Du weißt, du bist alt, wenn …

Kolumnen

Als ich mich gestern Morgen auf den Weg zu Arbeit machte, hatte ich trotz der Uhrzeit jenseits von Gut und Böse noch etwas Zeit und ging zu Fuß anstatt wie sonst, die Tram zu nehmen. Während ich mit kleinen Augen an meinem hippen Kaffee im Pappbecher („to go“) nippte und mich in mein Bett zurück träumte, fiel mir auf, dass unheimlich viele betrunkene Menschen meinen Weg kreuzten. Also, nicht die Penner äh Obdachlosen, sondern eher so Leute vom Typ „Feiern-bis-die-Wolken-wieder-lila-sind“. Wie die Ratten bei Anbruch der Dunkelheit kriechen sie aus ihren Löchern, bloß andersherum, wenn die Putzfrau sie aus den hell beleuchteten Clubs verscheucht.

Sie singen, tanzen, lächeln. Stehen in Scharen zusammen und beratschlagen lautstark, wo´s denn jetzt hier zur Afterhour geht. Manche können nicht einmal mehr geradeaus gehen, andere stopfen Döner in sich rein – was eher weniger appetitlich aussieht. Alle jedenfalls sehen ziemlich blass aus mit ihren dunklen Rändern unter den Augen. Die Ladies in ihren hübschen Kleidchen mit den vom Feiern zerrissenen Stumpfhosen – gar nicht mal mehr so schön.

Ich friere und nehme einen großen Schluck von meinem heißen Kaffee. Noch gar nicht so lange her, denke ich, da war ich auch eine von denen. Habe die Nächte zum Tag gemacht und mit Genuss einen Burger um 6 Uhr morgens verdrückt und die Reste davon mit nem` Bier runtergespült – klasse Frühstück!

Während ich an der Ampel brav auf das grüne Männchen warte, lehnt auf der anderen Seite ein Mann (sagen wir so um die 40) an dem Laternenpfeiler. Grüne Hose, rote Socken, Daunenweste und Timberlands inkl. Nerdbrille – also top gestylt (*hust*). Er schließt die Augen und atmet tief ein und aus. Als es grün wird läuft er los und versucht im Zickzack auf die andere Straßenseite zu gelangen… Hoppla, da wurde die Afterwork-Party wohl nahtlos zur Prework-Party – zumindest kann er in dem Outfit direkt wieder ins Büro. Eine Sorge weniger.

Beer Cans on the Floor

Mein Kaffee ist leer und ich bin immer noch nicht richtig wach. Früher habe ich zwei Tage  h i n t e r e i n a n d e r  feiern können; mittlerweile brauche ich fast eine Woche um nach einem Partyabend wieder halbwegs fit zu sein. Und so überhaupt und allgemein sind meine Couch und ich sehr gute Freunde geworden. Der Zenit ist eindeutig überschritten…

Ich werfe den leeren Pappbecher in den Müll und sage mir, dass sich einfach nur meine Prioritäten verändert haben. Dass für mich nun andere Dinge wichtiger sind. Ein schönes Abendessen mit Freunden, eine gemütliche Mädels-Runde mit einer Flasche Wein, oder ein heißes Date mit meiner Couch. Oh yeah! Ich glaube wirklich, dass sich im Laufe der Zeit die Prioritäten verändern. Dass sich das Interesse weg von sinnlosem Besaufen und hin zu mehr Quality Time bewegt – bis jemand mit dem ersten Shot um die Ecke kommt.

Hach ja, man ist ja immer nur so alt, wie man sich fühlt. Und für alles andere gibt es diese winzigen Creme-Döschen mit den riesigen Preisen…

 

In diesem Sinne, Prost!

 

© themagnoliablossom

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6 Gedanken zu “Du weißt, du bist alt, wenn …

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