Now ist jetzt

Kolumnen

Es gibt Tage, an denen möchte man am liebsten den g a n z e n Tag im Bett verbringen. Wenn es draußen ungemütlich ist, kalt und mal wieder ohne Punkt und Komma regnet beispielsweise. Da kann man sich´s dann drinnen schon echt gemütlich machen und allerlei hübsche Bilder posten mit #rainyday #cozy und so was. Naja, andere haben Sex in Küche, ich esse an solchen Tagen auch mal ganz gern im Bett.

Soweit so gut. Es gibt auch Tage, an denen man einfach nicht aus dem Haus kann, weil es einem wirklich, wirklich schlecht geht. Also, ich meine jetzt nicht das „es geht zu Grunde mit mir – schlecht“ von Männern, die mal nen Schnupfen haben, sondern richtig schlecht. Physisch, psychisch, mental und überhaupt. Einfach nicht in der Verfassung auch nur ansatzweise Kontakt (auch telefonisch) mit einem anderen Lebewesen zu unterhalten. Versteh ich. Kenn ich. Manchmal ist einfach nur schön, seinen eigenen Gedanken (-gespinnsten) nachzuhängen und so richtig in Selbstmitleid und Weltschmerz zu versinken. Ja, ein Hoch auf die Melancholie.

Dann wiederum gibt es Menschen, bei denen ist sogar an Tagen mit strahlend blauem Himmel alles zu viel. Sie versinken in Lethargie und selbst der winzige Sonnenstrahl, der sich durch die zugezogenen, dicken Vorhänge seinen Weg bahnt, ist vergebens. Es gibt tatsächlich Menschen, die phlegmatisch veranlagt sind. Der Duden beschreibt das sehr treffend als „Zustand körperlicher und psychischer Trägheit, in dem das Interesse ermüdet ist“.

Dabei scheint es egal zu sein, ob es wirklich ein (individuell) grausamer Tag ist oder, ob man vermeintlich gut gelaunt am Tresen einer hippen Bar steht. Das Phlegma quillt ihnen aus jeder Pore und hinter den traurigen Augen lassen sich tiefe Abgründe erahnen. Dieser Weltschmerz – oder soll ich sagen Welthass – kommt unweigerlich von innen. Ein überschwappendes Gefühl, dass jede einzelne Zelle des Körpers zu beherrschen scheint, ja förmlich zu zerfressen droht.

Ich frage mich dann immer, woher das kommt? Was ist diesen Menschen widerfahren? Diesen Menschen, deren Leben man insgeheim bewundert? Die scheinbar alles haben, was man sich nur wünschen kann und trotzdem in einem undefinierbaren schlechte-Laune-Gefühl versinken?

Ganz ehrlich, mich zieht die Gegenwart solcher Menschen immer runter. Ich fühle mich ausgelaugt und ausgesaut, wie ein Iphone-Akku nach 5 Stunden Dauerbetrieb mit facebook, whatsapp, intragram und tinder – und zwar all at once. Völlig leer und energielos. Lethargisch. Phlegmatisch.

Wahrscheinlich ist es diesen Menschen nicht einmal bewusst, dass sie andere damit in den Bann ihrer dunklen Welt ziehen. Ich frage mich, woher kommt das? Warum ist dieses Gefühl, diese Ausstrahlung, diese negative Aura bei manchen Menschen so sehr präsent? Immer? Ist es die Unfähigkeit, die eigenen Gefühl und Emotionen zu handeln – zumindest für einen bestimmten Zeitraum? (Zuhause kann man ja wieder wahlweise 1-5 Packungen Tempos verheulen). Ist es eine Form von Narzissmus, bei der man sein Innenleben nach außen tragen möchte, um sein Aufmerksamkeitsdefizit zu befriedigen? Ist das vielleicht ein Relikt aus der Kindheit?

Wie auch immer – ich kann das sehr schwer nachvollziehen. Ich bin eher so der Typ „Frohnatur“. Lache viel und oft, häufig auch zu laut. Versteht mich nicht falsch, auch ich habe gelegentlich schlechte Laune und ertrinke, äh bade in Selbstmitleid (siehe auch Kolumne Happiness und so“). Nichts und niemand kann mir dann helfen, außer ein Tag im Bett mit ganz viel Eis (aus der Packung) und ein paar Folgen meiner Lieblingsserie.

Dann geht, ja muss, wieder die Sonne aufgehen. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dass man manche Dinge einfach nicht ändern kann und selbst das größte Ausrasten, das wahnwitzigste Durchdrehen und jämmerlichste Weinen diese auch einfach nicht ändern. Schon mal versucht ein Auto von A nach B zu tragen? Und ich spreche hier von keinem Spielzeugauto, sondern von einem richtigen SUV? Eben…

Love it. Change it. Or leave it.

Meine Mama hat früher immer zu mir gesagt – wenn ich mal wieder Ozeane geweint habe und partout nicht glauben wollte, dass die Sonne morgen wieder aufgeht – „nichts wird so heiss gegessen, wie es gekocht wird“. Und glaubt mir, ich habe sie gehasst dafür. Erstaunlicherweise ist es ja so, dass Mütter immer Recht haben. (Erschreckend!)

Ich habe gelernt, dass vieles auch mit der eigenen, inneren Haltung, der Einstellung zu tun hat.

A negative mind will never give you a postive life.

Ich habe gelernt, den Moment zu schätzen. Das was man hat, zu würdigen. Es ist alles, was man hat.

 

Zugegeben, es ist nicht immer einfach. Aber es erleichtert einem das Leben ungemein. Die Zeit, die Momente, die man hat dankbar anzunehmen und einfach zu genießen. Sei es eine spontaner Abend mit den Mädels, oder ein Telefonat mit der kleinen Schwester. Oder einfach nur, eine Tor zu einem wunderschönen, verborgenen Hinterhof zu entdecken.

Alles ist so vergänglich. Also, raus aus den Federn, ade zum Weltschmerz und der Lethargie. Vorhang auf und raus in das pure Leben. Ein Lächeln, eine Umarmung, ein Blick.

 

Jetzt. Now is all you have.

(Alan Watts)

 

Und glaubt mir, danach sieht die Welt wirklich schon wieder ganz anders aus.

 

© themagnoliablossom

 

 

 

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