Still.

Prosa

Mit dem ersten Schnee ist alles anders. Plötzlich und ohne Vorwarnung. Ein weißer Schleier legt sich schützend über die klaffende Wunde. Purpurne Tropfen auf reinem Weiß. Doch mein Körper ist nicht bereit für diese Kälte. Nicht die trockene Kälte, die zuweilen noch aushaltbar wäre, sondern diese fiese, nasse Kälte, die dir bis ins Mark zieht.

Die Armada von Kriegern, die vor ein paar Wochen noch so unaufhaltsam gekämpft hat, beugt sich der Kraft des Winters. Was vor ein paar Wochen noch laut und umtriebig war, ist nun still. In sich ruhend. Der Regen fällt prasselnd auf die Erde, doch der Schnee lautlos. Der Winter ist pur, ehrlich. Gnadenlos. Du hast den Regen nie gesehen, immer nur den Regenbogen. Aber jetzt schneit es und du bist nicht hier. Das Gras, das im Sommer ohnehin nie über die Sache wächst – der Schnee soll´s nun richten. Puderzuckerfein.

 

Doch da ist etwas, das nicht bedeckt werden möchte. Weder mit Gras noch mit Schnee und schon gar nicht im Regen ertränkt werden möchte. Da ist etwas von dir, ein Sinnbild, eine Illusion. Ein Funken einer romantisierten Vorstellung. Ich bin mir nicht sicher, ob sie diesen Winter überdauernd wird. Viele Winter hat sie schon standgehalten. Nahezu getrotzt. Gestrotzt. Vor Kraft. Immer und immer wieder. Im Sommer in den letzten Windungen des Gehirns versteckt und mit eiskaltem Bier aus dem Herzen gespült. Nur, um im Herbst wieder Einzug zu halten. Wie ein Nomade ziehst du von Ort zu Ort von Herz zu Kopf und wieder zurück. Der kühle Herbstwind stärkt dir den Rücken. Und plötzlich ist Winter und alle reden über das Wetter, aber der Winter – das bist du. Ein Gefühl, links in der Brust. Es schneit und ich atme Wolken in die eisige Nacht, die sich mit deinen vermischen. Zwei Welten unter einem Firmament. Kalter Atem aus noch kälteren Kehlen. Das Blut in den Adern gefriert. Hände, die sich nicht suchen, aber finden. Zögerlich, tastend nach Restwärme in lodernder Glut.

 

© themagnoliablossom

 

Werbeanzeigen

Ein Ort.

Inspiration, Lyrik

Wollen wir uns vielleicht irgendwo treffen? Irgendwo, wo die Sonne zwischen den Blättern hervorblitzt, wo Grün und Blau Cyan ergeben und der Himmel die Erde berührt.

Dort, wo sich das Dunkle mit dem Hellen vermischt und der brennende Feuerball am Horizont in unendliche Tiefen versinkt. Wo Umrisse Gestalten nur erahnen lassen und unscharfe Schatten von stechenden Augen durchbrochen werden. Wo Sehnsucht und Wehmut verschmelzen, eins werden. Im Hier und Jetzt und heute und morgen. Wo es im Herzen sticht und im Bauch kribbelt.

Dort, wo Licht und Schatten ein beeindruckendes Pas de Deux tanzen. Wo die Sonne versucht mit den Sternen zu konkurrieren. Ein Akt der Unmöglichkeit, wissen Traumtänzer.

Dort, wo sich Fuchs und Hase nicht einfach nur gute Nacht sagen, sondern sich begegnen. Und Nacht für Nacht gemeinsam nach den Sternen greifen. Immer und immer wieder.

Kennst du einen solchen Ort? Ich werde dort auf dich warten.

 

© Julia

Bunter Staub.

