All that glitters ain´t gold.

Kolumnen

Man sagt ja immer, man finde sie nur einmal im Leben. Die ganze große Liebe. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich sie schon längst gefunden. Nur war mir das lange gar nicht so klar. Denn obwohl ich im April geboren bin und es recht locker mit uns beiden angefangen hat, kann ich mittlerweile behaupten, dass es tatsächlich Liebe ist. Also, so richtig.

Wenn deine zarten Strahlen zum ersten Mal sanft meinen ganzen Körper berühren, wenn es in der Nase kitzelt und die Haut diesen unverwechselbaren Sommergeruch aufweist, ja, dann verliebe ich mich jedes Jahrs auf´s Neue in dich. Die warme Haut mit eiskaltem Wasser kühlen und dabei zusehen, wie die Perlage in der Sonne verdampft. Und ein Windhauch, der immer ein bisschen kitzelt. Blinzelnd Pommes Schranke essen und nochmal abkühlen. Seit dreißig Jahren wird das nie langweilig. Weil du immer wieder anders bist, immer du, aber trotzdem immer neu. Nuancen und Facetten. Einzigartig wie die Küstenabschnitte einer Insel. Lauwarmen Sand zwischen den Zehen und Wind im Haar. Salzkristalle und der Duft von Oelander. Eiskalter Weißwein oder Rosé – festlegen lässt du dich nur ungern. Manchmal bin ich tatsächlich etwas traurig, dass du andere Regionen mehr liebst als die meine. Ich bin echt großzügig und teile gerne, aber trotzdem. Ich lebe in einer Altbauwohnung und ich friere quasi immer. Ich friere im Frühling, im Herbst und im Winter sowieso (ich bin ein Mädchen, ich darf das). Aber im Sommer, da mag ich nicht frieren. Echt nicht. Ich liebe es, wenn es so richtig heiß ist. Wenn der Asphalt in der sengenden Hitze glänzt – auch wenn ich natürlich weiss, dass nicht alles gold ist was glänzt. Aber wenn ich dann abends frisch geduscht auf meiner Couch liege, die Haut noch leicht feucht ist und der Vorhang im Wind zwischen den Kerzen tanzt, bekommt das bloße Sein eine völlig neue Dimension und mein Wein schmeckt immer so gut wie im Urlaub. Und jeder weiss, dass der Wein im Urlaub immer am besten schmeckt. Egal wie viele Kartons man mit nach Hause nimmt. Weil Weintrinken halt auch einfach ein Gefühl ist. Oder draußen, weil die ganze Stadt lebt. Das Leben im Freien stattfindet. Überall. Ich liebe diesen subtilen Geräuschteppich aus klirrenden Gläsern, zirpenden Grillen, Stimmen und knackenden Eiswürfeln.

Ja, immer Sommer da ist diese Leichtigkeit. Die Zeit vergeht langsamer und manchmal bleibt sie sogar ganz stehen. Manche sagen ja, man lebt in einer Blase, oder nennen es Sommerloch. Es passiert nicht viel, aber das was passiert, macht glücklich. Zumindest mich. Man mag es naiv nennen, aber wenn ich von den Sonnenstrahlen, die morgens durch mein Rollo blitzen, wach werde, ist es ein guter Tag. Wenn die Luft noch so frisch ist und die Vögelzwitschern. Ein Gefühl, das alles möglich ist. Ich muss es nur tun. Pläne schmieden und Luftschlösser bauen so hoch wie die Wellen vor Hossegor. Wenn ich dann abends am Strand sitze und zuschaue, wie die Sonne das Meer küsst, ist das für mich ein #magicmoment. Ich will nicht sagen, dass ich in den anderen Jahreszeiten nicht glücklich bin, im Gegenteil, aber im Sommer bin ich es immer. Selbst, wenn ich es nicht bin. Got it? Here comes the sun and it´s all right. 

