Halb. Leer.

Inspiration, Kolumnen

Und dann bin ich einfach los geradelt. Entlang am Meer, vorbei an steilen Küsten und schroffen Felsen. Über klapprige Brücken durch versteckte Buchten. Über Stock und Stein. Und manchmal auch über gestrandete Herzen. Dort hin, wo die Menschen weniger werden und der Wind stärker. Ich trete in die Pedale. Fester und schneller und hinter jeder Kurve vermute ich den Fels in der Brandung. Doch es sind nur ein paar angeschwemmte Algen. Verknotet und verworren. Wie meine Haare bei all dem Wind. Und auch innen drin. Eher Kaugummi als Gummitwist. Aber es gibt kein zurück, denn mein Fahrrad besitzt keinen Rücktritt. Es geht ja immer nur vorwärts. Gegen den Wind. Also trete ich weiter. Die Gischt klatscht mir ins Gesicht und meine Wangen brennen. Warum ist das Meer so beständig? Die Wellen kommen und gehen und bilden einen angenehmen Geräuschteppich, der mich sanft umarmt. Die Stimmen in meinem Kopf werden leiser und mein Herz pumpt im gleichen Rhythmus Blut durch meinen Körper wie es Wellen an den Strand spült.

Es wird schlagartig dunkel und dicke Wolken schieben sich vor den Horizont. Vielleicht habe ich auch einfach nur die Zeit vergessen, bei all dem Sand der durch meine Finger rinnt. Und dann fängt es mitten auf der Sonneninsel an zu regnen. Erst nur ein bisschen, also fahre ich weiter entlang am Meer, das nun irgendwie so gar nicht mehr ruhig ist. Später werden die Reste der Mascara dunkle Striche in meinem Gesicht hinterlassen. Meine Hose klebt unangenehm auf meiner Haut und bei jedem Tritt knatscht es in meinen Schuhen. Unter ein paar dürftig zusammengehämmerten Holzbalken zwischen denen es nur so tropft und flattert finde ich Unterschlupf. Denn es hat sich eingeregnet. Links, rechts, über ja sogar unter mir nichts als graue Regenwolken. Ich sitze hier fest und habe nichts zu tun. Selbst wenn ich wollte. Kein Handy, kein Internet, kein Buch ja nicht einmal den Luxus von Stift und Papier. Meine Hauptbeschäftigung ist es, dem Regen beim Fallen zuzuschauen. Also sitze ich hier und tue nichts außer denken und selbst das ist zu viel. Was irgendwie befreiend ist. Und gut. Weil man Dinge ja auch einfach mal hinnehmen muss. Wie sie kommen und wie man sie nicht ändern kann. Anstatt machtlos zu sitzen und zu schauen was passiert machtvoll akzeptieren, dass überhaupt irgendetwas passiert. Denn nichts ist doch schlimmer als gar nichts. Zum Bespiel die flache Linie auf dem EKG.

Wenn alle anderen das Lager bereits verlassen haben und man selbst sitzen bleibt. Weil dieses Nichtstun und nichts denken so unfassbar gut tut. Weil es befreit von all den Konten in den Leitungen, die man so hat. Eine Lethargie der Gedanken. Eine Aneinanderreihung von Sekunden, die schöner nicht sein könnten. Eine Leere, die zu einer Erfüllung wird. Und dann sind zwei Stunden rum, was immerhin hundertzwanzig Minuten sind. Siebentausendzweihundert Sekunden und man sitzt. Man sitzt. Harrt aus. Wird eins mit dem Holz auf dem man sitzt und hofft insgeheim, dass etwas von dessen Patina abfärbt. Nur ein Hauch Nostalgie. Und etwas von dieser beständigen Beharrlichkeit. Alles einfach mal hinzunehmen. Und dann spürt man auf einmal so ein unfassbares Glück. Eine Wärme, die sich vom Bauch heraus im gesamten Körper ausbreitet. Von den Zehenspitzen bis zu den Augenbrauen. Und man weiß gar nicht woher das alles kommt und wo das alles hin soll. Es tropft und quillt nur so wie die Regenrinne nach dem heftigen Gewitter.

