What about friendship?

Kolumnen

Wenn es brenzlig wurde, haben wir uns gegenseitig die Augen zugehalten und waren just in dem Moment, als die kleinen Fingerchen schützend über dem Augapfel lagen, sicher vor all den bösen Geistern und den Jungs aus der Sternengruppe. Der Weg mit einer Schultüte – größer als wir selbst – rein in eine Klasse voller fremder Gesichter, war mit dir an der Hand nur halb so schlimm. Die unzähligen Liebesbriefe, in denen  j e d e s  Wort analysiert und auseinandergenommen wurde, bis nur noch ein Buchstabensalat übrig blieb – mal ganz abgesehen von dem Chaos im Kopf. Wegen Pubertät. Und überhaupt. Wenn dir jemand nach deinem ersten Vollrausch beim Kotzen die Haare hält, weisst du, eine bessere Freundin gibt es nicht. Wer sonst steht uns in Notsituationen aka Beziehungs- oder Singlekrisen zur Seite? Mit wem können wir flaschenweise Wein trinken, die Nacht zum Tag machen und über all den Mist reden, der in unserem kleinen Köpfchen umherschwirrt? Mit einem guten Freund an der Seite, sieht jede noch so große Hürde wie ein klitzekleines Kieselsteinchen aus. Verluste, die manchmal auf wunderschönen Friedhöfen enden, werden gemeinsam – zumindest ein bisschen – erträglicher. Seite an Seite.

What would Carrie do?

Freundschaften – und da sind sich wohl 99,39% der Menschheit einig – ist so mit das Wichtigste im Leben. Charlotte fragt ihren Freundinnen Carrie, Samantha und Miranda, ob sie nicht Seelenverwandte für einander sein wollen. So kitschig das klingen mag – es klingt nach einem guten Plan. Und so lautet auch Carries Antwort.

Zwischen dem Ende des Studiums, das man mehr oder weniger lange hinauszögert und dem Beginn des Arbeitslebens steckt eine schwierige Phase der Selbstfindung. Irgendwann kommt man an den Punkt, an dem die Eltern so langsam aber sicher fordern, auf eigenen Beinen zu stehen. Briefe von Behörden trudeln ein und am liebsten möchte man wieder mit nem kühlen Bier in der Hand in der Stammkneipe Jungs checken. #justlikethat

Freundschaften verändern sich – nicht zuletzt, weil man in unterschiedlichen Lebenssituationen steckt. War es vor ein paar Jahren vielleicht noch egal, ob die eine im 4. und die andere im 6. Semester war, unterscheidet sich der Lebensalltag nun doch gravierender. Begleitet von Umzügen in andere Städte oder gar Länder. Die Arbeit häuft sich und Freizeit wird ein knappes Gut. Zeit für regelmäßigen Austausch und unbeschwertes Zusammensein bleibt nur selten. Dabei sind gerade räumliche Nähe, häufige, aber ungeplante Interaktionen und eine Situation, die dabei hilft, sein wahres Gesicht zu zeigen und sich einander anzuvertrauen, die wichtigsten Faktoren in einer Freundschaft, erklärt Rebecca G. Adams, Professorin für Soziologie an der Universität North Carolina.

Andere Stadt. Anderes Leben. Andere Freunde?