Im Sommer ist einfach alles besser. Nicht nur das Obst. Oder die Tomaten von heimischen Feldern. Wenn man da ein bisschen Basilikum und Öl drauf tut. Heaven. Die Haare glänzen und die Haut strahlt. Pickelchen hat nur mein Kaktuseis.

Vielleicht ist es auch das pure Glück, das aus jeder Pore trieft. Und selbst wenn es nur das ist. Das ist doch eine ganze Menge.

■ *

 

© Julia

 

*q. e. d. (steht für: quod erat demonstrandum, lateinisch für: was zu beweisen war, Abschluss einer Beweisführung in Mathematik und Philosophie).

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Schnitzeljagd.

Prosa

Ich puste die Kerze aus und wünsche mir, dass alles gut wird. Weil ich das immer tue. Ein bisschen Vertrauen müsse ich schon habe, hast du zu mir gesagt, wenn kristallklare und salzige Tränen über meine kalten Wangen liefen – ein bisschen mehr Vertrauen. In das Leben. Allgemein und im Speziellen. Jetzt wo du nicht mehr da bist, fällt mir das sehr schwer. Vertrauen also, sage ich leise und wische mir die Tränen aus dem Gesicht. Wenn sich das Jahr dem Ende neigt, wenn die Bäume ganz schleichend kahl werden und ganz plötzlich Winter ist, kommen auch die Gedanken. An das was da war und ist und noch kommen mag. Was noch vor ein paar Monaten hinter luftigen Kleidchen und Sonnenbrillen verborgen blieb, was durch dieses angenehme Kribbeln nach einem eiskalten Bier hirntot gemacht wurde, ist auf einmal so real und so da wie der erste Frost. Er macht es einem nicht leicht, der Winter. Ich wünsche mir eine fein pudrige Schneedecke, die all das ganz lautlos umhüllt. Sanft und schützend. Der eisige Wind peitscht mir um die Ohren und ich gehe tapfer weiter. Vertrauen, also.  Ich ritze deinen Namen auf eine angefrorene Autoscheibe und komme mir dabei wie ein Teenie vor. Damals konnte ich nicht glauben, dass es nach dem ersten Liebeskummer jemals wieder besser würde. Dass dieses Ziehen in der Brust und diese ständige Übelkeit jemals aufhören würden. Alles geht vorüber und es geht immer weiter. Und manchmal macht mich das traurig. Weil man gar nicht mehr innehält, genießt und jeden noch so kleinen Moment konserviert und das Traurigsein auch mal so richtig zelebriert. Menschen kommen und gehen. Manche hinterlassen Spuren, andere Lücken.

Und dann gibt es dich. Eine unendliche Schnitzeljagd über meinen gesamten Körper durch all die Krater und Täler. Von Zeit zu Zeit werden die so kräftig durchgespült und das salzige Wasser rundet die spitzen Ecken etwas ab. Die stechen dann nicht mehr so in die Eingeweide. Das ist gut. Menschen kommen und gehen. Aber was ist, wenn manche Menschen nicht gehen? Wenn sie da sind, obwohl sie fort sind? Erinnerungen, konservierte Gerüche, Berührungen, die sich ganz fies auf die roten Blutkörperchen krallen und mit jedem Herzschlag im ganzen Körper verteilt werden. Ist das überhaupt erlaubt? Oder läuft das schon unter Doping? Du schaust jeden Tag in den Spiegel und nichts ist anders. Und dann entdeckst du zwischen all dem Müll ein altes Foto und realisierst, dass alles anders ist. Das Gehirn ist sowas von machtlos gegen das Herz. Eine Farce.

Manchmal, wenn ich durch ein Möbelhaus schlendere, ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass sich dies oder jenes gut in unserem Haus machen würde. Eine Vase für die Vitrine im Flur oder ein neuer Bezug für das Kissen auf dem alten Sessel. Es ist nur ein kurzer, unüberlegter Moment. Ich streiche gedankenverloren über die Sofabezüge, fühle den Stoff der Bettwäsche und wünsche mir mit dir in den Laken zu liegen. Den Duft deiner Haare einzuatmen und meine Gesicht ganz fest an dein linkes Schulterblatt drücken. Einfach so. Aber so einfach ist das natürlich nicht.

