As free as a bird – and I´m freeee, free fallin´

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Neulich habe ich folgenden Spruch bei facebook gelesen.

»Wenn du etwas loslässt, bist du etwas glücklicher.

Wenn du viel loslässt, bist du viel glücklicher.

Wenn du ganz loslässt, bist du frei.«

So einfach ist das also? Einfach mal loslassen und man wird glücklich? Und die Menge des Losgelassenen entscheidet über den Grad der erlangten Freiheit? Aha! Das habe ich natürlich gleich mal ausprobiert: Stift losgelassen. Plumps! Nichts. Zeitschriftenstapel mal galant vom Schreibtisch gefegt. Immer noch nichts. Okay, meine absoluten-lieblings-Schuhe zur Altkleider-Sammlung gegeben. (Für eine Schuhfetischistin ein riesen Ding – auch wenn das Lieblingsschuhe aus dem Jahr sind, als Britney sich noch als jungfräuliches Mädchen von nebenan präsentierte. Schuhe sind Schuhe. Punkt.) Wieder passierte nichts. Ich fühlte mich noch genauso wie davor. Kein aufstrebendes Glücksgefühl. Mhhh, irgendetwas stimmt da doch nicht.

Ich werde mutiger und entscheide mich an diesem Abend, einfach mal keine Nachricht á la sms-von-gestern-Nacht in alkoholisiertem Zustand an das Arschloch von vorgestern und vorvorgestern und überhaupt zu schicken. Schaue etwas dümmlich drein und stelle fest, aha – fühlt sich eigentlich ganz gut an. Yeah! Ich brauche dich nicht. Aber wo bitteschön bleibt diese versprochene Glückseligkeit? Das schtiiiiimmt jah alllles gaaaar nicht, hicks – höre ich mein Gehirn (oder das, was davon übrig ist) denken und gröle mit Tom Petty um die Wette „And I’m free, I’m free fallin‘“.

Oh, da bin ich irgendwie beim Sockenausziehen auf den Senden-Knopf an meinem Handy gekommen – dass dieses neumodische Zeugs auch immer soooo empfindlich ist. Einfach mal so gestreift und schon wird der komplette Liebesschwur gesendet. Schwuppdiwupp.

I wanna free fall out into nothin‘”. Vielleicht gab es ja einen Serverausfall und die Nachricht wurde gar nicht gesendet? Das kommt ja durchaus recht häufig vor…

Nächster Morgen. Kopf aua. Handy funktioniert (leider) einwandfrei. [Mehrfach getestet. Vom Festnetz aus angerufen. Es tuuuuutet.] Nachricht gesendet. Nachricht gelesen. (Danke Mr. Zuckerberg, für die Info, dass die Nachricht um 10.27 Uhr g e l e s e n wurde).

Die Tatsache, dass es jetzt bereits 13.34 Uhr und immer noch keine rote 1 oben links auf meinem Display erschienen ist, holt mich ziemlich schnell auf den Boden der (nackten) Tatsachen zurück. „Coming down is the hardest thing“. Jetzt ist sowieso alles egal. „freedom´s just another word, for nothin´ left to lose“ laaaa laaalaaaa.

Ja, wie ist das denn jetzt nun mit der Freiheit? Ist Freiheit der ultimative und erstrebenswerte Zustand? Frei wie ein Vogel – tun und lassen was man möchte? Ohne Rechtfertigung und Rechenschaft? Ohne Rücksicht auf Verluste? Oder geht es hierbei eher um den inneren Frieden? Das eins werden mit sich und seiner Seele? Eine absolute Zufriedenheit seulement avec moi? Me, myself and I.

Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, während Janis voller Inbrunst weiter singt “And nothin‘ ain’t worth nothin‘ but it’s free“….

4ever free

In den folgenden Wochen ließ ich einfach mal 5 gerade sein. Hörte auf, mir bis spät in die Nacht das Hirn zu zermartern, strich Floskeln wie hätte-könnte-täte-würde-was-wäre-wenn aus meinem Wortschatz. Löschte sämtliche Handynummern mit nächtlichem-Schreib-Anfall-Potenzial (selbstverständlich habe ich davor ein backup gemacht – just in case) und kümmerte mich zur Abwechslung einfach mal um mich. (Baustelle ist durchaus groß genug).

Ich verabschiedete mich von dem Gedanken, Dinge ändern zu wollen, die ich nicht ändern kann. I don´t give a fuck anymore. Anstatt ständig irgendeinem (unerreichbaren) Ideal hinterherzujagen, habe ich einfach mal meinen Blickwinkel geändert. Meine Einstellung. Ich versuchte aus jedem negativen Ereignis etwas Positives zu machen. Puh – gar nicht so einfach. Aber siehe da, nach und nach löste sich der Knoten, dessen unglaubliche – ja schier erdrückende Last – mir zuvor gar nicht bewusst war.

Ich hörte auf, Dinge an Personen oder bestimmten Ereignissen auszurichten. Alle Eventualitäten einzuplanen und selbst Plan Z bis ins kleinste Detail zu verfolgen.

Mit jedem Tag, an dem mir die Dinge, über die ich mir wochenlang Nacht für Nacht den Kopf zerbrochen habe zusehends egal wurden, verspürte ich eine unglaubliche Leichtigkeit. Ich wechsle die CD. „learning to fly…“. Es stimmt also doch! Je lockerer und unverkrampfter man an die Dinge rangeht, umso mehr man einfach mal loslässt, umso positiver scheinen sie sich zu entwickeln.

Es ist verrückt! Früher dachte ich immer, das sei Zauberei. Dabei ist es ganz einfach. Sobald man anfängt, die Dinge anzunehmen und seine eigene Einstellung und innere Haltung zu überdenken ändert sich alles. Selbst die rechtsdrehenden Joghurtkulturen in meinem Müsli werden zu Linksdrehenden. Tadaaaa!

Fangen wir mit dem an, was wir selbst aktiv beeinflussen können. Lösen wir uns von Dingen, die wir nicht ändern können. I´m in charge of how I feel and today I choose happy. Dadurch platzt der Knoten in der riesigen Cloud, in der all unsere (wirren) Gedanken gespeichert sind. Und es wird freier Platz geschaffen. Platz für die wirklich wichtigen Dinge, die uns berühren und letztendlich zu dem Menschen machen, der wir sind. Und sollte noch etwas Platz übrig bleiben, lassen wir den zur Abwechslung doch einfach mal frei.

 

»’Cause I’m as free as a bird now, and this bird you can not change «

 

© themagnoliablossom

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