Aber wenn es schon mal da ist, dieses Gefühl, bittet man es herein. Wie man das halt so macht, wenn ungebetene Gäste so laut vor der eigenen Türe poltern. Vielleicht einen Keks zum Tee? Manchmal will man nämlich gar nicht glücklich sein. Sondern sich suhlen in einem Gefühl zwischen Weltschmerz und Wurzelbehandlung. Einfach so. Möchte man den Halb-Voll-Gläsernen einen Schluck aus ihrem Glas stibitzen. Oder zwei.

Und während man da so sitzt, schwitzt und sich nicht sicher ist, ob es vielleicht doch der Regen ist, realisiert man, dass alles irgendwann vorbei ist. Auch das Gute. Und manchmal auch einfach nur der Regen.

 

© themagnoliablossom

Vom Scheitern und anderen erfolgreichen Dingen.

Kolumnen

„Na, geht´s dir gut?“ wird man ja gerne mal gefragt. Morgens im Büro, auf dem Weg in die Kaffeeküche. Beim Sonntagsspaziergang. Oder wenn man sich zufällig in der U-Bahn trifft. Wobei das ja eigentlich gar keine Frage ist, denke ich mir als sich die Türen mit einem piependen Geräusch schließen. Weil man das Fragezeichen ja oft nicht raus hört und es ohnehin viel zu oft eher nach einer Aussage klingt, auf die es nur eine richtige Antwort zu geben scheint. Ich hätte gern nein gesagt. Einfach so, um zu gucken, wie die anderen dann gucken. Das wäre dann so, wie wenn man mal ein Glas Wasser trinkt, bloß um die Leber zu überraschen. Oder so.

Sei glücklich! Und das ist keine Frage.

Geht´s dir nicht gut, stimmt irgendetwas nicht mit dir – so der Tenor. Leiden ist unschicklich. Und das in einer Gesellschaft, in der jede(r) zweite einen Jour Fixe beim (Psycho-) Therapeuten hat und Anti-Depressiva wie Lutschbonbons verteilt werden. Aber leiden, das tut man gefälligst allein in seinem stillen Kämmerlein. Es gibt Tabletten, die glücklich machen. Es gibt Yoga, Tees, Diäten ja sogar Magazine veröffentlichen Guides, die einem das große Glück versprechen. Glücklichsein ist en vouge. Scheitern eher nich so. Ist es naiv, alles Schlechte in einer Kiste auf dem Dachboden zu verstauen – aus den Augen aus dem Sinn? Oder ist es vielleicht sogar gut und wichtig. Ein Ansporn, um seinen inneren Frieden und das ganz große Glück tatsächlich zu finden?

Von Null auf Hundert und zurück

Try again. Fail again. Fail better. Das ist die Start-up Mentalität aus dem Land mit hübschen Sternchen auf der Flagge. Schlechte Erfahrungen bringen gute Ergebnisse hervor. Prägen, machen schlauer und reifer. No risk, no fun. No money und ergo no Erfolg. Mehr Risiko. Mehr Gewinn. Man muss auch mal raus aus der Comfort Zone, was riskieren, um in der Zukunft vom eigenen Mut in der Vergangenheit zu profitieren. Und das ist nicht (nur) im finanziellen Sinne gemeint. Mehr ist mehr. Nur bloß immer weitermachen. Scheitern an sich scheint nicht das Problem zu sein, ist es doch konstitutiv für das Menschsein. Interessant ist aber die Tatsache, dass Scheitern nur anerkannt wird, sofern es Indiz für späteren Erfolg ist. Es gibt unzählige Stories, die in Tellerwäscher-zum-Millionär-Manier vom Scheitern und dem darauffolgenden Erfolg berichten. Von jemandem, der es von ganz unten nach ganz oben geschafft hat, obwohl ihm immer wieder Stolpersteine in den Weg gelegt wurden – vom Schicksal oder von wem auch immer. Dieser jemand ist auf dem Zenit der Glückseligkeit angelangt und das wollen wir ja alle. Oder? Es sind genau jene Geschichten, die Menschen motivieren immer weiter zu machen, zu suchen und zu streben – nach dem, was sie Glück nennen. Was in Vergessenheit gerät ist, dass Glück kein Ort ist, an dem man verweilen kann, sondern per se eine sehr volatile Angelegenheit ist. Vielleicht ist es just diese Eigenschaft, die den Mensch so erpicht es fangen und konservieren zu wollen, dieses Glück.

