Apfel. Kern.

Prosa

Manchmal zähle ich die Karos auf meiner Bettwäsche. Einhundertdreiundsechzig. Ohne das Kissen. Ich weiss nicht, ob dabei mittlerweile Monate oder Jahre vergangen sind. Wenn ich unten angelangt bin, fange ich oben wieder an. Das Leben ist ja so. Es geht immer weiter. Irgendwie. Dieses Irgendwie hat nur noch niemand so richtig definiert. Was relativ doof ist, weil es ja genau darauf ankommt.

Durch das geöffnete Fenster weht ein eisiger Wind. Ich sauge die klare Luft förmlich in mich hinein. Als ob sie die Fähigkeit besäße, mich zu reinigen. Zu befreien. Von dem Ballast. In mir. Als ob ich all das mit einem Atemzug loswerden könnte. Ein irrer Gedanke. Alles bleibt. Und ein Stechen in der Lunge gibt´s obendrauf. Gratis.

Die Sache ist ja die, dass sich die Welt immer weiter dreht und es immer wieder eine neue Zukunft gibt. Zukunft – das ist das, was in meinem Kopf passiert während ich die Karos zähle. Es ist ein schlechter Remix deines Lieblingssongs. Der letzte Schluck Kaffee, der immer kalt ist. Und die Tatsache, dass die Bolognese das einzige ist, was aufgewärmt irgendwie besser schmeckt. Ich weiss das. Natürlich. Aber es ist der Gaumenkitzel, der süße Nachgeschmack dieser Droge namens Realitätsflucht. Es sind jene Momente oder Jahre, in denen ich Karos zähle und dem Stechen in der Lunge ein wohliges Gefühl weicht. Ein Gefühl in dem alles möglich ist. Früher haben wir immer geglaubt, uns wüchse ein Apfelbaum im Bauch, wenn wir versehentlich einen Kern verschluckt haben. Stundenlang haben wir nichts getrunken, in dem irrwitzigen Glauben, dem Sprössling damit den Garaus zu machen. Heute trinken wir tagelang, um alles aus uns heraus zu spülen und wünschen uns eine weiße Leinwand auf die wir all unsere Sehnsüchte projizieren können.

Und trunken von all den Visionen, wächst manchmal aus einem Apfelkern eben doch ein Baum.

 

© themagnoliablossom

#‎samstagsliebe‬

Inspiration

Gerade habe ich die letzten Krümmel von meiner Wange gestrichen und den Milchbart von meiner Oberlippe geleckt.

Ganz viel Liebe und Wärme jetzt in meinem Bauch.

Hach, Samstag. Ich mag dich. Echt.

cappuccino

Samstagsliebe

Still.

Prosa

Mit dem ersten Schnee ist alles anders. Plötzlich und ohne Vorwarnung. Ein weißer Schleier legt sich schützend über die klaffende Wunde. Purpurne Tropfen auf reinem Weiß. Doch mein Körper ist nicht bereit für diese Kälte. Nicht die trockene Kälte, die zuweilen noch aushaltbar wäre, sondern diese fiese, nasse Kälte, die dir bis ins Mark zieht.

Die Armada von Kriegern, die vor ein paar Wochen noch so unaufhaltsam gekämpft hat, beugt sich der Kraft des Winters. Was vor ein paar Wochen noch laut und umtriebig war, ist nun still. In sich ruhend. Der Regen fällt prasselnd auf die Erde, doch der Schnee lautlos. Der Winter ist pur, ehrlich. Gnadenlos. Du hast den Regen nie gesehen, immer nur den Regenbogen. Aber jetzt schneit es und du bist nicht hier. Das Gras, das im Sommer ohnehin nie über die Sache wächst – der Schnee soll´s nun richten. Puderzuckerfein.