Um die 30 verändern sich die Prioritäten genauso sehr wie die Lebensumstände. Ernstere Beziehungen, die Kraft und Zeit kosten. Selbstständigkeit oder vielleicht sogar schon Kinder. All das verstärkt den Druck, der auf der armen Zahl 30 liegt. Manchmal ist man vielleicht insgeheim doch ein bisschen neidisch auf den kugelrunden Bauch der Freundin. Oder sehnt sich als eingefleischter Großstadt-Single nicht nur sonntags nach einem Ferienhäuschen für zwei am See. Aus Zuneigung würde man das natürlich nie zugeben. Dabei ist Neid die aufrichtigste Form der Anerkennung – das wusste schon Wilhelm Busch. Eine Emotion so alt wie die Menschheit. Auch wenn Neid ein Gefühl ist, das wir uns ungern eingestehen. Er hat durchaus auch etwas Positives. Neid ist Triebfeder und Quelle für Innovation und Fortschritt. Inspiration für unsere eigene Entwicklung und macht uns letzten Endes zu dem Menschen, der wir sind. Immer wieder neu. Und immer wieder anders. Eine neidfreie Freundschaft ist per se also gar nicht anzustreben. Der Mensch definiert sich über Vergleiche mit anderen und je ähnlicher wir uns sind, je vergleichbarer der Status uns das Lebensgefühl allgemein desto geneigter sind wir, Neid zu entwickeln.

Mach mal Pause.

Bevor sich Aggressionen anstauen; über unausgesprochene Gefühle und zurückgehaltene Meinungen, weil es uns, je älter wir werden, schwerer fällt zu verzeihen. Weil wir in unseren Strukturen, Abläufen und Meinungen schon so festgefahren sind. Bevor man sich gegenseitig Dinge an den Kopf wirft, die man später vielleicht bereuen könnte, tut eine Verschnaufpause gut.

Eine Freundschaftspause als Schutz vor gegenseitigem Belagern mit unmöglichen Problemen. Man muss aus einer Mücke keinen Elefanten machen, denn manchmal sieht man selbst vor lauter Wald die Bäume nicht mehr.  Derart festgefahren in der eigenen Gedankenwelt kann man gelegentlich den Fokus verlieren. Wurden früher Gespräche über Jungs in epischer Breite diskutiert, soll das noch immer so sein, der Fokus verschiebt sich aber und es kommen andere Probleme hinzu. So ist das mit diesem Erwachsenenleben nun mal.

Aber:  Ich glaube wir brauchen den Input von außen mehr denn je, um uns nicht ganz in unserer selbstoptimierten Gedankenwelt zu verlieren. Wir brauchen die ehrlichen, unbequemen und manchmal echt harten Worte unserer Freunde, um auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren.

Die Zeiten von 500 und mehr Facebook-Freunden sind irgendwie vorbei. Und selbst eine Million Follower können eine Umarmung der Freundin nicht ersetzen. Niemals. Nie. Je älter man wird, umso mehr genießt man Zeit mit richtigen, echten Freunden anstatt mit oberflächlichen Bekanntschaften. Zudem ist es ab einem gewissen Alter schwerer, neue Freunde zu finden. Sagt zumindest die Wissenschaft. Sollten wir nicht gerade deshalb Zeit und Energie in Freundschaften stecken, die uns schon Jahre begleiten? Gemeinsame, gelebte Erinnerung ist etwas, das sehr stark verbindet. Egal, in welche Lebenssituation man gerade steckt, auf welchem Kontinent man gerade lebt, egal, ob man sich einmal im Jahr oder einmal in der Woche sieht – für eine Freundschaft lohnt es sich mindestens genauso so viel Energie, Engagement und Zeit zu investieren, wie in eine Beziehung. Oder? #generationfreundschaftsunfähig wollen wir nämlich nicht sein. Und vielleicht schauen wir Frauen uns hier (ausnahmsweise!) mal was von den Herren ab: Öffnen zwei Bier, prosten uns zu. Schweigen uns eine Weile an. Nicken uns verheißungsvoll zu. Atmen schwer. Porsten uns nochmals zu. Klopfen uns gegenseitig auf die Schulter und freuen uns, dass wir uns haben.

Einfach so. So einfach.

 

 

© themagnoliablossom

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Das Leben der Anderen.