Inspiration, Prosa

Weisst du noch, wie wir im Sommer mit bunter Kreide Herzchen auf den Asphalt gemalt haben? Ganz viele kleine und dann ein ganz großes außen rum. Du von der einen Seite, ich von der anderen. Oben, in der Mitte, dort wo die zwei geschwungenen Linien zusammenlaufen, haben wir uns getroffen. Manchmal haben wir uns sogar den Kopf gestoßen dabei – vor lauter Eifer. Was haben wir gekichert, waren doch unsere guten Sonntagsklamotten von oben bis unten voll mit buntem Staub. Wir haben Zebrastreifen gemalt und uns ein buntes Pony in den Garten gewünscht. „Wenn wir ganz fest dran glauben, während wir die Samen der Pusteblume gen Himmel hauchen, dann steht morgen nach dem Aufwachen vielleicht eines im Garten. Ziemlich sicher sogar“. Du warst so klein und deine feinen Haare wogen sich immer ganz sanft im Wind, wenn du unten auf dem Bordstein saßst, in deiner gelben Hose und dem dunkelblauen T-Shirt. Manchmal hast du dir einen kleinen Laden gemalt und selbstgepflückte Blumen verkauft. Für einen Pfennig. Vielleicht auch zwei.  Es war Sommer und roch nach frisch gemähtem Gras. Doch irgendwas lag in der Luft, irgendetwas, das den nahenden Herbst ankündigte. Als Kind denkt man ja, der Sommer sei endlos. Die sechs Wochen Sommerferien kommen dir wie eine Ewigkeit vor. Jeder Tag wie ein Jahr. Das verlernen wir irgendwie mit dem Alter. Da ist dann immer zu wenig Zeit hier, zu wenig Zeit da. Alles muss schnell gehen und keiner hat mehr Zeit. Trotzdem machen alle irgendwas. Immer. Wo geht sie denn hin, die Zeit?

Samstags durften wir manchmal länger aufbleiben und dann kommt dir der Tag noch viel länger vor. Frisch geduscht gab es Abendbrot und es schmeckte besser, wenn man die Stulle in kleine Stücke schnitt und die Rinde ab. Und sowieso schmeckte das Brot des Andern immer besser. Kauend und kichernd saßen wir da. Im Hintergrund lief leise die Sportschau und wir hielten uns die Bäuche – vor Lachen und dem vielen Eis, das es manchmal noch zum Nachtisch gab. Weisst du noch, wie ich dir den Kopf gestreichelt habe, bis du endlich eingeschlafen bist? Geträumt haben wir von dem Pony im Garten und Ausritten zum Mond und es war so real, dass wir am nächsten Morgen Muskelkater in den Oberschenkeln hatten vom Reiten. Weisst du all das noch? Immer, wenn samstags die Sportschau leise im Hintergrund läuft, überkommt mich ein Gefühl von Heimat und ich rieche das Shampoo in deinen weichen Haaren. Ab und an wünsche ich mir die Zeit zurück, in der man sich eine ganze Welt aus Kreide malen kann. Und manchmal, wenn es regnet beobachte ich den bunten Matsch, den die dicken Tropfen in den Gully spülen und frage mich, wo ist sie geblieben, die Zeit?

© themagnoliablossom

Süchtig

Prosa

Manchmal sind Grenzen hart, aber manchmal verschwimmen sie auch. Grenzen zwischen Freude und Leid und dessen, was real ist und was Fiktion. Ein großer Schuss Milch im schwarzen Kaffee. Das gibt immer so schöne Muster. Mini Kumuluswolken, gefangen in einer viel zu kleinen Tasse. Bis jemand mit dem großen Löffel kommt und umrührt. Dann ist das Ganze eher eine bräunlich trübe Angelegenheit. Keine scharfe Begrenzung zwischen unschuldigem Weiß und schwarzem Schwarz. Ich mag Grenzen und noch viel lieber mag ich es, wenn sie sich auflösen. Zum Beispiel zwischen dir und mir. Die Wand zwischen unseren Zimmern. Manchmal lege ich mein Ohr auf die kalte Mauer und wenn ich meine Augen schließe, höre ich dich atmen. Ich spüre das Echo meines Herzschlages und drücke meinen Körper fester an das Gemäuer. Ich will mich hindurchpressen, zu dir schweben und mich neben dich legen. „Weisst du, man kann nicht immer alles kontrollieren“, hast du einmal zu mir gesagt. Und kurz bevor der Boden auf meiner Seite der Wand zu einem klaffenden Loch aufreißt, hebe ich ab. Mucksmäuschenstill ist es. Lautlose Schritte in der Luft. Eins, zwei immer einen Fuß vor den anderen. „Komm her, leg dich zu mir“, höre ich dich sagen. Jetzt noch drei. Dann bin ich bei dir.