Sei glücklich! Lautet der wohl einzig gesellschaftlich akzeptiere Imperativ. In den USA ist das sogar ein Geburtsrecht. Was Thomas Jefferson dazu veranlasst hat, das in die Unabhängigkeitserklärung zu schreiben, ist unklar. Denn, die Glücklichsten sind die Amerikaner mitnichten. Trotz und obwohl der „Pursuit of Happiness“ Treibstoff einer ganzen Nation ist. Alles ist möglich. Und das nicht erst seit Trump. Man muss es nur genug wollen. Vielleicht hab ich es auch nicht zu sehr gewollt, dieses Glücklichsein, frage ich mich da manchmal, wenn ich mal wieder die Welt von unten betrachte.

Immer einmal mehr als du

Sei glücklich, sage ich mir dann matraartig und empfinde es zunehmend als Zwang. Ein Diktat der Leistung. Dabei haben Psychologen herausgefunden, dass gerade der Druck glücklich sein zu müssen, erst recht unglücklich macht. Und die müssen es ja wissen. Wenn wir noch ein bisschen weiter gehen und den Verfechter der Abgründe und des Unglücks zu Rate ziehen, müssen wir alle ohnehin viel mehr ausharren und auch einfach mal was aushalten. Es scheint, als haben wir das verlernt. Denn Friedrich Nietzsche schrieb und forderte 1886 (!), dass wir das Leben mit seinen Höhen und Tiefen bejahen müssen und uns von der Konvention sowie dem Zwang, alles in gut oder schlecht unterteilen zu wollen, zu lösen. Wir müssen erkennen, dass diese zeitliche Abfolge von Ups und Downs untrennbar ist. Weil Glück und Leid oft nur einen Fingerschnipp voneinander entfernt sind und nichts die Vergänglichkeit und die Volatilität des jeweiligen Zustandes mehr verkörpert als dieser schmale Grat. Und, noch viel wichtiger: Die Erkenntnis, dass gerade in der Annahme dieser These der eigentliche Mut und die Stärke liegen. Puh, mag da jetzt vielleicht einer denken, was interessiert mich das Geschwätz eines alten, grauen Mannes. Aber auch die blitzgescheite Bloggerin und Autorin Ronja von Rönne berichtet in ihrer Rede vom Aufgeben als einer Form von Befreiung. Denn es ist ja so: Man merkt ja beispielsweise innerhalb von Sekunden, ob etwas passt oder nicht. Oft ist da das Unterbewusstsein sogar schneller als der Verstand. Beim Studium, bei Jobs aber auch bei Menschen. Da kann man ruhig mal auf sein Bauchgefühl hören. Und scheitern. Vielleicht was daraus lernen, vielleicht aber nicht und einfach scheitern, um des Scheiterns Willen und das, meine Freunde (surprise!) ist auch völlig okay.

Immer einmal mehr aufstehen, als man hinfällt, sagte Mutti schon im Kindergarten. Und nicht nur, wenn das Fahrradfahren ohne Stützräder nicht so ganz funktioniert hat. Dieser Satz impliziert ja noch etwas ganz anders. Hinfallen okay, liegenbleiben nicht okay. Vielleicht müssen wir mit diesen alten Mythen endlich aufhören, die so fest in unseren Gehirnen verankert sind. Scheitern ist nämlich gar nicht mal so unsexy. Hinfallen (mit High Heels) auch nicht. Und dann halt auch einfach mal auf dem Boden liegen bleiben. Von hier eröffnet sich nämlich ein ganz neuer Blickwinkel.

 

© themagnoliablossom

 

Halb. Mond.

