Ferienende.

Kolumnen

Die letzten Tage sieht man sie wieder vermehrt. Die Kondensstreifen, die die großen Flieger hinter sich herziehen. Wilde Muster in Weiß, vor strahlendem Blau. In gefühltem Sekundentakt sehe ich Flugzeuge starten und landen, muss hier und da etwas blinzeln, wenn sich die Sonne in den schrägen Tragflächen spiegelt. Ich male mir immer aus, wohin sie fliegen. Überlege, wo Norden und wo Süden ist und welches Ziel diese Flieger haben könnten. Welche Menschen da drin sitzen, zu wem sie mit klopfendem Herzen fliegen und wen sie schon jetzt vermissen, kurz nach dem der Gate geschlossen wurde. Die großen Flieger, die einem eine grenzenlose Freiheit vorgaukeln. Alles möglich. Alles nur einen Fingerschnipp entfernt. Oder einmal Augen zu, Karte durch am Ticketschalter.

Für jeden Flieger der startet, gibt es auch einen der landet. Pünktlich zum Ferienende hier in Bayern sind das ganz schön viele. Aus und vorbei das schöne Leben am Strand unter Plamen. Vorbei sind die Tage, an denen man sich zwischen Kaffee oder Tee zum Frühstück und Wein oder doch lieber einen Cocktail zum Abendessen entscheiden mussten – und das eine tagesfüllende Aufgabe war. Aufstehen ohne Wecker, von schräg einfallenden Sonnenstrahlen sanft geweckt werden #slowmorings. Zwischen Lesen, schwimmen und ein bisschen Wandern ist nicht viel passiert. Jeder Tag fühlte sich wie Sonntag und Weihnachten zusammen an. Man hatte nichts vor. Und morgen auch nicht. Und am Tag nach morgen auch nicht. Hach, ja sweet life. Das Ende kommt da irgendwie immer ganz plötzlich. Die Rückkehr in den Arbeitsalltag schier unmöglich. Vor drei Wochen war ich noch so motiviert, hatte Ideen, Pläne und mein Tag hätte mehr als 24 Stunden benötigt, um all das zu verwirklich. Ich hatte einen richtigen Lauf. Da konnte mir nicht einmal der miese Sommer einen Strich durch die Rechnung machen. Ha! Gummistiefel for the win. Und nun? Laufen die Erstklässler mit ihren viel zu großen Schultüten aufgeregt umher und bei mir ist irgendwie der Drive weg. Was ist passiert in jenen drei Wochen, Nichtstun, entschleunigen, faul sein? Ist das ein bisschen ausgeartet?  Hat man da die Kontrolle verloren? Und die Kreativität gleich mit? Oder kratzt da was ein bisschen am eigenen Ego, weil der Laden ja scheinbar ganz wunderbar ohne einen selbst lief? Huch! Post-Holiday-Blues, nennen das die Forscher und raten zu softem Einstieg, to-do Listen und die Mittagspause mit den Kollegen zu verbringen. Ich spüre schon jetzt, wie der Kortisolspiegel in meinem Blut steigt. Zurück im Büro wartet das volle Postfach, 1004 unbeantwortet Mails und der Kaffee schmeckt auch irgendwie schal. Zäh wie Kaugummi vergehen die Stunden und das Blatt ist immer noch weiß.

Aber vielleicht liegt es gar nicht am Urlaub, oder der Rückkehr aus diesem. Vielleicht hat man davor einfach schon alle Energie und Kreativität aufgebraucht, sodass sich der Körper jetzt lautstark seine Pause einfordert? Vielleicht sind nämlich Kreativpausen gar nicht so schlimm, sondern viel mehr kreative Pausen. Und ganz vielleicht bauen wir in unseren Alltag ein paar happy moments ein und setzten auch hier vermehrt auf kleine Auszeiten. Klingt doof, is aber so. Denn schließlich ist nicht Urlaub unser Leben, sondern das, was dazwischen passiert und das, sollte mindestens genauso schön sein – wenn nicht gar besser.

 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“.

Das wusste schon Erich Kästner. Und der muss es ja wissen.

 

© Julia

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Deep. Is. Sexy.

Das Münchner Kindl, Kolumnen

Meine neue Kolume, erschienen bei Das Münchner Kindl


Was haben Heino, Leonard Cohen und Ben Becker gemeinsam? Na? Eine attraktive Stimme! Ha! Zumindest, wenn es nach den neusten Forschungsergebnissen von David Puts (Pennsylvania State University) geht. Was Leonard Cohen angeht, bin ich d’accord. Hallelujah! Aber Heino? I please you!