Kolumnen

Einen jüngeren Freund zu haben, ist ja nicht erst seit Heidi und Jenny en vouge. Wenn das Toyboy-Dasein überwunden ist und frau dazuhin nicht nur im gebärfähigen, sondern auch freudigen Alter ist, ziehen gern mal Wölkchen am rosa Himmel auf. Man(n) steht mit dem Rücken zur Wand und vor der großen K-Frage. Was früher einmal Küche und Kirche war, entscheidet sich heute zwischen Kondom oder Kind.

Darf´s noch ein Kind sein?

Geradezu unweigerlich kommt ab einem gewissen Alter bei frau das intrinsische Gedankengut auf – dann, wenn die Ohren noch gut genug funktionieren, um das penetrante Ticken zu hören. Ticktackticktackticktack. Vielleicht sollten manche das T mal durch ein F ersetzen und einfach mal wieder ein bisschen Spaß haben? Ihr Männer könnt ja quasi immer. Also, das mit dem Kindermachen, meine ich. Vielleicht gibt euch das auch diese gewisse Coolness. Wir Frauen werden ja dazu gezwungen. Erst von Eltern, Omas, Tanten, Cousinen (als ob deren Leben nur Sinn  ergeben würde, wenn sie besser jetzt als gleich ein Neugeborenes auf dem Arm halten) und, irgendwann auch von unserem Gynäkologen. Wenn der mit ernster Miene da unten rumfuchtelt und meint „jetzt oder nie, besser wird´s nicht“. Na, schönen Dank auch!

 

 

Das Peter Pan Syndrom

Ja, spätestens dann – ob wir selbst wollen oder nicht – haben wir ein Kind zu wollen. Und damit trifft Peter Pan auf die Realität. Volle Breitseite. Aua. Unterhält man sich mit Frauen, bei denen es tickt (also, nicht (nur) im Kopf), spürt man, was für evolutionär-biologische oder wahnsinnig-gesellschaftliche Kräfte da wirken. Das ist peinlich, auch für andere Frauen. „Soziale Uhr“, das trifft´s wohl ganz gut – neigt der Mensch doch im Allgemeinen und im Speziellen zu (sozialen) Vergleichen. Festinger weiss da mehr drüber. Aber so viel sei gesagt: Das Leben der Anderen ist immer spannender, toller, bunter und was-weiss-ich-nicht-alles. Wie im Zoo gaffen wir und urteilen über das Leben unserer Freunde und Mitmenschen, als ob sie einer anderen Spezies abstammen. Hören wir doch auf mit dem Vergleichen, mit dem Rüberschielen und dem Gucken auf die anderen. Das macht uns nur unglücklich. Das Schöne ist ja, das jeder so leben kann und darf, wie er möchte. Und ob man´s glaubt oder nicht. Es soll tatsächlich Leute geben, die ganz glücklich sind genau so, wie sie leben.

Wie die Affen im Zoo

Gerade zwischen 25 und 35 klaffen die Welten ja mehr denn je auseinander. Häusliche Verbindlichkeit prallt auf ja-nein-vielleicht-eventuell-ganz-klar-jein. Da gibt es die, die seit Jahren eine Beziehung führen, ein Haus bauen und das zweite Kind erwarten. Es gibt die, die in der Dating-Hölle schmoren oder auf der Tinder-Welle surfen. Es gibt die, die mit 25 happy Family waren und mit Anfang 30 im 2-Wochentakt die Kinder bei sich haben. Wie man´s dreht und wendet – ist man Single, wünscht man sich (wenn auch nur ganz heimlich) jemand der da ist, wenn´s mal wieder so komisch zieht links in der Brust. Zu zweit wünscht man sich manchmal ein bisschen was von der Freiheit des Single-Lebens. Und ganz prinzipiell und allgemein – und da wären wir wieder bei der K-Frage – lässt man sich ja gerne mal alles offen. Von einer Fast-Beziehung über eine Fast-Fernbeziehung bis hin zur Fast-Affäre. Tja, wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein. Ein Fast-Kind habe ich nämlich noch nicht gesehen.

 

© themagnoliablossom