Prosa

Du legst deinen Kopf leicht schief und schaust mich über den Rand deiner aufgeschlagenen Zeitung an. Ich sehe von meiner Seite des Tisches nur eine hochgezogene Augenbraue. „Reichst du mir mal die Marmelade, bitte?“, sagst du, ohne den Blick von den gedruckten Buchstaben abzuwenden. Ich lecke mir den Rest Milchschaum von den Lippen und lasse meinen Blick schweifen. Vorbei an der Zeitung, die ich nur als Buchstabensalat wahrnehme. Schwarz und weiss. Dein nackter Oberkörper, mit all der Farbe und noch mehr Buchstaben durchbricht das Grau. Deine Füße stecken in dicken Wollsocken – schließlich ist es Winter. All das. So schön. Hier und jetzt. Während ich den Gummibund deiner dunkelblauen Boxershort betrachte, reisst mich ein Rascheln aus meinen Gedanken, die so kitschig sind, dass mir übel wird. Du hast die Zeitung auf den Tisch gelegt und dabei hat sich eine Strähne aus deinen zum Dutt frisierten Haaren gelöst. „Halloooo, die Marmelaaaadeee, Madame! Träumst du?“. Ich greife nach dem Marmeladenglas und laufe auf deine Seite des Tisches. „Ja, von dir“, höre ich mich sagen während ich dir Croissant-Krümel von der Oberlippe streiche.

 

 

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Du bist so anders.

Kolumnen

Gründe Angst zu haben, gibt es viele. Manche Menschen verspüren ein beklemmendes Gefühl, wenn sie ihr Smartphone zu Hause vergessen. So manch einer soll schon auf die Idee gekommen sein, tatsächlich etwas zu arbeiten, vor lauter Langeweile. Andere haben vor Feiertagen Angst und kaufen – just in case – mal den halben Supermarkt leer. Und wäre das nicht so trostlos, käme man aus dem Lachen ja gar nicht mehr heraus. Wieder andere haben Angst um ihr Leben. Was wirklich schlimm ist. Damit meine ich nicht nur ganz aktuell die Flüchtlinge, die zuweilen in Deutschland stranden, sondern auch die Menschen hier, die Angst um ihr Kulturerbe und ihr Land haben. Die Angst sitzt tief. Gefährlicherweise entsteht diese Urangst in einem primitiven Teil des Gehirns, das keinen Hochschulabschluss hat, erklärt Borwin Bandelow, Angstforscher an der Universität Göttingen, und diese Ängste lassen sich nur schwer durch die intelligenteren Teile des Gehirns steuern. Es ist die Angst vor dem Ungewissen, dem Fremden. Es ist die Angst, nicht zu wissen was auf einen zukommt. Wie man sich fühlen könnte oder gar handeln sollte. Diese Fremdenangst entsteht aus einer Mischung aus Urängsten und rationalen Überlegungen, manifestiert Bandelow.

Individualität, my ass!

Aus dieser Ungewissheit heraus entstehen Vorurteile. „Die sind so“. Die Deutschen, die Briten, die Männer, die Frauen. Genauso wenig sind die so, wie alle Deutschen Tracht tragen. Ich lebe zwar in Bayern und hier tragen wirklich viele Menschen auch jenseits der Wiesn Drindl und Lederhosn, dennoch ist das keine Allegorie für ein gesamtes Land. Wir urteilen (vor-)schnell über Menschen. Über deren Lebensweise oder deren Aussehen. Alles, was nicht in unser selbstoptimiertes Bild passt, wird als Resonanzkörper ausgeschlossen. Warum? Bei Treffen im Freundeskreis spalten sich die Lager schnell. Egal, ob Feminismus (Geeezus!), die Rolle Griechenlands oder ganz aktuell bei dem Thema Flüchtlinge. Ja, selbst Helmut Schmidt polarisiert(e). Man ist entweder dafür oder dagegen. Es scheint nur entweder oder zu geben. Pro oder contra. Schwarz oder weiss. Dabei ist grau doch auch schön. Oder bunt.

Ich habe da eine Allergie.