 

Doch da ist etwas, das nicht bedeckt werden möchte. Weder mit Gras noch mit Schnee und schon gar nicht im Regen ertränkt werden möchte. Da ist etwas von dir, ein Sinnbild, eine Illusion. Ein Funken einer romantisierten Vorstellung. Ich bin mir nicht sicher, ob sie diesen Winter überdauernd wird. Viele Winter hat sie schon standgehalten. Nahezu getrotzt. Gestrotzt. Vor Kraft. Immer und immer wieder. Im Sommer in den letzten Windungen des Gehirns versteckt und mit eiskaltem Bier aus dem Herzen gespült. Nur, um im Herbst wieder Einzug zu halten. Wie ein Nomade ziehst du von Ort zu Ort von Herz zu Kopf und wieder zurück. Der kühle Herbstwind stärkt dir den Rücken. Und plötzlich ist Winter und alle reden über das Wetter, aber der Winter – das bist du. Ein Gefühl, links in der Brust. Es schneit und ich atme Wolken in die eisige Nacht, die sich mit deinen vermischen. Zwei Welten unter einem Firmament. Kalter Atem aus noch kälteren Kehlen. Das Blut in den Adern gefriert. Hände, die sich nicht suchen, aber finden. Zögerlich, tastend nach Restwärme in lodernder Glut.

 

© themagnoliablossom

 

Zuhause.

Prosa

Heute bin ich den Weg gegangen. Unseren Weg. Und zwischen all dem Laub war noch Platz für ein paar Gedanken an dich. Einen Fuß vor den anderen, immer weiter und immer lauter, das Rascheln. „Du musst weiter gehen“, hast du immer zu mir gesagt. Stillstand bedeutet Tod. Ich wollte aber stehen bleiben. Mit dir. In genau jenem Moment, als die Sonne den Himmel in irgendwas zwischen pink und lila färbte. Als das Licht noch ganz warm war und sich diese kleine Locke unter deiner Mütze hervorkräuselte. Oh, wie mochte ich das, wenn du sonntags einfach mal fünf gerade sein ließt und diese Mütze über deinen Stubbelhaaren trugst. Am Fluss entlang gerannt bin ich, kichernd und völlig außer Atem. Immer hast du mich eingeholt und fest an dich gedrückt. Manchmal blieb mir dir Luft weg. Aber vielleicht war das auch so, weil du mir einen Kuss auf die Stirn gehaucht hast. Mich juckt es jetzt noch am ganzen Körper, wenn ich daran denke, wie du mich mit dem bunten Laub eingeseift hast als sei es Schnee. Tränen gelacht haben wir.

Kannst du dich noch an den Moment erinnern? Als wir oben, mitten auf der Brücke stehen geblieben sind. Einfach so. Hand in Hand. All die Sonntagsspaziergänger, all die Autos und die Tram. Es war alles so fern. Nur wir beide. Tanzend. Zum Beat unserer Herzen. Ich habe meine kalte Nasenspitze in die Kuhle zwischen deinem Hals und deiner Schulter gedrückt. Dort, wo es immer so schön warm ist und nach verschlafenem Bett und Sonntag riecht. Dieser Geruch, das bist so sehr du, dass es weh tut. Und dieser Duft wird für immer mein Zuhause sein. Ob ich möchte oder nicht.

 

© themagnoliablossom

Sonntags.

Inspiration, Musik

Wenn die Blätter lautlos von den Bäumen fallen und das Rascheln unter den Füßen unerträglich wird, wenn der Nebel mit dem Morgengrauen konkurriert, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, dann kehrt mit dem kühlen Wind auch immer ein bisschen Melancholie ein, im Herzen.

Es ist die Veränderung, die die Natur durchlebt und die leise Vorahnung, dass mit dem ersten Schnee auch immer etwas Salz in alte Wunden gestreut wird. Die Sehnsucht nach Wärme, auch wenn die Kälte noch nicht wirklich zu spüren ist. Das unstete Flackern der Kerze, die dampfende Tasse Tee, die die Gedanken zu vernebeln scheint. Das Gefühl weinen zu wollen, obwohl die Sonne scheint.

Herbst.

Inspiration

Wenn die letzten grünen Blätter von den Bäumen fallen – gelb bis bräunlich, gegerbt von der Sonne. Im Wind tanzend und wie ein Konfettiregen auf mich herabfallend. Dann liegt er in der Luft, der Duft des Herbstes. Ich ziehe den Kragen meines Mantels höher. Duftender Tee, wärmende Suppe und Kürbisse. Ein prächtiges Farbenspiel. Ich spüre die Sonne auf meiner Haut und höre das Meer rauschen. War das nicht erst gestern?