Langsam lasse ich mich auf das Bett gleiten. Müde, vom Nichtstun und vom Fliegen. Du nimmst meine Hand und dann liegen wir in diesem Bett aus Wolken. Wie zwei Junkies. Gebettet auf Rosen zwischen Träumen und der Sehnsucht nach etwas ganz Großem vergessen wir die Dornen. Wir träumen von Sonnenuntergängen am Meer, von Dachterrassen und dem Geruch von Regen auf flirrendem Asphalt. Wir sind süchtig. Süchtig nach dem Wind und dem Regen auf warmer Sommerhaut. Das Geräusch, wenn der Wind durch das Weizenfeld zieht und das Gefühl von Gänsehaut. Wir radeln eine endloslange Allee entlang. Immer schneller. Du bist so schön – im Licht der Sonnenstrahlen, die zwischen den einzelnen Bäumen hindurchscheinen und im Sekundentakt Schatten auf dein Gesicht zaubern. Hell dunkel. Hell dunkel. Hell dunkel. Immer im Wechsel. Mein Herz klopft so laut, dass ich taub werde. Wir springen von den Rädern und lassen sie einfach so in das Gras fallen. Die Reifen drehen sich noch eine Weile weiter. Aber da hast du mich schon längst geküsst, noch bevor die Sonne hinter dem Hügel verschwindet und die Grillen anfangen zu zirpen.

Ja, wir sind süchtig. Und du bist meine Droge. Und ich bin deine. Wie zwei Junkies liegen wir hier und jetzt. Gebettet auf Rosen zwischen Träumen und der Sehnsucht nach was ganz Großem und vergessen die Dornen.

 

© Julia

.

Prosa

Hinter deinem Ohr, da ist diese Locke. Diese einzelne Strähne Haar, die sich nach einem Sommergewitter immer so schön kräuselt. Manchmal tut sie das auch, wenn du einfach nur so daliegst. Durch das geöffnete Fenster zieht ein Windhauch und sie bewegt sich ganz sanft zur Melodie des Windes. Das sieht schön aus, weil dein Kopf seitlich auf dem weißen Kissen liegt und die Locke so ganz viel Platz zum Tanzen hat. Die Haut hinter deinem Ohr ist weich. Sehr. Ich fahre mit meinem Finger die Kontur deines Gesichtes entlang. Die winzigen Bartstoppeln an deinem Kinn kitzeln mich und ich muss kichern. Dein Atem ist immer sanft. Nur kurz bevor du einschläfst, wird er ein bisschen kräftiger. Aber nie laut. Ein leises Schnauben. Ganz gleichmäßig, wie das Rauschen des Meeres. Manchmal liege ich einfach nur da und höre dir beim Schlafen zu. Ich finde das beruhigend. Irgendwie. Der Wind weht durch das geöffnete Fenster und kleidet uns beide in einen Hauch von Nichts. Nichts als weiße Laken und Wind. Ich spüre eine Gänsehaut auf meinem Rücken. Und ich bin mir nicht sicher, ob die von dem Wind kommt oder, weil deine Hand auf meiner liegt. Oder beides. Und obwohl ich völlig nackt bin, spüre ich eine Wärme. Ganz tief in mir und ich denke, dass genau jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, um die Welt anzuhalten.

 

 

© Julia

Reisezeit.

Kolumnen

Wer gerade im Stau steht, oder einfach so ein bisschen Zeit hat, der darf gerne meine neue Kolumne lesen, die ich monatlich für Das Münchner Kindl schreibe.

Und zwar genau hier. Drückt die Blase, rollt der Rubel. So schaut´s aus.

 

Habt eine schöne Sommer-Woche ❤

 

 

Hello September

Kolumnen

september

Hach ja, da ist er nun, der S e p t e m b e r. Der meteorologische Herbstbeginn. Allein bei dem Wort kann man ja schon Zustände bekommen. Der Monat, in dem die Sonne genau über dem Äquator steht und die Tage genauso lang sind wie die Nächte. Aha! Astrologisch gesehen ist dem wohl so (das ist das mit den Sternen).

Happy Friday!

Inspiration

…strahlend blauer Himmel, Sonnenschein, lecker Kaffee und das Wochenende vor der Türe. Was will frau mehr 🙂

Foto(7)

 

Ps: Das Bild links habe ich selbstgemacht. Ist eine Leinwand mit Servietten-Technik und so. Hängt jetzt in meiner Küche. Sieht irgendwie gut aus 😉