Irgendwie haben wir eine Allergie gegen alles Andersartige entwickelt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, jaja. Der Schweinehund ist aber immer nur so groß, wie die Disziplin klein ist. Oder? Wir handeln nach bestimmten Verhaltensmustern, die wir irgendwann einmal erlernt haben. Das mag zum einen vielleicht kulturelles Erbe sein, oft ist es aber konditioniertes Verhalten und in vielem machen wir es uns auch schlichtweg zu einfach. Meine Freundin A. hat glasklare Vorstellungen von ihrem Traummann. Groß muss er sein („unter 1,83 m geht da nix“), dunkle Haare muss er haben und Tattoos. Eh klar. Wer im Glashaus sitzt… Es gab da mal einen kleineren, blonden. Der war ziemlich nett, fand ich. Sie hat ihn mit beharrlicher Vehemenz ignoriert. Der Arme…

„Lieber leben wir in unserer perfekten Traumwelt – ein Konstrukt aus Sehnsucht und Realitätsflucht – und warten auf die Traumprinzessin oder den Traumprinzen“

Wir folgen immer wieder unseren Mustern und Verhaltensweisen und meinen, wenn wir uns auf einen bestimmten Typ Mensch beschränken, kann alles nur gut werden. Denn den kennen wir. Da wissen wir, was auf uns zukommt. Wissen, wie wir agieren können. Zwar ist nicht alles super toll, aber zumindest auch nicht super scheisse. Dabei machen wir uns häufig selbst was vor. Den Typ gibt es nicht. Wir schaffen es nur selten, über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Wege zu gehen. Die ersten Spuren im Schnee – war das als Kind nicht das Allerschönste? Jetzt, als Erwachsene verlassen wir die ausgetretenen Pfade nur selten. Wenn sich doch mal einer wagt, zeigen wir mit dem Finger auf ihn, als sei er ein Aussätziger. Ein Andersartiger. Sind wir überhaupt noch fähig, die Vielfalt und ihre unerschöpfliche Inspiration zu erkennen? Ich finde, wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, nur akzeptiert und anerkannt zu sein, wenn man möglichst gleich, ähnlich oder angepasst ist. Die herbe Enttäuschung kommt nämlich oftmals dann, wenn man erkennt, dass die, die zunächst so ähnlich erscheinen so komplett anders sind. Sind wir doch ein bisschen großzügiger. Mit uns selbst, aber vor allem auch mit anderen und deren Anderssein. Empathie statt Egoismus.

Ein Konstrukt aus Sehnsucht und Realitätsflucht. Aber was ist mit dem Herz auf dem OP-Tisch?

Auf Instagram haben diejenigen die meisten Follower, die tagtäglich massenkonformes, perfekt editiertes Bildmaterial hochladen. Individualität? Fehlanzeige! Identifizieren wir uns nur (noch) mit Clowns unser Selbst? Sind wir zu kleinen Narzissten geworden, die keine Götter neben sich dulden? Wir sind geizig und das nicht nur mit unseren Gefühlen, sondern auch mit dem Interesse an Anderen. Ziehen uns lieber in unhaltbare Mingle-Ringle*- Amusements zurück, anstatt mal richtig blank zu ziehen. Das nackte Herz auf den kalten OP-Tisch legen. Da darf dann schon mal Blut fließen. Lieber leben wir in unserer perfekten Traumwelt – ein Konstrukt aus Sehnsucht und Realitätsflucht – und warten auf die Traumprinzessin oder den Traumprinzen. Den es so per se wahrscheinlich nur in unserem Kopf gibt. Manchmal wissen wir das auch. Insgeheim. Können aber trotzdem nicht anders. Vielleicht ein bisschen aus (Selbst-) Schutz für das Organ links in der Brust. Und aus Gründen. Und manchmal, macht uns das ganz schön einsam. Würden wir einfach einmal die Scheuklappen abnehmen und links und rechts am Wegesrand ein bisschen grasen, anstatt nur vorbei zu galoppieren, würden wir in vielen Fröschen einen Prinzen oder gar eine Prinzessin erkennen. Vielleicht muss man einfach mal mehr innehalten, mehr den Bauch entscheiden lassen als sich ständig von diesem Kopf, der eh immer alles besser weiss, reinpfuschen zu lassen. Vielleicht wären und sind wir dann vor allem eines: Glücklich. Und bunt. Jawohl.

 

 

© themagnoliablossom

 

*Ringle: Jmd., der zu hohe Erwartungen an die (romantische) Liebe hat und deshalb Single ist.