Tiefe Stimmen suggerieren eine gewisse Dominanz. Rauchige Jazz-Club-Atmosphäre trifft auf einen Hauch Mr. Big-Charme. Hallo, Kleines. Zumindest für Frauen, ist so das Kopfkino perfekt. Bei Männern ist alles anders. Die fühlen sich nämlich von den tiefen Stimmen ihrer Geschlechtsgenossen eher eingeschüchtert. Dieser Effekt,  so fanden die Forscher heraus, wirkt sogar deutlich stärker als die Anziehungskraft, die eine tiefe Stimme auf Frauen ausübt. Oha! Es konnte ein Zusammenhang zwischen der Frequenz der Stimme und dem Hormonspiegel nachgewiesen werden. Genauer gesagt zwischen dem Testosteronlevel im Blut und der Stimmlage. Je höher die Konzentration des Hormons im Blut, umso tiefer die Stimme. Das fand schon die Steinzeit-Frau echt sexy und träumte beim Beerensammeln lieber von dem sonoren Neandertaler als dem fiependen Manni, weil der ihr irgendwie stärker (also männlicher) vorkam und ihre Nachkommen besser verteidigen konnte. #ugauga

Bei Frauen hingegen – und jetzt kommt´s – gibt es keine Frequenz, die als besonders attraktiv wahrgenommen wird. Zudem konnte auch kein hormoneller Zusammenhang nachgewiesen werden. Ergo: Es ist also egal, ob wir zuckersüß säuselnd oder hysterisch schreiend darum bitten, dass er endlich den Müll runter bringt.

Andere behaupten ja, Männer sprechen so tief, weil sich evolutionsbiologisch herausgestellt hat, dass sich Frauen tiefere Stimmen besser merken können. Es ist also weitaus einprägsamer, wenn er mit sonorer Stimme verdeutlicht, dass er den Müll einfach nicht runterbringen wird. Uff. #hardfact

Ham wa wieder nix gelernt heute. Auch schön.

 

© themagnoliablossom

 

In der Kürze, liegt die Würze.

Das Münchner Kindl, Kolumnen

Es regnet. Ich habe keinen Schirm dabei und versuche noch schnell die Tram zu erwischen. Mit meinem Kaffee in der Hand balanciere ich auf dem schmalen Bürgersteig an der Menschentraube vorbei. Ein LKW fährt bei dunkelorange über die Ampel und hinterlässt einen großen Fleck aus Regen und Straßendreck auf meinem Mantel. Vor Schreck fällt mir mein Kaffee aus der Hand und die Tram ist auch weg. Es gibt sie, diese Tage an denen nichts auch nur annähernd so läuft, wie es sollte. Carpe diem. Carpe that f****** diem, summt die Stimme in meinem Kopf gemeinsam mit Herrn Early Bird. Ein Scheiss! Es gibt sie einfach, diese Nicht-Tage.

kolumne

Klatschnass trotte ich zur U-Bahn und, weil ich zur Abwechslung mal nicht auf mein Smartphone starre, bemerke ich, dass mir von allen Seiten griesgrämige Gesichter entgegenblicken. Es ist nass, es ist kalt, es ist grau. Zu früh, zu müde, zu alles. Vielleicht fällt einem das im Sommer einfach nur nicht so auf, wenn die Endorphine mit dem Serotonin und so. Aber jetzt, da es wieder früher dunkel wird und der Glückshormonpegel eher Nullniveau erreicht, sind sie wieder vermehrt unterwegs. Die, die so gar nix zu lachen haben. Ich hätte ja heute auch allen Grund Angelas Mundwinkel Konkurrenz zu machen, aber ich muss schmunzeln. Weil ich was Schlaues gelesen habe. Wer den Kürzeren zieht hat Pech. Oder gut lachen. Ha! US-Forscher haben nämlich herausgefunden, dass die Fähigkeit zu lachen in den Genen liegt. Jeder Mensch erbt von Mami und Papi ein Gen. Hoffentlich noch ein paar mehr, aber zumindest je ein sogenanntes Serotonin-Transporter-Gen (SERT). Sind beide Allele kurz, kann man auch mal über Witze lachen, die eigentlich nicht lustig sind. Oder trotzt nem` Kacktag einfach mit einem Lächeln. Jawollo! Sind beide lang, muss man zum Lachen schon mal in den Keller, da man tendenziell eher mit einer Bittermiene gesegnet ist. Die Länge macht ́s halt doch nicht immer, wa? Im Ernst. Menschen mit kürzeren Genen reagieren in Tests emotional stärker positiv. Aber auch stärker negativ. Die Bandbreite an Emotionen ist schlichtweg größer. Miesepeter würden jetzt das Wort Stimmungsschwankungen ins Spiel bringen. Ich sage euch: Davon lass ich mir nicht die Laune verderben. Drauf nen Kurzen. Cheers!

 

Zu lesen gibts meine Kolumne auch auf dem Blog Das Münchner Kindl. Yeah!

 

Happy weekend ❤