Warum? I mean, why?

Kolumnen

Wir sind doch alle gebildete Menschen. Lernen schon im Kindergarten, dass es besser ist, den andern Kindern das Spielzeug nicht auf den Kopf zu hauen, man sich Brot mit Schimmel lieber nicht in den Mund stopft und, dass es in der Schule doch irgendwie cooler ist, die Hausaufgaben zu machen. Zumindest rückblickend. Kurzum. Wir sind fähig gut von schlecht zu unterscheiden. Und entscheiden uns im Zweifel für den Weg ins Licht als in Dunkle, wenn wir an der Kreuzung stehen. Oder?

Wieso ist es dann manchmal so, dass man sich ganz bewusst für etwas entscheidet, was ganz offensichtlich schlecht ist? Frauen wird ja oft nachgesagt, nein – viele behaupten das sogar von sich selbst – sie stünden auf Arschlöcher. Also, Männer, die sich wie solchen verhalten. Sich nicht melden, und wenn, dann nur dann wann es ihnen passt. Macht- und Egospielchen spielen, irgendwie nie so richtig greifbar sind und bei vielen Frauen neben Tränen oftmals eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Auf der Seele. Frauen, die mit einem solchen Exemplar das „Vergnügen“ hatten, sind auf ewig gebrandmarkt, sage ich. Denen ist gar nicht bewusst, was da alles kaputt geht. Also, so gesamtgesellschaftlich.

| Ich bin so gut wie du mich findest!

Mädchen und Frauen wird systematisch vermittelt, dass ihr persönlicher Wert nicht in erster Linie auf ihren eigenen Fähigkeiten, sondern auf ihrem Reiz gegenüber Männern und ihrer Beziehung zu Männern beruht. Das ist in zweierlei Hinsicht falsch. So werden aus guten Mädchen, schlechte Frauen. Und Männer bekommen das quasi so in die Wiege gelegt. Die Frage ist, was war zuerst: Huhn oder Ei. Vielleicht muss man auch mal Partei ergreifen für die Männer, die vielleicht (manchmal) so arschlochmäßig sind, weil sie selbst einmal so behandelt wurden? Von Frauen? Der sogenannten Arschloch-Frau. Die gibt´s nämlich auch. Aber bevor wir hier jetzt in allgemeines Gender-Mitleid verfallen, zurück zum Thema. Männer und Frauen, lasst euch gesagt sein. Frauen stehen nicht auf Arschlöcher. Nie. Nicht. Jeder, der was anderes behauptet, lügt. Männer wollen ja auch keine Arschloch-Frau, oder?

| I can smell him!

Das interessante ist, wenn frau – als Single wohlbemerkt –  zum Beispiel die Wahl hat zwischen einem verheirateten Mann (mit Kind, Haus, Hund – volles Programm) und einem Singlemann, der all diese Optionen für sie bereit hält, was der andere bereits mit einer anderen Frau hat. Wählt sie oft den verheirateten. Warum? Beide sind gleich nett und beide sehen gleich gut aus. Der eine hat Zukunft, der andere Vergangenheit. Warum stehen Frauen oft an dieser Kreuzung und nehmen den Weg ins Dunkle anstatt den Weg zum Glück? Hat das was mit dem Reiz des Verbotenen zu tun? Weil es ja eigentlich nicht geht und moralisch auch irgendwie verwerflich ist. Da stehen Frauen den Männern übrigens in nichts nach. Ich finde es immer wieder überraschend und erschreckend zugleich, wie gering die moralischen Ansprüche in unserem Leben geworden sind, sich oftmals nicht einmal mehr  ein schlechtes Gewissen einstellt, sondern sich beispielsweise ganz bewusst für das Fremdgehen entschieden wird. Man ganz schamlos von einem Bett ins andere hüpft  – manchmal ohne dazwischen zu duschen. Carrie fragt sich, ob Aiden Big riechen kann wenn Big Aiden in den Laken riecht. Berechtigt, oder? Warum ist das denn alles so? Sind wir wie kleine Kinder, für die etwas erst spannend wird, wenn es verboten ist? Wieso nimmt Freundin J. nicht diesen super smarten Typ, der ihr den Hof macht, sie zum Lachen bringt, immer für sie da ist, sie auffängt und loslässt – ein richtig guter ist und einer, den man gerne seinen Eltern vorstellen würde. Warum also nicht das, was offensichtlich gut ist? Anstatt dessen mehr oder weniger geheime Treffen mit dem verheirateten M., bei denen die Kinder und das Haus ganz weit weg sind und die Lippen ganz nah beisammen. Essen und Lachen auf der Dachterrasse, verstohlene Blicke voller Sehnsucht auf das, was nachts im Hotelzimmer passieren wird. Warum? Hat das wirklich etwas mit dem Reiz zu tun? Wollen wir es immer spannend und prickelnd haben, obwohl wir eigentlich sehr gerne stilles Wasser trinken? Warum tun wir uns das an – weggeschubst und hergezogen zu werden wie eine Marionette? Weil wir glauben, die Fäden selbst in der Hand zu haben? Weil wir diese hoffnungslos romantische und ziemlich naive Vorstellung haben, dass er sich doch irgendwann ändert? Weil Frauen immer gerne die eine sind, für die alles andere egal ist?

