mal Kompromisse einzugehen und den anderen aufzubauen etc. Und das mit der 30 ist wirklich kaum noch Erwähnung wert, oder? lg*thea

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  2. Manchmal ist es einfach viel unkomplizierter alles einfach laufen zu lassen. Auch wenn man weiß das es nicht richtig ist.
    Aber es ist immer gut wenn man dann doch noch den Absprung schafft!
    Denn du hast vollkommen recht, man lebt nur einmal und man sollte das bestmöglich daraus machen

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