Einmal um die Welt in einer Stunde

Kolumnen

Hochgeklappte Bürgersteige. Alles zu. Ende. Aus. Es gibt nichts mehr. Gähnende Leere herrscht trotzdem nicht – im Gegenteil. Zwischen Männern in Frauenkostümen, Frauen, die ihre besten Jahre definitiv hinter sich haben – diese Tatsache sie aber nicht davon abhält, Röcke zu tragen, die eigentlich Pullover sind und den obligatorischen Cowgirls versuche ich mir meinen Weg zu bahnen. Doch auch am nächsten Geschäft wird just in diesem Moment die Türe mit einem missbilligendem Lächeln geschlossen. Wie kann ich es auch wagen, um 13.59 Uhr einen Laden betreten zu wollen. Ich rolle mit den Augen und suche den Blick der Verkäuferin, die frech auf ein Schild verweist und sich galant aus dem Staub macht. AM FASCHINGSDIESNSTAG AB 14 UHR GESCHLOSSEN. Steht da in großen Lettern. Aha. Da will man einmal an einem freien Nachmittag abseits des Samstag-Shopping-Wahnsinns ein bisschen durch die Läden schlendern… Pustekuchen! Naja, dann lasse ich mein Geld eben woanders liegen, denke ich mir und schlängle mich weiter geschickt an Hexen und Piraten vorbei. Ich scheine mich hier ohnehin gerade in einer Hochburg der Wahnsinnigen zu befinden. Eine Prinzessin in Pink und Sektflasche in der Hand kann gerade noch rechtzeitig einer gemeingefährlichen Straßenlaterne ausweichen und ein Neandertaler mit Fellröckchen ohne was drunter wird sicher bald den Erfrierungstod sterben. Brrr! Von jedem der Stände, die entweder Alkohol oder Essen verkaufen – oder beides – ertönt ein anderes (Faschings-) Lied, was zusammen eine ziemlich ohrenbetäubende Suppe ergibt. Obwohl ich angesichts der Kälte nichts gegen eine heiße Suppe hätte – diese hier schmeckt mir ganz und gar nicht. Zwischen den wohl glückseligen Rufen und Schreien, habe ich nicht nur Schwierigkeiten mein eigenes Wort zu verstehen, sondern auch meinen Herzschlag zu fühlen, so sehr wummert der Bass. Ich schaue einen etwas dicklichen Jungen im Pilotenkostüm an, der mit roten Wangen kopfnickend  d i r e k t  vor dem Lautsprecher steht. Ich frage mich, wann der platzt! Also, der Lautsprecher…

geschlossen

Meine Reise geht weiter durch den wilden Westen über Afrika nach Asien, wo mich eine verlorene Squaw unter 100 Geishas freundlich begrüßt. Einmal um die Welt in einer Stunde. Doch auch abseits des Massentourismus finde ich nur dunkle Läden hinter verschlossenen Türen vor. Leicht genervt und ziemlich durchgefroren stelle ich kurz vor meinem Zuhause erheitert fest, dass der Supermarkt meines Vertrauens geöffnet hat. An einem Dienstag im Februar. Der Held. Darauf trinke ich einen heißen Glückstee. Helau und Alaaf. Man kann halt echt nicht alles haben. Prost!

 

© themagnoliablossom

 

 

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4 Gedanken zu “Einmal um die Welt in einer Stunde

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