On the line

Kolumnen

80 % der Deutschen checken ihr Smartphone noch in den ersten 15 Minuten nach dem Aufwachen. Sagt zumindest das Magazin brandeins in der neusten Ausgabe. Ich fühle mich ja ertappt. Ehrlich!

Meine erste Amtshandlung des Tages – okay, meine 2. nach getaner Schwerstarbeit in Form von fünfzigmaligem Drücken der Snooze-Taste – ist das Checken meines Smartphones. Es hätte durchaus etwas Bahnbrechendes passieren können in den vier Stunden Flugmodus äh, Schlaf. Mit einer Tasse frischgebrühtem Kaffee schnell wieder rein ins warme Bett. Quality time mit meinem Handy. Dafür stehe ich eigens eine halbe Stunde früher auf. Ehrlicherweise nicht nur wegen des Handy-Checkens, sondern auch und vor allem hauptsächlich, weil ich´s morgens gern gemütlich angehe.

In der Mittagspause kann ich dem Impuls das Handy zu zücken kaum widerstehen und laufe zombiemäßig mit stoischem Blick auf das kleine, rechteckige Ding durch die Stadt. Es passiert auch einfach immer so viel und irgendwie weiß ich auch gern immer alles. (Könnte ja spontan mal ein Kamerateam vorbeikommen zwecks Interview, da will ich dann schon vorbereitet sein).

Im Ernst, ein bisschen komme ich mir vor wie ein Drogenjunkie auf der Suche nach dem Stoff für den nächsten Schuss. Latent suchtkranke Züge hat das Ganze schon – so viel Selbstreflexion muss sein! Vielleicht ist es auch nur die Macht der Gewohnheit? Wir Digital Natives sind schließlich mit diesen Dingern aufgewachsen und manch einer versteht mehr von Smartphones als von seiner Muttersprache. Oder ist es ein Versuch, sich nicht mit Dingen beschäftigen zu müssen, die eher unter die Kategorie „unangenehm“ fallen? Ablenkung á la Carte sozusagen? Sehr einfach! Das Paradoxe ist, dass das Mobiltelefon in seiner ursprünglichen Intention – dem Telefonieren nämlich – nur noch äußerst selten benutzt wird.

 

Wie wild tippen wir in die Tasten bzw. auf das Display, scrollen, wischen und posten was das Zeug hält und verstecken uns hinter selbst kreierten (Schein-) Welten. Die, die diesem Impuls widerstehen können, oder immer nur darüber meckern gehen vielleicht anderen Süchten nach. Einer Ersatzdroge, sozusagen. Studien belegen, dass sich die Fähigkeit einen Impuls zu unterdrücken mit steigender Anzahl der eintreffenden Reize irgendwann erschöpft. Ergo, nachgeben muss dann jeder mal. Der (kurzfristigen) Befriedigung des mehr oder weniger sinnlosen Konsums, andere gehen irgendwelchen Ernährungs-Challenges nach, kasteien sich und ihren Körper mit zu viel oder zu wenig Sport, wieder andere glauben an Gott oder an die heilende Wirkung von Leitungswasser – abgefüllt in schönen Glasflaschen für ganz viele Euronen. Glauben ist schließlich gut für die Gesundheit. Und ein bisschen was glauben wir ja alle, leider nur selten an uns selbst.

Ich glaube ja trotz meiner offensichtlichen Suchtkrankheit an das Zwischenmenschliche. An den Austausch, das Gespräch und den Blick in glänzende, runde Displays. An Worte, die sich von den Lippen einen Weg über das Ohr ins Herz bahnen – ganz ohne Verbindungsprobleme. Das schärft den Blick für´s Wesentliche, die Realität. Für alle, die es nicht wissen: Das ist das, was rund um das mehr oder weniger große Display passiert. Und das können wir uns nicht schön filtern.

Und weil meine Realität zuweilen auch ziemlich schön ist, gibt’s ab und an einen SPDD*.

 

Happy Friyay 😉

 

© themagnoliablossom

 

*Smartphone Detox Day

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2 Gedanken zu “On the line

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