Anstatt der Bettwäsche kaufe ich eine große Packung Kerzen. Bei jedem Auspusten werde ich sagen alles wird gut. Und es auch glauben. Denn mit Kerzen ist es ja so wie mit Erinnerungen. Man kann nie genug davon haben.

 

© themagnoliablossom

 

 

Jahreszeiten für Fortgeschrittene.

Das Münchner Kindl, Kolumnen

Wenn man wissen möchte welche Jahreszeit gerade herrscht, könnte man einfach in den Kalender schauen, oder besser gleich aus dem Fenster. Aber ich sag euch, das ist sowas von für Anfänger. Die richtigen Profis gehen in den Supermarkt. Jawohl. Denn hier erfährt man alles, was man über die verschiedenen Jahreszeiten wissen muss. Glaubt ihr nicht? Ich erklär´s euch.

Und zwar in meiner neuen Kolumne. Hier entlang, bitte 🙂

 

Feuerwerk.

Prosa

Ja, die Feiertage sind vorbei. Die Knöpfe am Hosenbund spannen, aufgerissenes Geschenkpapier ziert den Parkettboden, Tante Ilse ist abgereist ihre opulente Parfümwolke ist das einzige, was sich auch nach drei Tagen hartnäckig hält. Weihnachten ist vorbei. So schnell. Wie immer. Aber weisst du eigentlich, dass du mein Weihnachten bist? Du bist das Kribbeln im Bauch, wenn der Tisch gedeckt ist und alle Kerzen brennen. Du bist der erste Schluck Crémant auf nüchternen Magen. Du bist die Mousse au Chocolat, die samtig meinen Gaumen kitzelt. Du bist der Rotwein, mit dem ich deine Abwesenheit hinunterspüle. Du bist mein Last Christmas in Dauerschleife. Weisst du, du bist der Duft von Bratapfel und Gebäck, der mich liebevoll umarmt. Du bist Ankommen. Du bist nach Hause kommen. Alle Jahre wieder bist du die Spitze auf dem scheiss Tannenbaum. Meine Luft zum Atmen.

Ja, du bist mein Weihnachten. Du bist der Frühling im Winter. Du bist der, der alles auf den Kopf stellt. Du bist gegen die Natur, du bist die Klimaerwärmung und eigentlich gehörst du verboten.

Ich weiss, dass das jetzt nur so ist, weil alles Blut im Bauch ist, um die schwere Weihnachtsgans zu verdauen und nichts mehr für den Kopf überbleibt. Weil jetzt eben diese Zeit zwischen den Jahren ist, in der alle immer so ganz furchtbar sentimental sind und das Jahr Revue passieren lassen. Ich sitze auf dem alten Hausdach und nippe an meinem Bier. Weil es sich wie Sommer anfühlt. Mit geschlossenen Augen. Die Sonne kitzelt auf meiner Nase und ich muss niesen. Wie damals. Das ist meine Heimat. Dieses alte Haus, der Blick in die Stadt vom Dach aus. Der knarzige Baum da vorne links und die ratternde Tram. All das. Nach dem vierten Schluck Bier fühlt es sich tatsächlich nach Heimat an. Aber ich glaube Heimat, ist da wo das Herz ist und ich glaube Heimat ist wo du bist. Egal, wo auf der Welt – verstehst du?

Manchmal wünschte ich mir, du wärst ein Silvesterböller und würdest am 31. Dezember mit einem Affenzahn in den Himmel katapultiert werden und dich danach einfach in Luft auflösen. Manchmal wünsche ich mir das tatsächlich. Aber manchmal wünsche ich mir auch, dein Sozius zu sein.

 

© themagnoliablossom