Beat.

Kolumnen, Prosa

Mit zittrigen Fingern tippe ich die Zahlen in das Display. Eine nach der anderen. Wie oft habe ich diese Zahlen schon getippt. Jene Zahlen, die in exakt dieser Reihenfolge eine Verbindung zu dir herstellen. Es ist schon verrückt, denn wenn ich zum Beispiel zuerst die drei wähle und dann die vier, komme ich bei einem Stefan raus. Obwohl es immer noch dieselben Zahlen sind. Nur die Reihenfolge ändert sich. Ich weiss das, weil ich es schon sehr oft ausprobiert habe. (Sorry, Stefan). Ein bewusst unbewusster Zahlendreher. Weil ich nicht wusste, was ich sagen würde, wärst tatsächlich du am anderen Ende der Leitung. Der Wind weht mir die Haare ins Gesicht und ich versuche mir vorzustellen, wie es sich anfühlt deine Stimme zu hören. Das Gefühl, wenn sich deine Stimmbänder heben und senken und der Klang dessen durch meine Ohren einen Weg in meinen Körper findet. Als wärst du dort nicht lange genug gewesen. Himmelherrgott was stelle ich mich an. Ich schließe die Augen, den Finger noch immer fest auf dem Wählen-Button gedrückt. Ich kann ihn nicht loslassen. Denn das würde bedeuten, dass ich dich tatsächlich anrufe. Ohne Zahlendreher. In den Filmen ist das immer so lässig-cool, wenn man nach Jahren einfach mal anruft und fragt, wie es denn so geht. Jetzt ist es das irgendwie nicht. Du nimmst viel zu schnell ab und ich kann den Schweiß in deinen Handinnenflächen fühlen. Du fragst, ob ich auf einem Konzert sei – dabei ist es mein Herzschlag, den du hörst. Was sind Tage, Monate oder Jahre? Aneinandergereihte Zahlen. In irrwitzigen Kombinationen. Aber am Ende doch nur Zahlen. Für die Musik ist die Reihenfolge entscheidend. Und wir tanzen zum selben Beat. Hier und jetzt. Und immer. Eine Weile atmen wir synchron in den Hörer und manchmal ist Schweigen einfach das allerschönste Gespräch.

© themagnoliablossom

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Geek Freak.

Prosa

Mit einem leichten Kribbeln im Bauch laufe ich die dunkle Gasse entlang. Der Herbst kommt immer so plötzlich und ich ziehe den Schal etwas fester um meinen Hals, um dem bissigen Wind zu trotzen. Am Ende der Straße gibt es diese kleine Bar, in der wir uns um 21 Uhr treffen. Ich bin spät dran und durch die Scheiben sehe ich dich im schummrigen Licht an der Theke sitzen. Du schenkst mir ein Lächeln, als du mich bemerkst. Dein schwarzer Pullover sitzt perfekt und deine Schuhe sind irgendwie cool. Du siehst jünger aus, als du bist. Mit Betreten der Bar taucht man in eine gänzlich andere Welt ein. Jegliche Formen von Anstand und Moral werden an der Türe abgegeben. An die Garderobe gehängt. Wenn man Glück hat, hängen sie am nächsten Morgen noch da und man kann sie wieder mitnehmen. Ich weiss das und du weisst das. Aber heute ist ja nicht morgen und morgen ist heute schon gestern. Wir trinken Gin mit allerlei fancy Sachen und du erklärst mir die Welt. Deine Welt. Heute hier, morgen da. Überall. Rastlos. Am Limit. Vielleicht rennst du vor dem davon, was zu Hause auf dich wartet. Weil du es nicht aushalten kannst. Es ist dieses altbekannte Spiel. Mit dem Reiz. Der Macht. Der Versuchung. Und überhaupt bereust du nur die Dinge, die du nicht getan hast. Das Leben sei viel zu kurz, sagst du. Und ich bin süchtig nach diesem Spiel.

Für einen kurzen Moment, wenn sich das Licht der Kerze in dem Ring an deiner Hand spiegelt, entsinne ich mich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Beim zweiten Mal ist es dunkler. Wie mein Nagellack, der beim zweiten Auftrag fast schwarz wird. Geek freak. Auch noch.

Aber was sind schon moralische Ansprüche, heruntergespült mit etlichen Drinks. Verwässert. Dünn und aufgeweicht. Nahezu nicht existent. Mit einer solchen Selbstgefälligkeit sagst du, dass man sehr wohl alles haben kann. Und ich hasse dich für diese Arroganz. Aber ich mache mich zum Mittäter, wenn ich dich in diesem dunklen Hauseingang küsse, der nicht einmal meiner ist.

Ich will aufstehen und meine Moral an der Garderobe abholen. Aber mir ist schlecht. Das letzte Bier ist schlecht. Immer. Und du bist es auch.

© themagnoliablossom

Der Lack ist ab.

Inspiration, Kolumnen

Manchmal, wenn es regnet sitze ich am Fenster und pule den abgesplitterten Nagellack von meinen Fingern. Mal rot, mal schwarz. Manchmal auch pink oder weiß. Während die feinen, bunten Splitter wie Konfetti auf die Straße fallen, frage ich mich, warum es so schwer ist sich für irgendetwas zu entscheiden. Ich meine rot oder schwarz. Kein grau oder braun, sondern rot oder schwarz. Oder eben weiß.