Vom Sammeln und Jagen

Kolumnen

Irgendwie liegt es ja in der Natur der Dinge, dass wir Menschen zum Sammeln veranlagt sind. Beeren, Pilze, Kräuter oder auch alte (kaputte!) Haushaltsgeräte, leere Flaschen, Schulhefte aus der Zeit als die Diddl-Maus cool war, Schnipselchen und Zettelchen und allerlei Dinge, die man halt so braucht. NICHT.

Ich bin von Kurzem umgezogen und musste mich der erschreckenden Tatsache stellen, dass das steinzeitliche Sammler-Gen im Laufe der Evolution bei mir leider nicht an Gewicht verloren hat.

Es war (und ist) der absolute Wahnsinn, was sich in 8 Jahren so alles angesammelt hat: Schulbücher (aus der 5. Klasse), eine feinsäuberliche Sammlung sämtlicher Magazine aus den Jahren 2003-2014, Einkaufzettel, leere Briefkuverts von Omi und einen riesen Kleiderschrank voll nichts zum Anziehen. Eine geschlagene Woche habe ich gebraucht, um halbwegs Ordnung in dieses Chaos zu bringen.

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Einerseits war es schön, in alten Erinnerungen zu schwelgen und längst vergessene Dinge wieder zu entdecken, auf der anderen Seite auch unfassbar erschreckend was ich so alles aufgehoben habe. Nicht, dass meine Wohnung im Chaos versunken ist, nein – es war alles ordentlich und akkurat verstaut und hübsch verpackt. Ich hab´s ja schließlich gern schön.

Ich frage mich, woher dieses zwanghafte Sammeln oder soll ich sagen nicht-wegwerfen-können kommt. (So langsam ziehe ich wirklich ernsthafte Krankheitszüge in Erwägung). Nun gut, zum einen trägt der Umgang meiner durch die Nachkriegszeit geprägten Großeltern sicher dazu bei. Man weiß ja schließlich nie, ob man nicht doch nochmal einen kaputten Mixer benötig. Just in case.

[Vielleicht hat das Horten von Dingen auch einfach etwas mit dem Thrill des Jagens zu tun? Also, ich für meinen Teil jage auch unfassbar gerne. Dem bloßen Akt des Jagens gilt meine ganze Aufmerksamkeit – allein der Besitz genügt, um das Interesse zu verlieren.]

Im Ernst. Ausmisten, aussortieren, wegwerfen hat immer auch mit loslassen zu tun. Sich von Altem zu trennen, um dem Neuen ein Chance zu geben. Ohne Ende kein Anfang.

Am eigenen Leib habe ich erfahren, wie befreiend das sein kann. Natürlich habe auch ich eine Kiste (naja 2, aber dafür große) in denen ich die wirklich wichtigen Erinnerungsstücke aufbewahre. Hübsch verpackt mit einem Schleifchen herum. So eine Kiste, die man in 20 Jahren an einem regnerischen Sonntagnachmittag öffnet und es sich so anfühlt als finde man einen verborgenen Schatz.

Von allem anderen habe ich mich getrennt. Und es fühlt sich gut an. Frei und federleicht. Wie ein weißes Blatt, dass jeden Tag auf´s Neue mit den wundervollsten Geschichten beschrieben werden kann. In allen Farben. Jawohl!

Und die allerschönsten Erinnerungen tragen wir ohnehin in unserem Herzen. Und das haben wir schließlich immer bei uns.

 

©themagnoliablossom

 

 

 

 

 

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6 Gedanken zu “Vom Sammeln und Jagen

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