Excuse me, do you speak english?

Kolumnen

Äh, yes! Worum geht’s? Dachte ich mir noch… Hätte ich mal lieber nein gesagt, als mich ein arabisch (oder indisch?) aussehender Mann mit diesen Worten ansprach. „I´ve seen you from over there and you look so nice in your dress.” Aha! Thank you, sage ich lächelnd im Begriff weiter zu laufen. Leider nein, denn ich wurde ich ein Gespräch verwickelt und mit allerlei Fragen gelöchert.

Was ich denn hier so mache, ob ich studiere und wann denn nun dieses legendäre Oktoberfest anfinge. Er stellte sich vor, streckte mir grinsend seine Hand entgegen und ich höre mich meinen Namen sagen während vor meinem geistigen Auge die Uhr tickt. Noch 5 Minuten. 5 Minuten Pause habe ich. Meine wohlverdiente Mittagspause, die ich in aller Ruhe an einem gemütlichen Sonnenplätzchen genießen wollte. Seulement me, myself and I. Während ER (seinen Namen hab ich doch tatsächlich vergessen) fröhlich vor sich hin plauderte und schier nicht mehr zu bremsen war in seiner Euphorie, wirkte mein Lächeln zusehend gequälter. Krampfhaft suchte ich nach einem Satz, der mich schnellstmöglich aus dieser für mich unangenehmen Situation befreite…

Oh, can you take off your sunglasses please, I want to see your eyes. Also, das geht nun echt zu weit, denke ich und nehme dennoch milde lächelnd meine Sonnenbrille ab. „Oh, such beautiful eyes.” Was seine Euphorie in ungeahnte Höhen katapultierte.

Thank you. Yes. Nice. Ah, cool. Not bad. Höre ich mich erneut sagen. Please just leave me alone, denke ich.

Puh! Zum einen finde ich es ja wirklich mutig von einigen Herren der Schöpfung einfach so auf offener Straße eine wildfremde Frau anzusprechen. Ich würde mich das nicht trauen. Hut ab. Diesem vor Selbstbewusst sein nur so strotzendem Exemplar kam gar nicht in den Sinn, dass sein Gegenüber – in diesem Falle ich – nicht an ihm oder an einem Gespräch mit ihm interessiert sein könnte. Er lachte, quiekte, prustete zwischendurch laut los, freute sich über sich und seine eigenen Witze und grinste ununterbrochen wie ein Honigkuchenpferd. Dabei kam er immer wieder gefährlich nah in meine klar abgesteckte „mein-Tanzbereich-dein-Tanzbereich-Zone“. Jene 50 Zentimeter Sicherheitsabstand, die für die nötige Ernsthaftigkeit und den Respekt bei einem Gespräch mit  F r e m d e n  sorgen.

Ich wich immer wieder dezent zurück, was er mit einem sofortigen Nachrücken seinerseits quittierte. Prost, Mahlzeit! Dachte ich mir und dennoch stand ich mehr oder weniger gequält lächelnd da und versuchte mich in Small Talk.

excuse me

Worauf ich hinaus will: Wieso zur Hölle mache ich sowas?! Ich habe eigentlich keine Lust auf ein Gespräch, einen Kaffee, ein Treffen, Telefonnummer (wahlweise Facebook-Namen) auszutauschen oder was auch immer. No, I don´t want none of your time.

Nun ist dennoch immer wieder so, dass ich mich höflich nickend auf Gespräche einlasse. Oben beschriebenes ist nur eines von vielen Beispielen, in denen ich mich zu irgendwas habe breit schlagen lassen, auf das ich überhaupt keine Lust habe. Ganz und gar nicht. Kennt ihr das? Warum zur Hölle macht man sowas dann? Ist es die Angst, das Gegenüber vor den Kopf zu stoßen? Jemand anderen, der gerade so viel Mut aufgebracht hat zu enttäuschen? Oder die grundsätzliche Schwierigkeit nein sagen zu können? Oder will man einfach nur nett sein? Schließlich hat der ja nichts getan, denke ich mir oft… Wieso soll ich gemein sein und einfach weglaufen?

Nein, ich habe kein Intersse an dir.

Ich mag´s ja gern ehrlich und direkt und ärgere mich in solchen Situationen (im Nachhinein) immer über mich selbst, dass ich es in der Situation nicht schaffe, ehrlich zu sein. Nein, ich habe kein Interesse an dir. Baaam! Kann man sowas überhaupt nett sagen? In der schriftlichen Variante vielleicht mit einem lächelnden Smiley versehen? Wobei, das könnte auch wieder fehlinterpretiert werden… Und: Selbst (mehrfaches!) Nichtzurückschreiben wird oftmals als Zustimmung gewertet… Schwierig! Was nun? Einfach plaudern und mit der Telefonnummer rausrücken nur, um danach niemals dran zu gehen, wenn man angerufen wird? Ich muss unweigerlich an mein Karma denken…. Und ich habe beileibe schon genug Negatives gesammelt… Echt!

Und außerdem auch fies, weil man da dann ja auch irgendwas vorgaukelt, was eigentlich gar nicht ist. Hoffnungen bei dem Gegenüber weckt, die niemals erfüllt würden.

Es ist ein schmaler Grat zwischen höflich sein und doch bestimmt zu sagen, was eigentlich offensichtlich sein sollte. Denn ich bin der Meinung, mit etwas Feingefühl kann man(n) schon erspüren, ob sich frau da gerade wohlfühlt oder halt eben genau nicht.

I don´t want to disappoint you, but I have to go back to work now. Bye. Bricht es nach weiteren schier unendlichen Minuten aus mir heraus. Zack und weg war ich.

 

© themagnoliablossom

 

 

 

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6 Gedanken zu “Excuse me, do you speak english?

  1. Die Antwort war doch gut, wenn auch ein bißchen spät 😉 Ich will auch immer höflich sein, wenn ich in einem fremden Land und nach dem Weg frage etc. freue ich mich auch über nette Menschen. Wenn Hilfsbereitschaft mit Aufdringlichkeit quittiert wird, ist das sehr schade und auch anstrengend aber so sind sie halt, die Männer 😉

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  2. Das kenne ich nur zu gut. Ich gehöre prinzipiell auch immer zu der Sorte Mensch, die nett lächelt und sich fragt, wieso sie gerade 20 min mit jemandem plaudert, dem sie am liebsten mit dem Regenschirm eins überbraten würde … Okay, ganz so schlimm ist es nicht. 😀 Aber mir fällt es auch immer schwer schlicht und direkt „Ich muss jetzt weg!“ zu sagen, wenn jemand an sich nicht unfreundlich ist, sondern nur unterschwellig aufdringlich oder vielleicht nervig ohne es selbst zu merken. Hach. Keine Angst vorm unfreundlich sein müsste man haben. ^^

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    1. …“wenn jemand an sich nicht unfreundlich ist, sondern nur unterschwellig aufdringlich oder vielleicht nervig ohne es selbst zu merken“… Jaaaaa, genau das! Die Sache mit dem Regenschirm ist nicht schlecht, jetzt gerade auf den Herbst und so^^ 😀

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      1. Dann sind wir uns da ja einig 😀 Schirm bietet sich bei dem Wetter ja an – oder vielleicht könnte man beim Weg erklären unauffällig um sich schlagen? ^^ „you have to go over THERE *BÄMM*… ooh, sorry…“aber das wär ja auch wieder gemein 😀

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