VOM PLATZEN EINER SEIFENBLASE ODER WELCOME TO REALTIY

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Seit einiger gefühlten Ewigkeit lebe ich an einem wunderschönen Ort. Einer von mir geschaffenen Welt, in der alles exakt so ist, wie sich das mein Gehirn mit dem Zutun von meinem Herzen so zusammenspinnt. Diese Welt ist so schön, dass ich für immer dort leben will. #foreverandevaaaa

Dass diese Welt nur in meinem Kopf existiert ist zweitrangig, denn die Grenzen zwischen (Wunsch-) Denken und Realität sind äußerst schwammig – zumindest für mich. Da kommt es schon gern mal zu Verwechslungen zwischen den beiden Aufenthaltsorten… #weltenhopping (ganz neuer Trend, sag ich euch).

Das Leben in so einer Gedankenwelt ist sehr praktisch. Alles, was nicht ins Drehbuch passt, wird ausgeblendet und zwar mit solch beharrlicher Konsequenz wie die Lebkuchen in den Regalen erscheinen – Anfang S e p t e m b e r. Man kann sich alles so zurechtdrehen, wie man es gerne hätte. Beiläufige Kommentare, Gesten oder einfach mal so daher Gesagtes wird eine tiefgründige Bedeutung zugewiesen. Da wird analysiert und interpretiert was das Zeug hält und genau so viele Freunde mit Fragen gelöchert, bis die Antwort kommt, die man hören will. Juhuuu! „Ich wusste ja, dass DU das genauso siehst“. Und weiter geht das fröhliche Zurechtrücken. Es ist verflixt, wie einen das Gehirn da auch immer wieder austrickst. Wie Gesten so völlig falsch gedeutet werden. Ist das eigentlich ein Sender- oder Empfänger-Problem á la ich-bin-nur-verantwortlich-für-das-was-ich-sage-und-nicht-was-du-hörst? Oder ein generelles Kommunikationsproblem?

Zwei Menschen, die sich offensichtlich mögen, sich ab und an (schicksalhaft versteht sich) treffen und dann auch eine schöne Zeit zusammen verbringen. Hallo, wie kann man äh frau da was falsch interpretieren? „Würde er mich nicht mögen, würde sich ja schließlich nicht schon seit einem Jahr mit mir treffen“. (Dass sich diese Treffen auf nächtliche und im alkoholisierten Zustand betriebene Konversationen beschränken sei mal dahingestellt).

Der Unterschied zwischen der-schnellen-Nummer-und-tschüssikowski und am Morgen danach den Tag gemeinsam zu verbringen – im Bett oder beim Sonntagsspaziergang – ist wohl mehr als deutlich. Eben! Weisste Bescheid. Da steckt dann schon mehr dahinter. Ein Kuss auf die Stirn, ein liebes Wort da, eine ernsthafte Frage nach dem Leben des anderen dort. Klar, da muss mehr sein.

Und logisch, dass vor allem frau sich nach einer Weile bei soviel-Honig-um-den-Mund-schmieren verliebt oder zumindest auf dem besten Wege dahin ist. Und von da an wird es gefährlich (man stelle sich an dieser Stelle bitte ein knisterndes Lagerfeuer vor oder besser gleich einen Waldbrand).

Durch eigene Recherchen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass derjenige, der in diesem Tête-à-Tête nicht verliebt ist, das „sich Verlieben“ bei der anderen Person geradezu heraufbeschwört. Ja! Um sein eigenes Ego zu stärken, sich besser zu fühlen, aus Feigheit oder weiß-der-Geier-warum. (Wer eine Antwort weiß, bitte eine Email an mich). Wohl bemerkt gibt er hierbei verhaltenstechnisch k e i n e n Unterschied zwischen Männlein und Weiblein.

Nun, durch diese divergierenden Gefühlswelten entsteht eine (einseitige!) Macht. Macht über die betreffende Person und deren – gelegentlichen bis häufigen – Aussetzern des Gehirns. Das hormonverseuchte Etwas. Herrje, was soll überhaupt dieser ganze biochemische-Hormon-was-weiß-ich-was?! Gibt’s da nichts von ratiopharm?

