Am Ende der Straße

Kolumnen

Eine Reise ist ja auch immer eine Suche. Irgendwie. Aber was suchen all die Reisenden? Die Weggeher, die Davonläufer, die Heimkehrer, die Wiederkommer?

Der Duden formuliert so treffend. Reise: “umgangssprachlich; [nicht] erkennen, in welcher Richtung sich etwas weiterentwickelt“. Eine Reise ist ein Ausbrechen aus Gewohntem. Das Zurücklassen des Gegenwärtigen und der Sehnsucht nach Neuem. Ein Wagnis ins Ungewisse. Ein Vergessen all der Probleme, die zu Hause warten – zumindest für einen gewissen Zeitraum. Ein tiefes Einatmen der frischen Luft , das dir ein Lächeln auf dein Gesicht zaubert und einen Neubeginn erahnen lässt. Das Kribbeln im Bauch in der letzten Nacht in deinem Zuhause. Eine Reise ist immer ein bisschen ein Aufbruch, ein Abenteuer. (Ich meine jetzt natürlich nicht den All-Inklusive-Pauschal-Urlaub auf Malle…)

 

Aber nicht immer muss eine Reise ein Davonlaufen – vor was auch immer – sein. Not all those who wander are lost. Reisen um des Reisens Willen. Um neue Dinge zu entdecken, sich inspirieren zu lassen und alles Fremde in sich aufzusaugen. Ich bin kein sonderlich guter Reisender und bevorzuge bei meinen Ausflügen in fremde Gefilde auch fließendes Wasser und ein sauberes Bett.

Not all those who wander are lost

Trotzdem verstehe ich die Liebe zum Reisen. Was ist nicht verstehe ich, ist das Meckern, Jammern und Beklagen über das eigene Land. In diesem Fall Deutschland. Ich lese so vieles über wundervolle Reisen und das Einzige, was mich bei all den Berichten ein bisschen nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass Deutschland oftmals so verteufelt wird. Da heisst es dann die Deutschen seien so und so und überhaupt. Man will so individuell sein wie jeder andere und sich dann aber am anderen Ende der Welt über ein Zusammentreffen mit Landsleuten ärgern. Klar, in Deutschland ist sicher einiges verbesserungswürdig, aber unfreundliche Menschen wurden noch in jedem Land gesehen. Es ist nicht so, dass ich besonders pro Deutschland wäre. Ich finde, dass es in jedem Land und in jeder Kultur solche und solche Menschen gibt. Jedes Land seine individuellen Vor- und Nachteile hat und das ist auch gut so.

Was ich meine ist: Wir sind hier geboren. Hinein in eine pri­vi­le­giert Welt. Nutzen all die Infrastruktur, die Ausbildungs- und Sicherungsmöglichkeiten. All die Annehmlichkeiten, die uns dieses Land bietet. Uns geht es gut. Mal abgesehen von unseren First-World-Problems und der Frage, was ich morgen Abend anziehen soll… Im Ernst. Uns geht es wirklich gut. Ich finde, dem gebührt ein bisschen mehr Respekt.

Wenn man von all den Reisen in ferne und weniger ferne Länder etwas mitnimmt, dann doch – neben all den beeindruckenden landschaftlichen Impressionen – einen respektvolleren Umgang mit fremden Menschen, Meinungen und Kulturen. Ein bisschen mehr Verständnis und Empathie.

Und vielleicht auch das Gefühl, dass eigene Zuhause ein bisschen mehr schätzen zu lernen. Manchmal laufe ich durch die Straßen – meine Straßen – atme den Duft der Stadt ein und bin einfach glücklich. In der gewohnten Umgebung immer wieder Neues zu entdecken, neue Wege zu gehen, fremde Türen zu öffnen und interessanten Menschen zu begegnen. Das Ich-sein immer wieder neu definieren. Das ist meine Reise.

Eine Reise hat immer etwas Rastloses. Ich bin für reisen, aber auch für das Ankommen. Aus all den gewonnen Eindrücken ein Zuhause schaffen – für die Seele. Im eigenen Körper.

Und ganz überhaupt: home is immer da, wo das ❤ ist.

 

In diesem Sinne,

ein wunderschönes Wochenende!

 

© themagnoliablossom

 

 

 

 

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7 Gedanken zu “Am Ende der Straße

  1. ja, ein schöner Beitrag 🙂 Und wenn mal wieder zu viel gemeckert wird oder ich gar selbst vom Mecker-Virus befallen werde, zitiere ich gerne: „Sei die Veränderung, die Du in der Welt sehen möchtest“

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  2. je mehr ich von der welt sehe, desto dankbarer und demütig werde ich, wie gut es uns geht. aber das mit dem meckern in deutschland stimmt schon. und ich finde gerade die, die viel meckern mit dem typischen stammtischgequatsche sollte man mal auf reisen schicken, das sind meistens die all inklusive das hotel nicht verlasser, deswegen sehen sie auch nicht, auf was für einem hohen niveau sie jammern. lg

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    1. Ja, erstens das, aber auch das Meckern über „die Deutschen“, die ja so und so seien und alles in Deutschland prinzipiell schlecht und nur im Ausland die ultimative Erfüllung liege. Oftmals wird die Schönheit und das Glück vor der eigenen Türe irgendwie vergessen dabei… Man muss ja auch immer bei sich selbst anfangen, wie Annette so schön gesagt hat. Und wenn man hier und mit sich selbst nicht glücklich sein kann, dann kann man das auch nirgendwo anders. Liebe Grüße 🙂

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