| Schlechtes Gewissen? Irgendwie uncool!

Fakt ist: Selbst wenn der besagte verheiratet Mann sich irgendwann von Frau und Kindern trennt – sofern das auch nur irgendwie geht – will man den dann? Der, der das Programm schon einmal so erlebt hat und man selbst höchstwahrscheinlich in ein paar Jahren auch ohne den Typen da sitzen wird? #onceacheateralwaysacheater? Ich weiss nicht, was ich schlimmer finde. Dass Männer so etwas machen oder, dass Frauen so etwas machen. Und ja, hier muss ich jetzt verallgemeinern. Es soll ja durchaus auch Fälle geben, bei denen das gut lief und die jeweilig neuen Partner jetzt ganz harmonisch mit allen Beteiligten zusammenleben. Aber in allen übrigen Fällen frage ich mich: Ist das der Anspruch, alles haben zu wollen und ganz offensichtlich auch zu können? Dass wir uns gar nicht mehr entscheiden müssen, ob wir den netten Typ als Freund und den verheirateten einfach mal so zum Spaß haben? Die tolle Frau als Mutter unserer Kinder und das junge Mädchen, um gegen die Midlifecrisis anzukämpfen?

| Und die Moral von der Geschichte?

Breitet sich die I-want-it-all Attitüde auf unser gesamte Leben aus? Sind wir nicht nur eine Generation, der nach diversen Uni-Abschlüssen die ganze Welt offen steht (zumindest gefühlt) und wir uns gar nicht mehr entscheiden müssen, weil wir tatsächlich alles haben können? Ist das quasi ein moralischer Freifahrtsschein? Ist Entscheidungsmüdigkeit aufgrund des Überangebots eine Entscheidungsunmündigkeit geworden? Haben wir verlernt gutes von schlechtem zu unterscheiden? Und ist das alles nur die Spitze des Eisbergs? Sind uns die schier unendlichen Optionen so zu Kopf gestiegen, dass uns durch dieses neue Selbstbewusstsein tatsächlich die Moral flöten gegangen ist? Spitzt sich das jetzt alles zu, so wie die gesamtwirtschaftliche Lage? Man kann ja alles ausreizen. Ziemlich lange. Aber irgendwann platzt die Blase. Vielleicht brauchen wir wieder ein bisschen mehr Grenzen vor dem Horizont. Ein bisschen mehr Bodenhaftung. Werte, die mehr wert sind als die Summe auf dem Girokonto. Ein bisschen mehr Spießigkeit. Und vielleicht ist das alles gar nicht so schlimm? Vielleicht ist es aber auch so, dass uns all das aufzeigen soll, dass wir Menschen gar nicht für die Monogamie geschaffen sind? Dass wir uns vielmehr einer kulturell aufoktroyierten Lebensweise unterwerfen und alle wie Motten um das Licht fliegen, obwohl das gar nicht unserer Natur entspricht? Vielleicht müssen wir in dieser Sache einfach lockerer werden? Vielleicht müssen wir uns aber auch eingestehen, dass absolute Sicherheit mit Sicherheit eine Illusion bleiben wird. Wenn wir das erst einmal verstanden haben, die Veränderung und den stetigen Wandel akzeptieren, annehmen und diesen für uns gestalten – vielleicht würden wir uns alle dann weniger wehtun. Und ganz vielleicht wäre die Welt dann tatsächlich ein kleines Stückchen besser.

