Nichts als Worte.

Inspiration, Prosa

Worte. Nichts als Worte. Gesprochen und niedergeschrieben als wahrgewordene Gedankenfetzen, genährt von Erinnerungen. Gelebtes. Erfühltes. Gedachtes.

Worte. Nichts als Worte.

Gedanken in meinem Kopf bilden riesige Berge, die Worte klettern hoch – triefend vor Schweiß ob der Anstrengung. Nur mühsam schaffen sie es über die Zunge, ehe sie den Gipfel erreichen. Keuchend. Erleichtert. Befreit. Sie hallen in den leeren Raum, sie schwirren durch die Luft und ich spüre, wie sie sich in dein Herz bohren noch bevor sie dein Ohr erreichen.

Ich habe viel gesagt und ich habe immer noch nicht genug gesagt. Kann man denn jemals genug sagen? Bereuen wir am Ende nicht eher die Worte, die wir nicht sagen anstelle derer, die wir gesagt haben?

Worte nichts als Worte.

Ich höre dich denken, lauter als meinen eigenen Herzschlag. Und ich verliere den Glauben. Den Glauben an das Wort. Sind es doch jene Worte, die das Innerste nach außen tragen. Das Herz auf der Zunge. Aus Gedanken werden Luftschlösser gebaut. Gedanken objektivieren sich zu Worten. Und wenn wir sie aufschreiben, dann stehen sie da. Bis ich das Blatt verbrenne und sich die Worte zu Staub materialisieren. Ist das der Kreislauf? Funktioniert das so? Aber wohin gehen sie denn dann, die Worte? Fliegen sie durch das Universum, bis ein verlorenes Herz sie aufsaugt als wären es die eigenen? Die eigenen Gedanken, in Worten eines anderen. Ich atme deinen Atem ein. Ich bin du und du bist ich. Eins. Für diesen Moment.

Wieso dauert es nur einen Bruchteil von Sekunden, bis das gesprochene Wort durch das Ohr in den Körper dringt und warum so verdammt lange, bis es wieder raus ist, aus dem Herzen? Ein ewiger Kreislauf. Das Blut strömt und pulsiert in den Adern. Deine Worte steigen auf die Blutkörperchen und fahren mit. Immer zu im Kreis in meinem Körper. Deine Worte in meinem Körper.

Manchmal wünschte ich, ich würde sie nicht hören, deine Worte. Stellte mir vor ich tauchte ab, ganz tief in kristallklares Wasser, das unten immer trüber wird. Am Ende ist immer alles trüb. Ich sehe die Luft aus meinen Lungen entweichen. Blub. Blub. Blubblub. Winzige Luftblasen steigen an die Oberfläche. Ich ziehe mit und ringe nach Atem. Ich wünschte, meine Blutkörperchen führen allein durch meine Adern ohne den Ballast deiner Worte.

Aber irgendjemand muss sie ja sagen. Die Worte, die keiner hören will. Du schlägst Wurzel und ich will fliegen. Höher. Weiter. So, wie die Funken des Papiers, wenn ich deine Worte verbrenne. Und sie wieder als Gedanken durch den Himmel fliegen. Vielleicht ist das der Kreislauf und vielleicht muss das so sein.

 

© themagnoliablossom

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2 Gedanken zu “Nichts als Worte.

  1. „Wieso dauert es nur einen Bruchteil von Sekunden, bis das gesprochene Wort durch das Ohr in den Körper dringt und warum so verdammt lange, bis es wieder raus ist, aus dem Herzen?“ Ein großartiger Satz, mit so viel Aussage und ebensoviel Diskussionsgrundlage. Ich konnte sie bisher noch nicht beantworten…

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