Herbst

Coffee love

© themagnoliablossom

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Prosa

Hinter deinem Ohr, da ist diese Locke. Diese einzelne Strähne Haar, die sich nach einem Sommergewitter immer so schön kräuselt. Manchmal tut sie das auch, wenn du einfach nur so daliegst. Durch das geöffnete Fenster zieht ein Windhauch und sie bewegt sich ganz sanft zur Melodie des Windes. Das sieht schön aus, weil dein Kopf seitlich auf dem weißen Kissen liegt und die Locke so ganz viel Platz zum Tanzen hat. Die Haut hinter deinem Ohr ist weich. Sehr. Ich fahre mit meinem Finger die Kontur deines Gesichtes entlang. Die winzigen Bartstoppeln an deinem Kinn kitzeln mich und ich muss kichern. Dein Atem ist immer sanft. Nur kurz bevor du einschläfst, wird er ein bisschen kräftiger. Aber nie laut. Ein leises Schnauben. Ganz gleichmäßig, wie das Rauschen des Meeres. Manchmal liege ich einfach nur da und höre dir beim Schlafen zu. Ich finde das beruhigend. Irgendwie. Der Wind weht durch das geöffnete Fenster und kleidet uns beide in einen Hauch von Nichts. Nichts als weiße Laken und Wind. Ich spüre eine Gänsehaut auf meinem Rücken. Und ich bin mir nicht sicher, ob die von dem Wind kommt oder, weil deine Hand auf meiner liegt. Oder beides. Und obwohl ich völlig nackt bin, spüre ich eine Wärme. Ganz tief in mir und ich denke, dass genau jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, um die Welt anzuhalten.

 

 

© Julia

Hört ihr´s auch…

Inspiration, Musik

… das Zwitschern der Vögel, morgens, wenn es ganz langsam wieder früher heller wird?

Spürt ihr auch die Sonne, die ihre warmen Strahlen immer großzügiger verteilt?

Spürt ihr die Wärme auf dem sonnenhungrigen Gesicht und das Kitzeln in der Nase?

Riecht ihr auch diesen unvergleichlichen Duft? Er liegt in der Luft!

Fühlt ihr die Wärme im Herzen, die sich langsam im ganzen Körper ausbreitet? Mein liebster Freund ist auf dem Weg. Bald ist er da. Ich kann ihn kaum erwarten. Den Frühling!

Fühlt ihr´s auch?


Here comes the sun


So ganz ungeachtet möchte ich den Winter aber auch nicht verabschieden. Denn, ganz manchmal, so wie an jenem Tag im Januar mit gaaaanz viel Sonne – ist er gar nicht mal so übel, der Winter.

Isar

Lovely Isar

 

 

Happy Weekend ❤

 

© themagnoliablossom

 

 

Liebe machen

Inspiration, Prosa

Er legte seine Hand auf ihr Knie und sie trank einen großen Schluck Wein aus dem schönen Glas, in dem sich alle Lichter der Bar spiegelten: „Weisst du, das ist wie, wenn eine 40-jährige Bäckereifachverkäuferin aus Dortmund nach Köln fährt und sich dort ein Zimmer nimmt mit einem Kerl, den sie abends mit ihren Freundinnen aufgerissen hat. Das ist die Realität. Was glaubst du, wieso das in den ganzen Filmen so ist? Das mit den Nutten, dem Koks und dem Alkohol?“ Sie nahm einen weiteren Schluck Wein, der jetzt irgendwie bitter schmeckte. „Das ist alles ein Abbild der Realität.“

Hometown Glory

Kolumnen

Es ist absolut nicht empfehlenswert sich am l e t z t e n Samstag vor Weihnachten in das Innenstadt-Getümmel zu wagen. Das große Jahrestreffen aller im-Weg-rum-Steher, Langsam-Latscher und Zick-Zack-Läufer und derer, die zwar einen zügigen Gang drauf haben aber nur, um dann urplötzlich ad hoc stehen zu bleiben. Oh, ein Eichhörnchen. Oh, ein weißer Mantel. Glühwein… Ups!