Quarantäne.

Prosa

Du platzt einfach so in meine Träume. Herein. Manchmal auch mitten am Tag. Mir nichts dir nichts. Schleichst du dich in meinen Körper und trampelst die zarten Pflänzchen, die auf den ausgetretenen Pfaden wachsen, nieder. Manchmal ist es bloß ein Duftmolekül, das durch meine Nase seinen Weg in mein Herz findet, weil die Filterfunktion im Gehirn nicht richtig funktioniert. Ein, zwei Takte dieses Songs – klammheimlich in den Ohrhärchen verfangen. Manchmal ist auch einfach nur ein irrwitziger Gedankenfetzen, der sich aus der Quarantäne heraus in aktive Gehirnareale verirrt.

Und manchmal ist es einfach ein bisschen zu viel von all dem.  Auf einmal. Denn die Sache ist ja die, dass von außen betrachtet, die Hülle makellos scheint. Und der Lidstrich perfekt ist. So perfekt er mit zittriger Hand eben gezogen werden kann. Aber innen, meine Lieber, so ganz tief innendrin – da sieht es aus wie ein zerfetztes Kissen. Bloß, dass es mein Herz war, das in tausend und abertausend Splitter zerbrochen ist.  Der reißende Fluss aus meinen Augen hat die spitzen Kanten mit der Zeit abgemildert. Und tatsächlich tut es auch gar nicht mehr weh. Vielleicht, weil alle Tränen aufgebraucht sind, oder ich abgestumpft. Wie die Messer in der Küchenschublade, die du immer mal schleifen wolltest.  Ich schaue aus dem Fenster und sehe die Menschen draußen in der Sonne. Lachend. Mit ihren runden Sonnenbrillen auf der Nase. Ich friere ein bisschen und halte mir meine Kaffeetasse ans Ohr, damit ich das Meer rauschen höre doch alles was ich bekomme ist Salzwasser.

Vielleicht bräuchte es einen Ozean Süßwasser, um die scharfkantigen Splitter in Kieselsteine und dann, irgendwann in weichen Sand zu verwandeln. Sand, der mir dann einfach so durch die Hände gleitet und vom Winde verweht wird. Vielleicht ist das auch so.

 

© Julia

 

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Permanent.

Prosa

Langsam rattert die Nadel und sticht Punkt für Punkt Farbe unter meine Haut. Aus diesen Punkten werden feine Linien und wenn man das Blut wegwischt, bleiben winzige Narben zurück. Dunkle, fast schwarzen Stellen auf der Haut. Da kannste duschen und schrubben wie du willst. Das geht nicht mehr weg. Für immer. Sind da diese vernarbten Hautstellen. Manchmal jucken die auch und dann vermischt sich frisches Blut mit der alten Farbe. Eher trostlos. Ich wasche die Tränen aus der Bettwäsche und betrachte das Rinnsal im Abfluss. Wenn man doch bloß alles so einfach auswaschen könnte. Ein bisschen Wasser und Seife und schwuppdiwupp ist alles wieder rein. Aber wahrscheinlich wäre es nur eine Frage der Zeit ehe wieder Geschichten mit neuer Farbe geschrieben werden. Und hell yeah, sind nicht gerade die Geschichten, die mit Permanent-Marker geschrieben werden ohnehin die besten? Ich schrubbe wie wild mit dem Bimsstein über meine Haut und die Stelle ist schon ganz rot. Ich schwitze. Oder sind das Tränen, was da von der Nasenspitze tropft? Mein Herz pocht und pumpt – als sei es dein Blut in meinem Kreislauf. Als seist du es, der meinen Kosmos beherrscht. Ich lasse eiskaltes Wasser über meine Stirn laufen und höre es dampfen. Tssch. Dabei friere ich bei der ganzen Hitze hier. Meine Nackenhaare feiern eine Stehparty und ich trinke Gin ohne Tonic, weil zum Stehblues nun mal zwei gehören. Aber das weißt du ja am besten – der, der sich Tag für Tag in meine Träume schleicht, du Traumtänzer. Und nachts mache ich das Licht an, damit es nicht so dunkel ist wie tagsüber. Dann sehe ich diese Stellen auf der Haut besser. Falls ich mal vergesse, was da war und was da ist. Immer. Noch. Für immer. Das ist reingeritzt. Verstehst du?

Der Lack ist ab.

Inspiration, Kolumnen

Manchmal, wenn es regnet sitze ich am Fenster und pule den abgesplitterten Nagellack von meinen Fingern. Mal rot, mal schwarz. Manchmal auch pink oder weiß. Während die feinen, bunten Splitter wie Konfetti auf die Straße fallen, frage ich mich, warum es so schwer ist sich für irgendetwas zu entscheiden. Ich meine rot oder schwarz. Kein grau oder braun, sondern rot oder schwarz. Oder eben weiß.

Ja! Oder vielleicht doch Nein!

Kolumnen

Kennt ihr noch diese kleinen Zettelchen, die man sich früher in der Schule immer heimlich durch die Bänke gereicht hat, um den aktuellen Schwarm zu fragen, ob er oder sie mit einem gehen will? Da gab es immer die Option vielleicht. Wenn man sich nicht ganz sicher war oder eventuell noch mehrere solcher Zettelchen erhalten hat.