 

© themagnoliablossom

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Und manchmal ist das Leben ein Arschloch.

Prosa

Ich sitze unten am Fluss und halte meine Zehenspitzen ins kühle Nass. Die untergehende Sonne glitzert im Wasser und taucht es in warmes Blau. Obwohl es eigentlich braun-grün ist. Eher braun. So, wie deine Augen. Wie oft habe ich mir gewünscht in diese Augen zu schauen. Deine Augen. Nächtelang lag ich wach und redete mir ein, dass meine Schlaflosigkeit bloß von den fünf Tassen Kaffee rührt, die ich getrunken habe. Doch in Wahrheit dachte ich an deine Augen. An dich. An uns. Habe mir ausgemalt wie es wäre noch einmal in diese Augen zu schauen. Manchmal, da hast du plötzlich deine Augen aufgerissen, wenn wir uns geküsst haben – einfach so, um mich anzusehen. Wir mussten beide lachen. Und deine Augen bekamen dann einen ganz besonderen Glanz. Dann, wenn du glücklich warst. In diesen Nächten denke ich an die Tage mit dir. Endlose Tage am Meer, Sand unter meinen Füßen und Bauchschmerzen, weil du mich permanent zum Lachen gebracht hast. Vielleicht waren das aber auch gar keine Schmerzen in meinem Bauch, sondern Schmetterlinge. Wer weiss das schon. Es waren jene Tage im Sommer, an denen alles perfekt ist. Wir waren jung und unsere Haut roch nach Sonnencreme und die Küsse schmeckten nach Salz. Bittersüß. Wir hätten das damals schon wissen müssen. Doch der billige Wein, den wir aus der Flasche tranken ließ uns Pläne schmieden – weiter als der Horizont. Ich liebte die Art und Weise wie du mich angesehen hast, wenn wir miteinander schliefen. Du konntest nicht genug vor mir bekommen. Es war, als wäre eine unsichtbare Verbindung zwischen deinem und meinem Herzen, zwischen dir und mir. Ein starkes Tau. Kein du ohne mich. Kein ich ohne dich. Ohne uns kein wir. Wir haben drauf geschissen, was andere Leute gesagt und gemeint haben. Leute, die nichts damit zu haben. Mit uns. Wir lebten in unserem eigenen Kosmos und es war der schönste Stern auf Erden. Aber du warst nicht immer so glücklich. Manchmal wich der Glanz in deinen Augen einer Traurigkeit. Dann waren deine Augen eher braun als grün. Ein dunkle Mauer, die ich nicht durchschauen konnte. Obwohl ich alles von dir wusste. Wusste, wie es hinter diesem verschlossenen Tor aussah, hatte ich keinen Zugang. Du sagtest, kein Mensch sei dir so nah wie ich. Kein Mensch würde dich verstehen und begreifen, außer mir. Dein Leben ist nicht einfach und ich weiss, dass du dich deinem Schicksal stellen musst. Alles andere sei respektlos, sagest du. Aber manchmal frage ich mich, wo warst du? In diesen Nächten, wenn mein Herz rast, stolpert und sich vor lauter Erschöpfung übergeben muss. Dann frage ich mich wirklich. Wo warst du? Wo warst du all die Jahre in denen ich eine starke Schulter gebraucht hätte? In denen meine Augen dunkel und ohne Glanz waren.

Mein Zuhause ist in deinem Herzen, höre ich dich sagen und ich habe noch nie so wunderschöne und zugleich so traurige Augen gesehen, wie deine. Aber manchmal reicht Liebe einfach nicht. Und manchmal ist das Leben ein Arschloch.

Ich schaue auf das Wasser. Das Blau verschwimmt mit dem Grün und es ist eine trübe Brühe, die an mir vorbeizieht. Sie fließt immer weiter. Es gibt nur eine Richtung.

Du tippst mir von hinten mit einem Bier auf die Schulter. Danke, sage ich und du setzt dich zu mir runter auf die Steine. Dann sitzen wir eine Weile einfach so da und schauen dem Wasser beim Fließen zu.

 

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