Ja! Oder vielleicht doch Nein!

Kolumnen

Kennt ihr noch diese kleinen Zettelchen, die man sich früher in der Schule immer heimlich durch die Bänke gereicht hat, um den aktuellen Schwarm zu fragen, ob er oder sie mit einem gehen will? Da gab es immer die Option vielleicht. Wenn man sich nicht ganz sicher war oder eventuell noch mehrere solcher Zettelchen erhalten hat.

Heute führen wir ein Leben wie aus dem Katalog. Damit meine ich nicht nur die (schön) gefilterten Selbstinszenierungen und Persönlichkeitsbeschreibungen im Marketing-Jargon, sondern auch die obligatorische Rücksendegarantie. Portofrei, natürlich! Was nicht passt, geht zurück. Aber ausprobieren möchte man´s dann doch ganz gerne – die Zeiten, in denen man die Katze im Sack kauft sind schließlich mehr als vorbei.

Wenn der Schuh drückt, wird er zurückgegeben. Ausgetauscht. Ersetzt. Durch einen noch Besseren, Cooleren und überhaupt. Aua! Da platzt bei manchen die Blase. Denn die Auswahl ist schier unermesslich. Nicht nur an Schuhen, auch an Taschen, Hosen oder eben Jobs, Freunden und potenziellen Partnern. Alles kann, nichts muss. Um diese Freiheit, uns genau das aussuchen zu können, was wir wollen mag uns vielleicht die ältere Generation beneiden. Denn früher wurde gegessen, was auf den Tisch kam. Und das war beileibe nicht immer die fancy vegane Pasta vom neuen In-Italiener um´s Eck. Pasta. Basta. Aber vielleicht ist diese Freiheit auch nur ein ganz fieser Trick, eine Modeerscheinung, um uns in dem Glauben zu wiegen, dass tatsächlich alles möglich ist. Oder?


 

„Freedom´s just another word for nothing left to lose“


Ist es unser ständiges Streben – höher, besser, größer, weiter, toller – dass unserer Generation einen Strick in Liebesdingen dreht? Dass wir permanent der Meinung sind, dass das Gras auf der anderen Seite immer grüner ist? Der ultimative Traumpartner nur einen Wisch oder Klick weit entfernt ist? Dass sich festlegen eher uncool ist? Täglich sprießen neue, hippe Bars in den angesagten Stadtviertelen wie Krokusse aus dem Boden. Jede ein Pool an Möglichkeiten und Optionen. Dazu die echten Krokusse jetzt im Frühling. Und die Sonne. Hormonrausch deluxe. Man muss nur den Katalog aufschlagen und aussuchen, auf was man heute gerade Lust hat, oder?

vielleicht

 

Aber auf was für Menschen treffen wir denn in all den coolen Bars, wenn jeder damit beschäftigt ist sein Selbstbild auf Instagram zu optimieren und sich hinter all den Filtern vielleicht nur Unsicherheit versteckt. Unsicherheit was wir denn nun mit dem Leben und dieser Freiheit anfangen und Unsicherheit, weil irgendwie keiner mehr redet – also so richtig. Und, weil wir Angst vor echten Reaktionen haben. Eine Antwort in Bild und Ton, live. Kein Kommentar, der gelöscht werden kann, wenn er nicht dem Selbstbild entspricht. Wie läuft das, wenn doch alle irgendwie nur mal so gucken wollen? Wenn alle nur mal so bisschen das eigene Ego puschen wollen? Einen Gin Tonic. Mit Gurke. Oder ne, doch mit ner Zitrone. Ach was, ich nehm` ein Bier. Zum Mitnehmen. Ganz viel vielleicht und ein wenig eventuell.

Früher, da gab es diese unerschöpfliche Auswahl an potenziellen Partner, die uns in Zeiten von Datingapps á la tinder & Co vorgegaukelt werden nicht. Und der Illusion dieser Fülle an Möglichkeiten schenken wir alle gern Glauben. Und sei es nur für den kurzeitigen Rausch, in den uns der 400. Match versetzt. Ich könnte, wenn ich wollte. Fanatisch laden wir uns die App runter, liken und disliken was das Zeug hält. Verplempern wertvolle Zeit, immer mit der Hoffnung im Gepäck vielleicht doch den oder die zu treffen bzw. zu matchen – auch wenn wir eigentlich gar nicht auf der Suche sind und auch wenn wir längst wissen, dass auf diesem Portal viel mehr schlecht als recht ist.

Ja, früher. Da haben sich Petra und Klaus um 15 Uhr am Stadtbrunnen verabredet. Kein kurzfristiges Absagen durch eine läppische WhatsApp-Nachricht, kein langes Hin und Her bezüglich Ort und Zeit. Kein vielleicht morgen oder übermorgen. Ausgemacht war abgemacht. Ende. Vielleicht ist es genau diese Verbindlichkeit, die uns heutzutage fehlt? Weil wir immer insgeheim hoffen, dass doch noch was Besseres daherkommt. Ein tollerer Partner, ein aufregenderes Abendprogramm, ein spannenderer Job. Schließlich steht uns ja alles offen – schön blöd, wer sich da gleich zu Beginn festlegt, oder?

Die „das-Gras-ist-auf-der-anderen-Seite-immer-grüner “ Mentalität scheint zu einem Leitsatz einer ganzen Generation geworden zu sein. Ich glaube, dass all das Suchen und nicht finden ein Offenbarungseid für mehr Konstanz im Leben ist. Wir brauchen wieder mehr Verbindlichkeit, mehr Verlässlichkeit. Mehr Ja. Weniger Nein. Mehr Mut, mehr Entscheidungen und vor allem mehr Liebe. Das Tolle ist ja, dass uns im 21. Jahrhundert trotzdem alle Türen offen stehen. So können wir quasi doch wieder alles haben. Ist das nicht wunderbar? 😉

 

© themagnoliablossom

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6 Gedanken zu “Ja! Oder vielleicht doch Nein!

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