Viktualienmarkt – Behind The Scenes #1

Mit Vergnügen

Ob eine schnelle Brotzeit in der Mittagspause, ein Feierabend Helles im Biergarten oder gleich der gesamte Wocheneinkauf – auf dem Viktualienmarkt geht alles. Wobei das lateinische Wort (victualis) für Lebensmittel eine Untertreibung ist, denn der ursprüngliche Bauernmarkt hat sich längst bis über die Stadtgrenzen hinaus zum Feinschmeckermarkt gemausert. Von A wie Austern bis Z wie Zwiebelwurst gibt es hier auf 22.000 qm nämlich (fast) alles zu kaufen.

Für den Blog mit Vergnügen habe ich einen Blick hinter die Kulissen geworfen und stelle euch vier großartige Stände und die Menschen dahinter vor. Los geht es mit Teil 1, der Kaffeerösterei am Viktualienmarkt.


kaffeeroesterei5

Mit Liebe gemacht

„Einfach guten Kaffee“ – hat sich Christian Müller zum Konzept gemacht. Guter Kaffee ist aber weder einfach zu machen noch einfach zu finden. Obwohl München als nördlichste Stadt Italiens gilt, haben sich die Münchner Ende der neunziger Jahre schwer getan mit der Kaffeekultur. Christian reist(e) oft nach Italien und war ebenso begeistert und fasziniert von dem guten Cappuccino und dem Dolce Vita. „In München bist halt in die Eisdiele gegangen wennst an guadn Cappuccino hast trinken wollen. Im Restaurant gab’s den Cappuccino oft mit Sahne“, erzählt er mir kopfschüttelnd.

„Ich hab das damals einfach gemacht. Ohne groß drüber nachzudenken“

Es war der dritte Laden in ganz München, der sich dem reinen Kaffeeverkauf verschrieben hat. „Das war nicht einfach. Die Lage war eher suboptimal und die Münchner konnten mit der richtigen Kaffeekultur irgendwie nix anfangen. Für Kaffeestände gab es keinen Begriff beim KVR und eine Genehmigung zu bekommen war nicht leicht“, erzählt mir Christian.

kaffeerocc88sterei11-680x510

Cappuccino & Florentiner

„Wenn ich da am Samstag 100 Kaffee verkauft habe, kamen Glücksgefühle in mir auf“. Die Zeiten haben sich geändert, seit Barista und Latte Art etablierte Begriffe sind, verkauft Christan die in einer Stunde. Mindestens.

Den kompletten Text gibt´s hier.

Advertisements

Ferienende.

Kolumnen

Die letzten Tage sieht man sie wieder vermehrt. Die Kondensstreifen, die die großen Flieger hinter sich herziehen. Wilde Muster in Weiß, vor strahlendem Blau. In gefühltem Sekundentakt sehe ich Flugzeuge starten und landen, muss hier und da etwas blinzeln, wenn sich die Sonne in den schrägen Tragflächen spiegelt. Ich male mir immer aus, wohin sie fliegen. Überlege, wo Norden und wo Süden ist und welches Ziel diese Flieger haben könnten. Welche Menschen da drin sitzen, zu wem sie mit klopfendem Herzen fliegen und wen sie schon jetzt vermissen, kurz nach dem der Gate geschlossen wurde. Die großen Flieger, die einem eine grenzenlose Freiheit vorgaukeln. Alles möglich. Alles nur einen Fingerschnipp entfernt. Oder einmal Augen zu, Karte durch am Ticketschalter.

Für jeden Flieger der startet, gibt es auch einen der landet. Pünktlich zum Ferienende hier in Bayern sind das ganz schön viele. Aus und vorbei das schöne Leben am Strand unter Plamen. Vorbei sind die Tage, an denen man sich zwischen Kaffee oder Tee zum Frühstück und Wein oder doch lieber einen Cocktail zum Abendessen entscheiden mussten – und das eine tagesfüllende Aufgabe war. Aufstehen ohne Wecker, von schräg einfallenden Sonnenstrahlen sanft geweckt werden #slowmorings. Zwischen Lesen, schwimmen und ein bisschen Wandern ist nicht viel passiert. Jeder Tag fühlte sich wie Sonntag und Weihnachten zusammen an. Man hatte nichts vor. Und morgen auch nicht. Und am Tag nach morgen auch nicht. Hach, ja sweet life. Das Ende kommt da irgendwie immer ganz plötzlich. Die Rückkehr in den Arbeitsalltag schier unmöglich. Vor drei Wochen war ich noch so motiviert, hatte Ideen, Pläne und mein Tag hätte mehr als 24 Stunden benötigt, um all das zu verwirklich. Ich hatte einen richtigen Lauf. Da konnte mir nicht einmal der miese Sommer einen Strich durch die Rechnung machen. Ha! Gummistiefel for the win. Und nun? Laufen die Erstklässler mit ihren viel zu großen Schultüten aufgeregt umher und bei mir ist irgendwie der Drive weg. Was ist passiert in jenen drei Wochen, Nichtstun, entschleunigen, faul sein? Ist das ein bisschen ausgeartet?  Hat man da die Kontrolle verloren? Und die Kreativität gleich mit? Oder kratzt da was ein bisschen am eigenen Ego, weil der Laden ja scheinbar ganz wunderbar ohne einen selbst lief? Huch! Post-Holiday-Blues, nennen das die Forscher und raten zu softem Einstieg, to-do Listen und die Mittagspause mit den Kollegen zu verbringen. Ich spüre schon jetzt, wie der Kortisolspiegel in meinem Blut steigt. Zurück im Büro wartet das volle Postfach, 1004 unbeantwortet Mails und der Kaffee schmeckt auch irgendwie schal. Zäh wie Kaugummi vergehen die Stunden und das Blatt ist immer noch weiß.

Aber vielleicht liegt es gar nicht am Urlaub, oder der Rückkehr aus diesem. Vielleicht hat man davor einfach schon alle Energie und Kreativität aufgebraucht, sodass sich der Körper jetzt lautstark seine Pause einfordert? Vielleicht sind nämlich Kreativpausen gar nicht so schlimm, sondern viel mehr kreative Pausen. Und ganz vielleicht bauen wir in unseren Alltag ein paar happy moments ein und setzten auch hier vermehrt auf kleine Auszeiten. Klingt doof, is aber so. Denn schließlich ist nicht Urlaub unser Leben, sondern das, was dazwischen passiert und das, sollte mindestens genauso schön sein – wenn nicht gar besser.

 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“.

Das wusste schon Erich Kästner. Und der muss es ja wissen.

 

© Julia