Bild1

Zum Teil führen diese Aussetzer so weit, dass man sich in Lebensgefahr bringt. Echt wahr! Zumindest, wenn man leicht paranoid veranlagt ist und beispielsweise nach einem (mal wieder) operativ-aktiv vollzogenem Tête-à-Tête ein leichtes Halskratzen verspürt und Google einem dann freundlicherweise mitteilt, dass dies der Anfang einer sehr gefährlichen Geschlechtskrankheit sein kann. Na, dann gute Nacht!

Ich gehöre (leider) zu dieser Sorte…

(Herzlichen Dank an dieser Stelle, an meine wunderbare Freundin, die seit Jahren diese Anfälle mit stoischer Ruhe erträgt.)

Wenn man denkt, dass solch ein Ausflug in Google-World das Gehirn wird auf den Boden der Tatsachen zurückholt – weit gefehlt! Das nächste Wochenende naht und alle einschneidenden Erlebnisse werden verbannt (passen nicht ins Drehbuch). Landet man dann wieder in den Armen äh Bett des andern, ist alles wieder vergessen – bis zum nächsten Halskratzen…

Ist ja auch vollkommen klar, dass da eine tiefe Verbindung zwischen den beiden herrscht, ja herrschen muss, sonst würde es ja nicht immer wieder so enden… Schicksal und so. Ja ja, say hi to Oxytocin!

Dissoziation – das wusste 1836 schon Piere Janet, ist die Trennung von Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalten, die normalerweise assoziiert sind. Aha! Und es geht hier nicht um die Verdrängung eines inneren Konflikts, sondern um einen äußeren Realitätsausschnitt, der verleugnet wird – also in seiner Bedeutung gar nicht wahrgenommen. So schaut´s aus Freu(n)d(e).

Das bin alles gar nicht ich. Es ist das „Es“, das Unbewusste! Das triebhafte Element der Psyche, welches weder Negation noch Zeit oder Widerspruch kennt. Ha ha! Unwillentlich bzw. unbewusst wird dadurch unser Handeln geleitet. Tadaaaaa, ich kann also gar nichts dafür, mich wie eine naive Barbiepuppe zu verhalten.

So ein Seifenblasen-Leben ist prinzipiell schon ganz angenehm. Und laut Freud kann man da noch nicht mal was dafür. So! Aber wehe es kommt jemand mit einer Nadel oder einem spitzen Finger… Plöp! Plöp! Die Realität kommt dann immer sowas von plötzlich, da kannste nicht mal plöp sagen schon rutscht man auf dem seifig-glitschigen Boden aus. Aua!

Egal, ob man den Mut hatte dem zweiten Tête aus dem Tête-à-Tête, die aufstrebenden Gefühle einzugestehen, oder man einfach erkennt, dass es doch nicht das Wahre ist oder beides (Tschüss „Es“, hallo „Ich“). Der Aufprall auf den Boden der Tatsachen tut immer weh und tritt auch immer in Momenten ein, in denen man es überhaupt nicht gebrauchen kann.

Oftmals bringt einem dieser schmerzhafte Aufprall aber auch eine glasklare Erkenntnis. Eine Projektion der inneren Sehnsüchte und Wünsche auf die nächstgreifbare Person – ohne Wenn und Aber, weil´s jetzt halt mal so sein soll. Eine innere Veränderung, die plötzlich eintritt und dich alles mit andern Augen sehen lässt. [„day by day nothing changes but when you look back, everything is different”].

 

Eine Freundin von mir sagt, für die Liebe gibt es kein schlechtes Timing – vielleicht hat sie Recht. Vielleicht muss man das als Traumtänzer einfach mal REALisieren.

 

In diesem Sinne welcome to reality.

 

© themagnoliablossom

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3 Gedanken zu “VOM PLATZEN EINER SEIFENBLASE ODER WELCOME TO REALTIY

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