Beat.

Kolumnen, Prosa

Mit zittrigen Fingern tippe ich die Zahlen in das Display. Eine nach der anderen. Wie oft habe ich diese Zahlen schon getippt. Jene Zahlen, die in exakt dieser Reihenfolge eine Verbindung zu dir herstellen. Es ist schon verrückt, denn wenn ich zum Beispiel zuerst die drei wähle und dann die vier, komme ich bei einem Stefan raus. Obwohl es immer noch dieselben Zahlen sind. Nur die Reihenfolge ändert sich. Ich weiss das, weil ich es schon sehr oft ausprobiert habe. (Sorry, Stefan). Ein bewusst unbewusster Zahlendreher. Weil ich nicht wusste, was ich sagen würde, wärst tatsächlich du am anderen Ende der Leitung. Der Wind weht mir die Haare ins Gesicht und ich versuche mir vorzustellen, wie es sich anfühlt deine Stimme zu hören. Das Gefühl, wenn sich deine Stimmbänder heben und senken und der Klang dessen durch meine Ohren einen Weg in meinen Körper findet. Als wärst du dort nicht lange genug gewesen. Himmelherrgott was stelle ich mich an. Ich schließe die Augen, den Finger noch immer fest auf dem Wählen-Button gedrückt. Ich kann ihn nicht loslassen. Denn das würde bedeuten, dass ich dich tatsächlich anrufe. Ohne Zahlendreher. In den Filmen ist das immer so lässig-cool, wenn man nach Jahren einfach mal anruft und fragt, wie es denn so geht. Jetzt ist es das irgendwie nicht. Du nimmst viel zu schnell ab und ich kann den Schweiß in deinen Handinnenflächen fühlen. Du fragst, ob ich auf einem Konzert sei – dabei ist es mein Herzschlag, den du hörst. Was sind Tage, Monate oder Jahre? Aneinandergereihte Zahlen. In irrwitzigen Kombinationen. Aber am Ende doch nur Zahlen. Für die Musik ist die Reihenfolge entscheidend. Und wir tanzen zum selben Beat. Hier und jetzt. Und immer. Eine Weile atmen wir synchron in den Hörer und manchmal ist Schweigen einfach das allerschönste Gespräch.

© themagnoliablossom

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Lissi.

imgegenteil

Neues von der im gegenteil Front. Bitte alle unbedingt mal gucken, wegen weil so schön! Echt! ❤

Lissi

Lissi, fotografiert von der zauberhaften Mirja Kofler

 

 

Wenn du wüsstest.

Lyrik

Wenn du wüsstest, wie schön du bist. Wenn im Schlaf deine Augenlider zucken, weil du im Traum gegen Löwen kämpfst. Wenn sich deine Nackenhaare kräuseln und in meinem Atem tanzen, weil ich so nah bei dir liege. Wenn du wüsstest, dass dein leises Schnarchen in meinem Ohr das schönste Symphonieorchester der Welt ist. Wenn du wüsstest, wie schön es ist, wenn sich dein Burstkorb mit jedem deiner Atemzüge hebt und sich beim Ausatmen eine kleine Kuhle seitlich an deinem Bauch bildet. Ich fahre die Konturen mit meinem Finger nach. Du zuckst zusammen und ich sehe deine Gänsehaut. Und als ob es ansteckend sei, ist auch meine Haut mit winzigen Pünktchen übersäht. Ich wünschte ich könnte durch deine Haut in dich hinein kriechen, noch näher an dich heran. Deinen Duft in mir aufsaugen. Konservieren. Ich wünschte ich könnte in deine Träume hereinspringen wie in eine Wolke und gemeinsam mit dir gegen den Löwen kämpfen. Deine Hand in meiner. Zusammen. Unbesiegbar. Wenn du wüsstest, wie schön das ist.

 

© themagnoliablossom

 

Halb. Mond.

Prosa

Du legst deinen Kopf leicht schief und schaust mich über den Rand deiner aufgeschlagenen Zeitung an. Ich sehe von meiner Seite des Tisches nur eine hochgezogene Augenbraue. „Reichst du mir mal die Marmelade, bitte?“, sagst du, ohne den Blick von den gedruckten Buchstaben abzuwenden. Ich lecke mir den Rest Milchschaum von den Lippen und lasse meinen Blick schweifen. Vorbei an der Zeitung, die ich nur als Buchstabensalat wahrnehme. Schwarz und weiss. Dein nackter Oberkörper, mit all der Farbe und noch mehr Buchstaben durchbricht das Grau. Deine Füße stecken in dicken Wollsocken – schließlich ist es Winter. All das. So schön. Hier und jetzt. Während ich den Gummibund deiner dunkelblauen Boxershort betrachte, reisst mich ein Rascheln aus meinen Gedanken, die so kitschig sind, dass mir übel wird. Du hast die Zeitung auf den Tisch gelegt und dabei hat sich eine Strähne aus deinen zum Dutt frisierten Haaren gelöst. „Halloooo, die Marmelaaaadeee, Madame! Träumst du?“. Ich greife nach dem Marmeladenglas und laufe auf deine Seite des Tisches. „Ja, von dir“, höre ich mich sagen während ich dir Croissant-Krümel von der Oberlippe streiche.

 

 

© Julia