Circle of Life

Kolumnen

Glück und Pech. Freude und Trauer. Kommen und Gehen. Leben und Tod. All das liegt manchmal so nah beieinander, dass einem die Grenzen weich, porös – ja gar fragil vorkommen.

Beherrschte das pure Glück das Befinden [Happiness und so], so kann das von einer auf die andere Sekunde völlig anders sein. Oftmals liegen nur Millisekunden dazwischen. Diese Dimension, diese Vergänglichkeit stimmt mich nachdenklich…

Auf dem Weg zu Arbeit habe ich einen Anruf erhalten mit der Nachricht, dass mein Opa in der Nacht zuvor gestorben ist. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag und alles um mich herum wurde dunkel und grau. Nebelschwaden zogen ihre Bahnen vor meinen Augen. Meine Knie wurden weich und der Boden unter meinen Füßen begann sich zu bewegen.

Solch eine Nachricht kommt immer unverhofft. Dennoch war er absehbar – dieser Anruf und sein Tod. Er hatte ein wunderbares Alter (95!) erreicht und das ohne nennenswerte Krankheiten. Er hat wahnsinnig viel erlebt und noch viel mehr zu erzählen gehabt. Er konnte einfach friedlich einschlafen. Es ist also okay.

Dennoch ist es eben nicht okay. Meine Gedanken kreisen um seine lieben Worte am Telefon, ihn doch bald mal wieder besuchen zu kommen. Zu diesem Besuch kam es nicht. Zu diesem Besuch wird es nie mehr kommen.

Ich frage mich, ob ich ein schlechtes Gewissen haben muss? Ob mein Besuch am Totenbett das wieder wettmachen kann? Geht es hier um mich? Um mein Empfinden oder um ihn? Da sind auf einmal so viele Dinge, die ich ihn fragen möchte und ich ärgere mich, dass mir das nicht schon früher eingefallen ist. Jeder geht seinen Weg, jeder lebt sein Leben. Für Zeit mit lieben Menschen reicht es im stressigen Alltag häufig nicht – gerade, wenn man nicht einmal in derselben Stadt lebt.

Wann hat das angefangen? Wann wurden Meetings, Überstunden, After-Work-Partys & Co wichtiger, als Zeit mit der älteren Generation zu verbringen? Ich möchte ganz laut „stopp“ rufen, ich möchte dieses Wort herausschreien, ich möchte aus diesem Karussell aussteigen, doch meine Kehle ist wie zugeschnürt – ein leises Winseln ist alles, was ich herausbekomme.

circle

Ich möchte, dass wir uns – ich mich – zurückbesinnen auf Werte, die nur die ältere Generation uns zu vermitteln weiß. Ich wünsche mir, fünf gerade sein zu lassen, auf mein Herz zu hören und eine Hand zu halten, wenn mir danach ist. Ich möchte das Gefühl der Vergänglichkeit spüren, es aufsaugen und so verinnerlichen, dass ich es nie mehr vergesse. Ich nehme mir vor jeden  e i n z e l n e n  Tag zu schätzen, so, dass ich alle Abende für immer einschlafen könnte und sagen kann, es ist alles gut, so wie es ist.

 

© themagnoliablossom

 

 

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3 Gedanken zu “Circle of Life

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